FIFA-Vizepräsidentin fordert Herausgabe der Akten zum WM-Verkauf
Die englische Verbandschefin Debbie Hewitt verlangt von FIFA-Präsident Gianni Infantino die vollständige Offenlegung aller Dokumente rund um den gescheiterten WM-Verkaufsplan. Auch der Fall Folarin Balogun steht im Fokus.
Im Machtkampf an der Spitze des Weltfußballs verschärft sich der Ton: Debbie Hewitt, Vorsitzende des englischen Fußballverbands FA und zugleich FIFA-Vizepräsidentin, hat sich in einem Schreiben an Gianni Infantino gewandt und die Herausgabe sämtlicher Unterlagen zum sogenannten "FIFA Forward Enterprise"-Plan (FFE) gefordert.
Dabei handelt es sich um das mittlerweile zurückgezogene Vorhaben, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu veräußern – darunter Joshua Kushner, Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Der Brief ging auch an FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström, wie "The Times" berichtet.
Infantino hüllt sich seit Wochen in Schweigen
Brisant ist vor allem der Zeitpunkt: Das FIFA-Council, das Gremium, das als Vorstand der FIFA fungiert, war über den Verkaufsplan nicht informiert worden. Die Mitglieder erfuhren erst durch Medienberichte Ende Juli von der Existenz des Vorhabens. Infantino zog den Plan Anfang August per Brief an das Council zurück – seitdem herrscht laut dem "Guardian" Funkstille zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem Gremium. Stattdessen reise Infantino durch die Karibik, Südamerika, Marokko und Katar, um sich vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr Unterstützung zu sichern.
Auch der Fall Balogun unter der Lupe
Hewitt dringt in ihrem Schreiben zudem auf Aufklärung im Fall des US-Stürmers Folarin Balogun. Dessen WM-Sperre nach einer Roten Karte wegen groben Foulspiels gegen Bosnien-Herzegowina war aufgehoben worden – offenbar im Anschluss an ein Telefonat zwischen Trump und Infantino. Balogun durfte daraufhin im Achtelfinale gegen Belgien auflaufen, das die USA mit 1:4 verloren.
Die FIFA beteuert, die Ethikkommission habe eigenständig entschieden. Einen schriftlichen Bericht dazu gibt es laut "Guardian" jedoch bis heute nicht. Auch Fragen des belgischen Verbands blieben unbeantwortet, wie dessen Präsidentin Pascale Van Damme laut "The Times" bestätigte.
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Hewitts Vorstoß birgt ein kalkuliertes Risiko: Das Vereinigte Königreich bewirbt sich derzeit als einziger Kandidat um die Frauen-WM 2035, über deren Vergabe der FIFA-Kongress am 23. November entscheiden soll. Dennoch entzog die FA Infantino bereits ihre Unterstützung für eine vierte Amtszeit. UEFA und CONCACAF suchen derweil nach einem Gegenkandidaten. (red)