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Finnland genehmigt ein Endlager für Atommüll für 1 Milliarde, Frankreich wartet bis 2050 und plant dann Lager für 33 Milliarden Euro

Technologie

Frankreich bereitet sich darauf vor, ein Atommüll-Endlager mit dem Projektnamen „Cigéo“ zu bauen. Die „Grande Nation“ rechnet mit Kosten in Höhe von 33,36 Milliarden Euro. Finnland ist mit einem ähnlichen Projekt mehrere Jahre schneller. Indirekt betrifft das auch deutsche Stromverbraucher.

Was Sie dazu wissen müssen:

Frankreich ist der wichtigste Produzent von Atomstrom innerhalb der EU.

Unter anderem liefert das Land seine Energie nach Deutschland aus.

Dabei fallen toxische Abfälle an, die von Kritikern als eines der wichtigsten Argumente gegen Atomkraft angeführt werden.

Jetzt will Frankreich ein Großprojekt zur Endlagerung aufbauen.

Finnland ist damit jedoch schneller.

Frankreichs Atom-Endlager kostet 33,3 Milliarden Euro

Ein kurzer Blick nach Finnland: Am Donnerstag (22. Oktober) hat Finnland grünes Licht für den Bau eines unterirdischen Atommüll-Endlagers gegeben. Das teilte die Regierung mit. Eine letzte Genehmigung durch eine Sicherheitsbehörde fehlt noch, dann wäre Finnland weltweit die erste Nation, die diesen Schritt geht.

Das Onkalo-Projekt liegt im Südwesten Finnlands und ist in etwa 1,9 Milliarden Jahre alten Fels gebohrt. Ein in 430 Meter Tiefe liegendes Lager soll spezielle „Särge“ aus Kupfer beherbergen, die in einer Pufferzone aus Bentonit-Ton eingelagert werden. Betrieben wird das Projekt vom Unternehmen Posiva, das schon 2004 mit dem Bau begonnen hatte. Zwischen Baubeginn und Betriebsgenehmigung liegen also rund 22 Jahre. 6500 Tonnen Uran sollen einst dort lagern.

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Frankreich braucht länger. Die größten Unterschiede: Während Finnland lediglich eine Milliarde Euro an Kosten angibt, so deckt dieses Geld laut dem französischen Portal „Jechange“ lediglich die Bauphase ab. In Frankreich decken die 33 Milliarden Euro den gesamten Lebenszyklus von „Cigéo“ – von der Planung über den Bau bis zur Stilllegung. Die finnischen Angaben erlauben also keinen direkten Vergleich.

Das französische Projekt im Überblick:

Ort: Bure, zwischen Maas und Haute-Marne, etwa 500 Meter unter der Erde

Lagerkapazität: 83.000 Kubikmeter (nicht vergleichbar mit Tonnen)

Kosten des Bauvorhabens: 9,74 Milliarden Euro

Kosten des gesamten Lebenszyklus der Anlage: 33,36 Milliarden Euro

Die beiden Anlagen lagern außerdem unterschiedliche Abfälle. In Finnland werden die vollständigen Brennelemente eingelagert, Frankreich dagegen betreibt Wiederaufbereitung der Elemente und lagert nur einen kleinen Teil seiner Abfälle ein. Der macht dafür aber 99 Prozent der Radioaktivität aus. Die Abfälle stammen aus Anlagen von EDF, Orano und CEA.

Europas wichtigster Lieferant für Atomstrom

Frankreich gilt als die europäische Kernkraft-Nation. Kein anderer Staat der EU produziert so viel Atomstrom. Laut der World Nuclear Association hatte Atomkraft im Jahr 2024 einen Anteil von 67 Prozent am französischen Strommix. Die betriebsfähige Kernkraftkapazität ist seitdem konstant geblieben. Die Reaktoren des EDF-Konzerns liefern einen Großteil des Stroms, der in französischen Haushalten verbraucht wird.

Atomstrom-Produktion 2024:

EU: 650.000 Gigawattstunden

Frankreich: 380.400 GWh

Spanien: 54.500 GWh

Finnland: 32.600 GWh

Frankreich treibt derzeit kleinere Atomreaktoren (sogenannte SMRs) voran, von denen mehrere ein großes Kraftwerk ersetzen könnten. Sie sind schneller zu montieren und sollen flexibler sein als die klassischen Atomkraftwerke. Ihre Module können per Lkw, Zug oder Boot transportiert werden. Bis 2035 will EDF zehn solche SMRs in der EU bauen. Das wiederum soll dem Kontinent dabei helfen, die Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe zu verringern.

Ursprünglich hatte auch Deutschland Atomstrom produziert, fuhr aber die Kernkraftwerke im Zuge des Atomausstiegs immer weiter herunter. Mittlerweile liefert keines von ihnen mehr Strom. Teilweise waren Sicherheitsbedenken dafür verantwortlich, der Klimaschutz spielte lange auch eine Rolle. Noch heute führen Kritiker von Atomkraft die ungeklärte Endlagerung als eines der großen Probleme an. Finnland und Frankreich zeigen, welche Lösungen es dafür geben kann.

Atommüll-Endlager „Cigéo“ braucht viel Zeit

Die Klimabedenken hindern Deutschland aber nicht daran, viel durch den Einsatz von Kernkraft erzeugten Strom zu kaufen. Wie der „Strom-Report“ berichtet, machte Kernkraft im Jahr 2025 etwa 23 Prozent der deutschen Stromimporte aus. Gleichzeitig ist Frankreich mit 11,2 Terawattstunden noch einer der wichtigsten Strom-Zulieferer für Deutschland. Kürzlich hat Dänemark Frankreich dabei abgelöst – vorher war Frankreich der wichtigste Exporteur für die Bundesrepublik. Mit einem funktionierenden Atommüll-Endlager wäre zumindest eines der Argumente gegen diese Importe auf ethischer Ebene entkräftet.

Bis dahin wird es aber eine ganze Weile dauern. Noch ist „Cigéo“ nicht zugelassen. Erst Ende 2027 bis Anfang 2028 wird ein Erlass zur Gründungsgenehmigung erwartet.

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