Firma aus Werne profitiert immer noch vom Louvre
In Werne sind sie stolz auf ihren Möbelaufzug. Einen ihrer Möbelaufzüge haben unbekannte Diebe genutzt, um sich selbst in den Louvre und später den Schmuck als Beute aus dem Pariser Museum zu bringen. Dieser kriminelle Coup sorgte für große Aufmerksamkeit.
Dass die Spuren des 88-Millionen-Euro-Raubes zu ihnen in die 30.000-Einwohner-Stadt im östlichen Ruhrgebiet führen, hat Julia Schwarwatz, Marketingchefin der Firma Böcker am Sonntag des Raubes auf der Couch gemerkt. Sie und ihr Mann, Chef des Unternehmens, kannten den Möbelaufzug auf den Pressefotos: Es war ihr Produkt.
Werner Unternehmen wirbt mit Louvre-Bild für Lastenaufzug
Letztendlich wurde es ein "Wenn's mal wieder schnell gehen muss." Hinter dem Text ein Bild vom Möbelaufzug vor dem Louvre, davor Absperrband und ein Polizeiauto. Am Montagmittag, etwas mehr als einen Tag nach dem Raub, postete Scharwatz diesen Beitrag - und landete einen Coup, von dem die meisten Marketingagenturen nur träumen.
Böcker Maschinenwerke baut Kräne und Aufzüge. Nichts, womit man die Massen begeistert. Kunden sind meistens andere Unternehmen. Auf Facebook und Instagram zusammen folgen dem Unternehmen heute etwa 34.000 Menschen. Der Louvre-Post hat laut Böcker trotzdem sechs Millionen Menschen erreicht. Der Humor wird gefeiert:
Eine andere Firma will auf Böckers Marketingwelle mitschwimmen und kommentiert, dass der Motor des Geräts von ihr komme. Die Resonanz ist fast durchweg positiv. An die Moral appelliert eigentlich niemand, obwohl die acht Schmuckstücke für das Museum und seine Besucher auch historischen Wert hatten.
Internationales Interesse an Familienunternehmen aus NRW
New York Times und die BBC interviewen den Werner Maschinenbauer. Indische und kasachische Medien melden sich. "Ich glaube, dass das Gerät bekannter wurde in Märkten, in denen man gar nicht wusste, dass es überhaupt Möbelaufzüge gibt," sagt Scharwatz. Sie geht aber nicht davon aus, dass ihr Möbelaufzug seit ihrem Marketing-Coup öfter bestellt wird.
Trotz der positiven Reaktionen auf ihren Humor wollte die Werner Firma natürlich auch wissen, wie die Kriminellen an den Möbelaufzug kommen konnten. Direkt am Montag nach dem Raub hatte der Frankreich-Chef des Unternehmens das Ergebnis: Der Aufzug gehört eigentlich einem französischen Unternehmen, das ihn an seine Kunden vermietet.
Aufzug bei Einweisung geklaut
Diese Kunden können zum Beispiel auch Privatpersonen sein, die das Gerät für einen Umzug brauchen. Vor dem Louvre-Raub meldeten sich vermeintliche Kunden beim Möbelaufzug-Vermieter und sagten, sie würden das Gerät mieten wollen. Als der Vermieter ihnen dann zeigte, wie das Gerät funktioniert, fuhren die Diebe mit dem Möbelaufzug davon.
Der WDR hat bei der Pariser Staatsanwaltschaft angefragt, ob sie weiß, wie es gelingen konnte, so ein großes Gerät trotz Aufsicht einfach mitzunehmen. Bisher ohne Rückmeldung. "Dem Unternehmen selbst sei der Vorfall sehr unangenehm", sagt Scharwatz.
Sofa-Kachel sticht Marketingagenturen aus
Wird die Mona Lisa auch noch über den Möbelaufzug entführt? Die Böcker-Belegschaft ist jedenfalls stolz auf ihr Gerät.
Bildquelle: Böcker Maschinenwerke
Auch ein Jahr nach dem Louvre-Raub schwappt die Aufmerksamkeitswelle in Werne immer noch nach. Erst im Sommer hat Böcker den Wettbewerb des Art Directors Clubs gewonnen. Frane Skaro ist bei dem Berufsverband für die Wettbewerbe zuständig. "Für den Preis wurden zahlreiche Arbeiten eingereicht", sagt er. Tatsächlich kam nicht Böcker auf ihn zu, Skaro habe der Firma nahegelegt, die Kachel einzureichen.
Er war nämlich sofort beeindruckt als er die Kachel sah: "Man hätte eigentlich erwartet, dass da eine professionelle Agentur dahintersteckt." Als er erfuhr, dass das Marketing eine Sofa-Idee sei, war für ihn klar: "Dem müssen wir eine Bühne geben, um auf den deutschen Mittelstand aufmerksam zu machen."
Feier zum Jahrestag des Louvre-Raubs?
Bei einem weiteren Marketingpreis steht Böcker mit seiner Kachel im Moment im Finale gegen BMW. Es sehe ganz gut aus, dass die Werner Firma auch diesen Preis gewinnen werde, sagt Scharwatz. Das Ergebnis soll im November feststehen.
Am Montag ist der Louvre-Raub genau ein Jahr her. Ob Böcker den Tag feiert? "Irgendwas machen wir bestimmt," sagt Julia Scharwatz.