Flug nach Kampf unter Piloten: Israel stuft Vorfall offenbar als Terroranschlag ein
Nach der Notlandung einer Flydubai-Maschine, die auf dem Weg nach Tel Aviv war, in Saudi-Arabien wird nach israelischen Medienberichten geprüft, ob einer der Piloten versucht hat, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür vorerst nicht.
Ein namentlich nicht genannter ranghoher israelischer Regierungsvertreter sagte dem TV-Sender N12 jedoch, es sei eine schwere Katastrophe verhindert worden. Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, die Maschine sei steil in die Tiefe geflogen. Einer der Piloten habe den anderen mithilfe von Passagieren daran gehindert, das Flugzeug zum Absturz zu bringen.
Ein Bild von Bord der gelandeten Maschine soll einen Passagier mit einem blutbefleckten Hemd zeigen. Einer der Piloten habe eine Stichverletzung erlitten. Zunächst war nur von einer Prügelei zwischen den Piloten die Rede gewesen.
Die Herkunft der beiden Piloten ist bislang ungeklärt. In ersten Meldungen hieß es, sie seien russischer und ukrainischer Herkunft. Israelische Medien melden hingegen, der Co-Pilot stamme aus dem Sultanat Oman und der Pilot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.
Das Flugzeug, das unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen 150 und 180 Passagiere an Bord hatte, befand sich nach Informationen des US-Senders CNN während der Auseinandersetzung vorübergehend im Sinkflug.
Die Maschine sank demnach während des nächtlichen Fluges innerhalb von etwas mehr als zwei Minuten um rund 5000 Meter – von gut 10.000 auf etwa 5000 Meter. Das geht laut CNN aus Flugverfolgungsdaten hervor. Auch die Geschwindigkeit des Flugzeugs nahm drastisch ab.
Schließlich landete die Maschine in Saudi-Arabien. Eine zunächst befürchtete Entführung des Flydubai-Flugs FZ 1073 habe sich nicht bestätigt, berichteten israelische Medien. Das Flugzeug sei über Saudi-Arabien abgedreht und auf dem Flughafen Tabuk gelandet. Flydubai bestätigte laut dem Sender Al-Arabija einen „Vorfall“ an Bord.
Nach Angaben des israelischen Journalisten Amit Segal vom Sender N12 stuft Israel den Vorfall als versuchten Terroranschlag ein. Das schreibt Segal in einer Nachricht auf dem Netzwerk X. Einer ersten Lagebeurteilung und Aussagen von Passagieren zufolge habe der Co-Pilot offenbar „wiederholt auf den Kapitän eingestochen“. Als der Angriff begann, gelang es den Angaben zufolge mehreren Besatzungsmitgliedern und Passagieren, die Cockpit-Tür zu durchbrechen und den Angreifer zu überwältigen.
Laut einem hochrangigen Beamten werde der Co-Pilot derzeit verhört, schreibt Segal weiter: „Es mehren sich die Hinweise darauf, dass er beabsichtigte, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen und es mit den Passagieren an Bord zum Absturz zu bringen.“
Auch eine psychische Störung als Ursache wird geprüft
Die „Times of Israel“ meldete am Vormittag mit Bezug auf „unbestätigte Berichte in hebräischen Medien“, dass der Co-Pilot – „ein Omaner“ – von saudischen Behörden verhört werde, nachdem er angeblich den Kapitän – „einen Emirati“ – niedergestochen und versucht haben soll, das Flugzeug zum Absturz zu bringen.
Neben möglichen politischen Motiven werden nach Angaben der Zeitung auch andere mögliche Ursachen geprüft, darunter eine psychische Störung.
Israelische Kampfjets waren im Einsatz
Zuvor war berichtet worden, die Maschine habe zunächst ein Notsignal mit dem Code 7700 abgesetzt, der auf eine Notlage hinweist. Anschließend sei ein Signal mit dem Code 7500 gesendet worden, der zur Meldung einer Flugzeugentführung verwendet wird.
Als Reaktion auf das Notsignal aus dem Flugzeug waren vorübergehend israelische Kampfjets unterwegs zu der Maschine gewesen. Das berichtete die „Times of Israel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise.
Das israelische Militär teilte zu dem Vorfall mit, Generalstabschef Ejal Zamir berate sich gegenwärtig mit ranghohen Kommandeuren, darunter der Chef der Luftwaffe.
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, der Regierungschef habe zu dem Vorfall Beratungen abgehalten und verfolge die Entwicklungen. Die Lage sei unter Kontrolle und man unternehme alles, um die sichere Rückkehr der israelischen Passagiere in ihre Heimat zu gewährleisten.