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Finanznot zwingt Air Baltic in den Gläubigerschutz

Wirtschaft

Es hatte sich seit Monaten abgezeichnet, dass bei Air Baltic ein tiefer Einschnitt ansteht. Die finanziell angeschlagene lettische Nationalairline gab Flugzeuge vorzeitig zurück, verabschiedete sich von ihren großen Wachstumsplänen und legte im August einen neuen Geschäftsplan vor. Doch auch damals stand bereits fest, dass es ohne frisches Geld nicht gehen würde. Jetzt folgt der bislang einschneidendste Schritt.

Die Fluggesellschaft hat in den USA freiwillig ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 beantragt. Das ermöglicht ihr, unter dem Schutz eines Gerichts ihre Schulden und andere finanzielle Verpflichtungen neu zu ordnen und mit Gläubigern und Leasingfirmen neue Vereinbarungen auszuhandeln. Der Betrieb von Air Baltic läuft währenddessen weiter.

Alle Flüge von Air Baltic finden erstmal statt

Für Reisende soll sich deshalb zunächst nichts ändern. Alle Flüge sollen wie geplant stattfinden, bereits gekaufte Tickets und Reservierungen bleiben gültig und Air Baltic verkauft auch weiterhin neue Tickets. Die Airline plant sogar bereits ihre künftigen Flugpläne - allerdings fallen dabei nach aktuellem Stand 18 Strecken weg. Bis ungefähr Juni 2027 soll das Verfahren abgeschlossen sein.

Für die Zeit bis dahin hat sich Air Baltic eine Zusage über 350 Millionen Euro frisches Geld gesichert. Das soll zusammen mit den Einnahmen aus dem laufenden Geschäft dafür sorgen, dass die Fluggesellschaft genügend Geld für ihren Betrieb hat. Das zuständige Gericht muss die Finanzierung noch genehmigen.

Air Baltic bekommt frisches Geld - doch das kostet

Billig ist dieses Geld allerdings nicht. Air Baltic nennt einen Zinssatz, der aktuell insgesamt bei rund zwölf Prozent liegt. Hinter der Finanzierung stehen Strategic Value Partners, Barclays, Hayfin Capital Management, Morgan Stanley und Oaktree Capital Management. Air-Baltic-Chef Erno Hildén betont, dass die Airline während der Neuordnung weiterarbeiten werde. Gleichzeitig müsse sie die bereits angekündigten Veränderungen umsetzen. Ziel sei es, Air Baltic effizienter und finanziell dauerhaft tragfähiger zu machen.

Wie weit sich die Airline bereits von ihren früheren Plänen entfernt hat, zeigt die Flottenplanung. Anfang Juli gab Air Baltic zwei geleaste Airbus A220-300 vorzeitig zurück. Im August folgte dann eine massive Korrektur der Wachstumspläne. Eigentlich wollte Air Baltic bis 2031 einmal 100 Airbus A220-300 betreiben. Davon ist inzwischen keine Rede mehr. Ende 2026 sollen es statt aktuell 54 nur noch 36 sein. Danach soll die Flotte langsam wieder wachsen, aber nur auf 41 Flugzeuge im Jahr 2031.

Chapter 11 soll den Rahmen für die Restrukturierung schaffen

Air Baltic begründete die Kehrtwende unter anderem mit einer schwächeren Entwicklung von Nachfrage und Einnahmen, den Folgen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie den anhaltenden Problemen mit den Pratt-&-Whitney-Triebwerken ihrer Airbus A220. Gleichzeitig konzentriert sich die Airline stärker auf Riga und will jährlich rund 45 Millionen Euro an Betriebskosten einsparen.

Doch bereits bei der Vorstellung dieses Plans im August war klar, dass Air Baltic nicht nur sparen, sondern auch neues Kapital beschaffen musste. Chapter 11 soll nun den Rahmen schaffen, um die Probleme grundsätzlich anzugehen. Während die Flugzeuge weiter abheben, stellt sich die Fluggesellschaft im Hintergrund finanziell neu auf.

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