Finale: „Ich will ein Mannschaftsfoto mit dem Pokal und ohne Trump“
Als Donald Trump vom Feld läuft, winkt er noch einmal nach oben. Doch die spanischen Fans in der Kurve beachten ihn nicht. Sie feiern ihre Mannschaft, die 50 Meter entfernt den Pokal in die Höhe reckt. Beim Finale der Fußballweltmeisterschaft in New Jersey war der mächtigste Mann der Welt am Sonntag nur ein Statist bei der Krönung der Spanier. Es ist die Ironie dieses Abends: Ausgerechnet Spanien musste Trump den Weltmeisterpokal überreichen. 1:0 gewann der amtierende Europameister gegen Argentinien in der Verlängerung. Es wirkte wie ein kleiner politischer Sieg für Spanien. Denn kaum ein europäisches Land hat der 80-Jährige in seiner zweiten Amtszeit so beharrlich attackiert wie Spanien. Ein „hoffnungsloses“ Land nannte Trump es noch Anfang Juli, die Spanier bezeichnete er als „schlechte Menschen“. Das liegt unter anderem daran, dass Spanien sich bisher weigert, seine Verteidigungsausgaben für die Nato zu erhöhen. Kurzzeitig drohte der US-Präsident, den Handel mit Madrid komplett zu beenden. Im Stadion wurde der Konflikt nicht ausgetragen. Politisch war es vor dem Spiel. Auf den Anfahrtswegen zum Stadion verteilten Aktivisten eigens gestaltete Rote Karten an die Fans – als Protest gegen Korruption im Sport. Und wegen Trumps Anwesenheit bildeten sich bei den verschärften Sicherheitskontrollen vor dem Stadion lange Schlangen. Der US-Präsident nahm nach einem Überflug des Stadions im Helikopter auf der Ehrentribüne neben Fifa-Chef Gianni Infantino Platz – in einer Reihe mit Spaniens König Felipe, Königin Letizia und Ministerpräsident Pedro Sánchez. Doch mehr als ein kurzes Händeschütteln war nicht zu sehen. Am Freitag hatte der Mann im Weißen Haus auf Argentinien als Weltmeister getippt. Es sei schwer, gegen Messi zu setzen, sagte er. Nicht nur hier ging seine WM-Wette nicht auf. Trump wollte eigentlich mehrere Spiele besuchen Monatelang hatte der US-Präsident versucht, das Turnier zu seinem zu machen. Der WM-Pokal stand schon vergangenen August im Oval Office. Die Gruppenauslosung holte er ins Kennedy Center nach Washington, wo Gianni Infantino ihm den dafür eigens neu geschaffenen Friedenspreis der Fifa überreichte. Das Weiße Haus richtete eine eigene WM-Taskforce ein. Ins Stadion kam Trump trotzdem vor dem Finale nicht, obwohl er im Januar noch angekündigt hatte, „sicherlich mehr als ein“ Spiel besuchen zu wollen. Warum Trump dem Turnier so lange fernblieb, hat das Weiße Haus nie erklärt. Der Chef seiner WM-Taskforce sprach von Inszenierung, sein Chef möge „einen guten Cliffhanger“. Die naheliegendere Erklärung: Fast alle US-Spielorte liegen in demokratischen Hochburgen, nur zwei der elf WM-Stadien stehen in Landkreisen, die Trump 2024 gewonnen hat. Und der Präsident gilt als empfindlich, was öffentlich hörbare Ablehnung angeht. Erst im Juni war er bei den NBA-Finals im Madison Square Garden in New York ausgebuht worden. Das Risiko einer Wiederholung wollte Trump offenbar nur beim WM-Finale eingehen. Und kaum erschien der Präsident nach der Nationalhymne zum ersten Mal kurz auf den Bildschirmen, kamen Buhrufe von den Rängen – noch verhalten, verglichen mit dem, was ihm am Ende des Abends entgegenschlagen sollte. Nicht alle im Publikum wollten freilich die Politik in den Vordergrund rücken, so etwa Manuel aus Madrid, der die spanische Mannschaft die ganze WM über begleitet hat. Solange Spanien Weltmeister würde, sei ihm Donald Trump egal, sagte der 38-Jährige vor dem Spiel. „Was mir wichtig ist: Ich will ein Mannschaftsfoto mit dem Pokal und ohne Trump.“ Eine Anspielung auf die Klub-WM vor einem Jahr, als sich Trump im selben Stadion mitten ins Jubelfoto der Chelsea-Spieler gestellt hatte. An diesem Sonntag ging Manuels Wunsch so halb in Erfüllung. Nach dem Abpfiff betrat Donald Trump neben Gianni Infantino den Rasen. Ihr Bild erschien auf den Bildschirmen, prompt ertönten Buhrufe. Es wurde so laut im Stadion, dass die Musik kaum zu hören war. Mit stoischer Miene schritt der Präsident voran und winkte. Auf der Bühne angekommen, verteilten Trump und Infantino die Medaillen. Den Handschlag verweigerte kein Spieler. Stürmer Borja Iglesias, der aus seiner Ablehnung Trumps nie einen Hehl gemacht hat, hatte vorab gesagt, er hoffe auf eine schnelle Begrüßung, die er danach vergessen könne. Und so wirkte es auch: Die Spanier schienen diesen Moment so rasch wie möglich hinter sich bringen zu wollen. Dann stellte sich die Mannschaft auf. Gemeinsam übergaben Trump und Infantino den Pokal an den spanischen Kapitän Rodri. Als es Zeit für das Siegerfoto der Spanier war, ging Infantino zur Seite. Doch der Präsident verharrte. Erst als das erste Konfetti regnete, zog Infantino ihn weg. Die Spanier jubelten. Trump stand am Rand und schaute zu.