DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,31 % 52.377,57 Pkt 21:48:23 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:48:15 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,73 % 63.268,37 Pkt 07:45:03 Gold +0,91 % 4.075,10 USD 23:20:11 Silber +0,79 % 54,54 USD 23:18:43 Brent -5,50 % 109,44 USD 23:18:58 WTI -1,79 % 99,94 USD 23:20:11 Bitcoin +1,00 % 80.809,51 USD 23:30:18 EUR/USD -0,76 % 1,11330 USD 23:29:44 EUR/GBP -0,25 % 0,83640 GBP 23:30:25 EUR/CHF -0,18 % 0,92240 CHF 23:30:24 EUR/JPY -0,05 % 175,822 JPY 23:30:25

Fischbestand im Dümmer verändert sich durch Klimaerwärmung

Wissenschaft

Stand: 03.09.2026 09:07 Uhr

Im Hitzesommer war es an mehreren Stellen im Land zu Fischsterben gekommen, zum Beispiel im Steinhuder Meer. Der Anglerverband befürchtete Auswirkungen auch auf den Dümmer und war gespannt auf das Ergebnis der neuesten Zählung.

von Sebastian Duden

Am frühen Morgen tuckert das Boot von Robert Schröter auf den See hinaus. Schröder ist Berufsfischer auf dem Dümmer im Landkreis Diepholz und unterstützt das Fischmonitoring, das der Biologe Andreas Maday durchführt. Maday macht das für den Anglerverband Niedersachsen, der für den Dümmer verantwortlich ist. Das Wasser des Dümmer sei diesen Sommer so warm wie noch nie gewesen, sagt Maday. 40 Zentimeter fehlten dem See, was an der zu hohen Verdunstung liege und den in diesem Sommer zum Teil ausgetrockneten Zuläufen.

Weniger Plätze zum Verstecken

Zu sehen ist der niedrige Wasserstand sehr deutlich an den Schilfgürteln, die zum Teil trockengefallen sind. Darin sammelt sich normalerweise die Fischbrut aus diesem Jahr, um sich vor Raubfischen und Vögeln wie dem Kormoran zu verstecken. Das klappt nicht mehr überall im Dümmer. Diese Stellen untersuchen Maday und Schröter eigentlich bevorzugt, weil dort sonst viele Fische sind. Heute kommen sie stellenweise nicht einmal heran, weil das Boot schon vorher auf Sandbänken oder im Schlick aufsetzt. "Hier sind es nicht mal mehr 20 Zentimeter", bemerkt der Verbandsbiologe. Zusammen mit dem Fischer schiebt er das schwere Boot daraufhin mit Stangen wieder in tieferes Wasser. Den Außenborder mussten sie schon vorher etwas hochziehen, damit er nicht den Gewässergrund umgräbt.

Viele Weißfische im See

Maday steckt an vielversprechenden Stellen einen langen Kescher ins Wasser, der Strom führt. Versorgt wird dieser durch einen benzinbetriebenen Generator. Die Fische werden durch den Strom betäubt und treiben an der Oberfläche, wo Maday sie dann einsammelt. In wassergefüllten Behältern auf dem Boot werden die Tiere so lange untergebracht, bis die Befischung einer Kontrollstelle abgeschlossen ist. Auf dem Weg zur nächsten zählen und vermessen Maday und seine Helfer die Tiere. Danach werden sie zurück ins Wasser gesetzt.

Trübes, warmes Wasser - kein guter Lebensraum für Barsche

"Güster 80, Rotauge 120, Güster 112." Eintönig ruft Maday einem jungen Kollegen mit Kladde und Liste die erfassten Fische und deren Länge in Millimeter zu. Anfangs sind es vor allem sogenannte Weißfische, die bei den meisten Anglern nicht allzu beliebt sind. Sie kommen häufig vor, ganz im Gegenteil zu sogenannten Edelfischen wie Zander und Hecht. Immerhin sind auch ein paar Barsche an den ersten Kontrollpunkten dazwischen. Die hätten es im trüben, warmen Wasser auch nicht leicht, sagt Maday.

Invasive Art: Kamberkrebs aus Nordamerika

Dann fangen Maday und seine Helfer einen Neubürger, eine invasive Art. "Ein Kamberkrebs, zu erkennen an den roten Streifen. Der kommt aus Nordamerika und überträgt die Krebspest, daran sterben heimische Arten", erklärt Maday. Diesen Krebs dürfen sie nicht zurücksetzen, damit er sich nicht vermehren kann.

Eine These bestätigt sich schnell - es gibt Wärmegewinner

Bald haben sie den ersten Wels im Kescher. "Das Tier ist aus diesem Jahr, ein europäischer Wels." Maday zeigt einen etwa 30 Zentimeter langen Fisch, dunkel gefleckt, mit langen Barteln. Die Welse scheinen sich dieses Jahr also trotz Hitze und niedriger Wasserstände vermehrt zu haben, außerdem haben sie auch genügend Nahrung gefunden, um gut zu gedeihen. Dass diese Tiere zu wahren Monstern heranwachsen können, bestätigt sich an einem der nächsten Kontrollpunkte. Dort hieven Maday und Schröter einen Riesenwels zum Messen ins Boot. Er ist 1,60 Meter lang. Ein Raubfisch, der große Fische, aber auch Enten und Ratten frisst. "Die mögen es gern warm", erklärt Maday und schaut dabei staunend auf das betäubte Ungetüm im Boot. Fischer Schröter schiebt ihn nach dem Messen mit einiger Mühe wieder über Bord. Es ist einer von 46 Welsen, die sie an diesem Tag aus dem Dümmer holen werden. Sie sind die Klimawandelgewinner.

Karpfen werden zum Problem

Eine zweite Fischart vermehrt sich im Dümmer ebenfalls sehr erfolgreich und wird zum Problem: Karpfen. Sie werden auch sehr groß, sind zwar keine Räuber, sie tragen durch ständiges Gründeln aber dazu bei, dass das Wasser des Sees trüb wird. Dass die Fische sich in freier Wildbahn vermehren, ist besonders. Die meisten Karpfen sind in Deutschland reine Besatzfische. Zum Laichen brauchen sie warme, flache Gewässer und schon im Frühsommer dauerhaft mindestens 20 Grad Wassertemperatur. Das bietet der Dümmer jetzt. So finden Maday und seine Helfer auch schnell ziemlich große Jungfische aus diesem Jahr. "Es gibt wenige Raubfische, die denen noch gefährlich werden, weil sie sehr hochrückig sind." Das heißt, dass Räuber sie aufgrund ihres großen Querschnitts nicht mehr ins Maul bekommen.

Veränderte Artenzusammensetzung

Die Gesamtzahl der Fische, die sie an diesem Tag an den verschiedenen Kontrollstellen aus dem Wasser holen, bleibt in etwa vergleichbar mit der der Vorjahre. Maday freut sich besonders darüber, dass noch die eher Kälte liebenden Hechte im Dümmer nachweisbar sind. Allerdings verschieben sich die Verhältnisse zugunsten Wärme liebender Arten wie Karpfen und Wels zunehmend. Sie kommen immer häufiger im Dümmer vor. Die Individuen werden dabei immer größer. Der Klimawandel verändert das Gesicht des Sees. Mit bisher nicht vollkommen absehbaren Folgen für das Gleichgewicht der Arten.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren