Finnischer Edelstahl-Hersteller sagt Ansiedlung in Sassnitz ab
Stand: 19.10.2026 14:37 Uhr
Ein finnischer Edelstahlproduzent wollte in Sassnitz auf Rügen Biokoks produzieren. Daraus wird nichts. Wie es heißt, ist die Stadt zu klein, um genug Abwärme des Werks in ihr Fernwärmenetz einzuspeisen.
von Martina Rathke
Vor knapp zwei Jahren hat das finnische Unternehmen Outokumpu angekündigt, für 40 Millionen Euro eine Biokohlenstoffanlage auf dem Gelände des Fährhafens Sassnitz (Landkreis Vorpommern-Rügen) errichten zu wollen. Jetzt ist klar: Das Unternehmen siedelt sich nicht an. "Die Gründe dafür sind Veränderungen im operativen Umfeld, darunter begrenzte Möglichkeiten zur Wärmeabnahme in der Region", so eine Sprecherin des finnischen Edelstahlherstellers. Der Mietvertrag mit dem Fährhafen Sassnitz sei bereits aufgehoben worden.
Biokohlenstoff für nachhaltigen Edelstahl
Outokumpu ist nach eigenen Angaben weltweit führender Anbieter von nachhaltig hergestelltem Edelstahl. Das Unternehmen wollte mit der Anlage auf dem Sassnitzer Hafenareal seine CO2-Bilanz verbessern, da (nachwachsendes) Altholz statt Kohle für die Produktion von Kohlenstoff eingesetzt werden sollte. In dem Werk wollte Outokumpu pro Jahr 15.000 Tonnen Biokohlenstoff aus Abfallholz produzieren. Der Biokohlenstoff wiederum sollte als Rohmaterial für die Herstellung von Biokoks dienen. Biokoks setzt Outokumpu bei der Herstellung von nachhaltigem Edelstahl ein – als Reduktionsmittel in der sogenannten Ferrochromherstellung.
Stadt Sassnitz als Abnehmer zu klein
Für die Stadt Sassnitz sollte die Ansiedlung eine Art Win-Win-Situation werden - nicht nur wegen der erwarteten Gewerbesteuereinnahmen und der 25 Arbeitsplätze, die entstehen sollten. Das Konzept sah vor, die Abwärme für die Fernwärmeversorgung in der Stadt zu nutzen. Im Zuge der Berechnungen stellte sich heraus, dass die 9.000-Einwohner-Stadt für die großen Mengen Abwärme zu klein ist. Bürgermeister Leon Kräusche (parteilos) bedauert den Rückzug von Outokumpu. Es sei schade, wenn ein Unternehmen, mit dem die Stadt sehr intensiv zusammengearbeitet und versucht habe, Zukunftspläne umzusetzen, dann doch eine Entscheidung fällt, die nicht im Interesse der Stadt sei, so Kräusche. Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist mit zehn Prozent als Gesellschafter am Hafen beteiligt. "Dass ein angedachtes Vorhaben nicht realisiert wird, ist bedauerlich, aber ein normaler Vorgang", so ein Sprecher. Der Fährhafen sei und bleibe ein hochattraktiver Industrie- und Wirtschaftsstandort.
Dauerhafte Ansiedlung war geplant
Der Fährhafen Sassnitz mit seinen etwa 400 Hektar großen Gewerbe- und Industrieflächen ringt um eine zukunftssichere Ausrichtung. Große Offshore-Windkraftbetreiber wie Iberdola haben im Hafen ihre Betriebsstätten. Das Geschäft abseits der Hafenkante war bislang von befristeten Projekten geprägt, wie der Betonummantelung der Nord-Stream-Röhren oder der Herstellung von Betonteilen für die Kopenhagener U-Bahnstrecke. Outokumpu sollte ein dauerhafter Pächter werden.
Hafen sucht Partner für Energiekonzept
"Wir müssen ein Energiekonzept für diesen Standort entwickeln und nehmen dabei die ganze Insel Rügen mit ins Boot", so Hafenchef Henry Forster. Es mache keinen Sinn, ein Energiekonzept nur für diesen Standort zu entwickeln. Dabei gehe es neben der Windkraftproduktion unter anderem um Photovoltaik, Batteriespeicheranlagen und Wärme, so Forster. "Ein Denken im Umkreis von zehn bis 20 Kilometern würde den Standort für andere Kommunen und deren Bürger auch akzeptierbar machen", hofft Forster.
Vorarbeiten nutzen für andere Investoren
Trotz der Absage der Finnen schauen Stadt und Hafen zuversichtlich in die Zukunft. Man habe viel gelernt und Vorarbeiten getätigt, die man für andere Investoren nutzen könne, sagt Bürgermeister Kräusche. Nach Angaben des Hafens gibt es potenzielle Investoren. Namen wurden nicht genannt.