Fisch, Roggen und Co.: Nordische Kost senkt das Sterberisiko
Roggen, Hafer, Wurzelgemüse und Fisch: Eine nordisch geprägte Ernährung könnte mit einem geringeren Sterberisiko verbunden sein. In einer Modellrechnung auf Basis schwedischer Gesundheitsdaten lag das für 24 Jahre geschätzte Risiko rund sechs Prozent niedriger als ohne Ernährungsumstellung. Ein eindeutiger Schutz vor schweren Lebererkrankungen ließ sich dagegen nicht nachweisen.
Aarhus (Dänemark). Wer sich gesund ernähren will, orientiert sich häufig an der Mittelmeerkost. Doch auch in Nordeuropa gibt es eine traditionelle, überwiegend pflanzenbetonte Ernährung: mit Hafer, Roggen, Beeren, Wurzelgemüse, Fisch und Rapsöl. Welche Folgen solche Essgewohnheiten über Jahrzehnte für die Gesundheit haben könnten, ist allerdings weniger gut untersucht.
Insbesondere die Leber steht dabei im Fokus. Kurzfristige Ernährungsstudien haben bereits günstige Veränderungen des Leberfettgehalts gezeigt. Ob sich dadurch langfristig auch schwere Lebererkrankungen oder Todesfälle verhindern lassen, bleibt jedoch offen.
Forscher der Aarhus University (AU) um Michael Fridén haben deshalb Daten von 64.406 Männern und Frauen aus zwei schwedischen Bevölkerungsstudien ausgewertet. Sie wollten abschätzen, wie sich eine dauerhaft gesunde nordische Kost im Vergleich mit den nordischen Ernährungsempfehlungen von 2023 oder ohne gezielte Ernährungsumstellung auswirken könnte.
Ein Langzeitversuch nur auf dem Papier
Dazu nutzte das Team wiederholte Ernährungsangaben und Informationen über mögliche Einflussfaktoren aus den Jahren 1997, 2008 beziehungsweise 2009 und 2019. Mit einem statistischen Verfahren bildeten die Forscher anschließend einen hypothetischen Versuch über 24 Jahre nach. Tatsächlich wurde niemand für diese gesamte Zeit zufällig einer bestimmten Ernährungsweise zugeteilt.
Im Modell verglichen sie drei Szenarien: eine gesunde nordische Kost, die Orientierung an den Nordic Nutrition Recommendations von 2023 und eine Situation ohne vorgegebene Ernährungsumstellung. Die beiden nordischen Varianten setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Die gesunde nordische Kost orientiert sich stärker an traditionellen Lebensmitteln der Region, darunter Vollkorngetreide, Beeren, Gemüse und Fisch.
Geringere Sterblichkeit im Modell
Der auffälligste Unterschied zeigte sich beim zusätzlichen Untersuchungsziel Gesamtsterblichkeit. Für eine dauerhaft gesunde nordische Kost errechneten die Wissenschaftler ein Risiko von 39,9 Prozent, innerhalb von 24 Jahren zu sterben. Ohne vorgegebene Umstellung lag es bei 42,5 Prozent, bei Befolgung der nordischen Ernährungsempfehlungen bei 41,6 Prozent.
Demnach fiel die geschätzte Sterbewahrscheinlichkeit gegenüber keiner Umstellung um 2,67 Prozentpunkte niedriger aus. Relativ betrachtet entspricht dies einer Verringerung um rund sechs Prozent. Gegenüber den allgemeinen nordischen Empfehlungen betrug der Unterschied 1,68 Prozentpunkte oder etwa vier Prozent. Beide Unterschiede waren in der Modellanalyse statistisch abgesichert.
Allerdings beschreiben diese Werte keine tatsächlich gemessene Lebensverlängerung einzelner Menschen. Sie sind das rechnerische Ergebnis angenommener Ernährungsweisen über mehr als zwei Jahrzehnte. Zudem war die Gesamtsterblichkeit ein sekundärer Untersuchungsendpunkt. Im Mittelpunkt der Studie stand ursprünglich eine andere Frage.
Kein klarer Schutz vor schweren Leberschäden
Die Forscher untersuchten vor allem das Risiko schwerer Leberfolgen, darunter fortgeschrittene Leberzirrhose, Leberkrebs, Lebertransplantationen und leberbedingte Todesfälle. Für diesen Hauptendpunkt ergab die Modellrechnung nach 24 Jahren ein Risiko von 0,53 Prozent bei gesunder nordischer Kost, 0,70 Prozent unter den Ernährungsempfehlungen und 0,64 Prozent ohne Umstellung.
Doch diese Unterschiede waren statistisch nicht eindeutig. Der geschätzte Abstand zwischen gesunder nordischer Kost und keiner Umstellung lag bei lediglich 0,11 Prozentpunkten. Sein Unsicherheitsbereich reichte von einem möglichen Vorteil bis zu einem geringen Nachteil. Ein verlässlicher Schutzeffekt vor schweren Lebererkrankungen lässt sich aus diesen Daten daher nicht ableiten.
Hinweis, aber kein Beweis
Die Ergebnisse beruhen auf Beobachtungsdaten und starken statistischen Annahmen. So setzt das Verfahren voraus, dass keine wichtigen, ungemessenen Einflussfaktoren übersehen wurden und dass Ernährungsangaben sowie die Auswahl der Teilnehmer keine entscheidenden Verzerrungen verursachten. Solche Voraussetzungen lassen sich bei langjährigen Lebensgewohnheiten nicht vollständig überprüfen.
Die Studie liefert damit einen Hinweis darauf, dass eine gesunde nordische Ernährung langfristig mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden sein könnte. Ob die Kost selbst diesen Unterschied verursacht, bleibt offen. Ebenso wenig belegt die Analyse, dass sie schwere Lebererkrankungen verhindern kann.
Quellen:
Originalstudie im Fachmagazin The American Journal of Clinical Nutrition, doi: 10.1016/j.ajcnut.2026.101526
8. Oktober 2026 - Clara Lyu
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