Flugabwehr der Bundeswehr: Erster scharfer Schuss mit IRIS-T
Stand: 14.10.2026 09:18 Uhr
Soldaten aus Todendorf schießen auf Kreta erstmals mit scharfen Raketen vom Typ IRIS-T. Auch Flugabwehr-Kräfte aus Husum, Sanitz und Bad Sülze müssen bei der Übung ihre Einsatzbereitschaft zeigen.
von Jörn Zahlmann
Ein Radar erfasst das feindliche Objekt, ein Soldat gibt den Schuss frei und eine Rakete zerstört dann das Ziel in der Luft: So funktioniert die Luftverteidigung vom Boden aus mit Raketen. Die Bundeswehr kann sie nach eigenen Angaben nur an einem einzigen Ort in Europa mit scharfer Munition trainieren: auf dem NATO-Schießplatz auf der griechischen Insel Kreta. Die Übung "Spartan Arrow" sei in diesem Jahr ein "historischer Moment für die Luftwaffe", wie die Bundeswehr mitteilt.
Premiere für Offiziere und Feldwebel aus Todendorf
Für 150 Soldatinnen und Soldaten der Flugabwehrraketengruppe 61 aus Todendorf (Kreis Plön) ist es eine besondere Premiere: Zum ersten Mal überhaupt sollen sie mit scharfen Flugkörpern des Typs IRIS-T-SLM schießen. Im Jahr 2024 wurde die erste Einheit nach Todendorf geliefert. Damals wurden die Kosten für ein komplettes System mit etwa 140 Millionen Euro angegeben. Die in Deutschland entwickelte Technologie hat die Ukraine bereits erfolgreich gegen russische Raketen eingesetzt.
NATO-Zertifikat ist Ziel der Übung auf Kreta
Der "scharfe Schuss auf Kreta" bildet für die Feuerleitfeldwebel und -offiziere den Abschluss ihrer mehr als einjährigen Ausbildung an den Systemen. Die Einheit muss bei der Übung ihre Einsatzbereitschaft nach NATO-Standards nachweisen. "Als Übungsziele bietet die Firma Airbus vor Ort ein breites Spektrum an Drohnen", teilt die Bundeswehr mit. Sie können unterschiedliche Bedrohungen nachbilden - darunter Flugzeuge und Raketen.
Die Gruppe aus Todendorf gehört zum Flugabwehrraketengeschwader mit Hauptsitz in Husum (Kreis Nordfriesland). Von dort sind rund 130 Soldatinnen und Soldaten an der Übung auf Kreta beteiligt: Die Husumer Flugabwehrraketengruppe 26 trainiert mit dem Flugabwehrsystem Patriot, das Flugzeuge, Marschflugkörper und ballistische Raketen bekämpfen kann.
300 Militärfahrzeuge aus Deutschland auf Kreta
Auch Angehörige der beiden anderen Flugabwehrraketengruppen aus Sanitz und Bad Sülze in Mecklenburg-Vorpommern sind laut Bundeswehr auf Kreta, um den scharfen Schuss zu üben. Insgesamt nehmen an "Spartan Arrow" rund 700 Soldatinnen und Soldaten teil, darunter auch 120 schwedische Kräfte. Aus Deutschland wurden dafür etwa 300 militärische Fahrzeuge und 100 Container nach Kreta gebracht, heißt es von der Bundeswehr.
Patriot kann auch ballistische Raketen abfangen
Ballistische Raketen werden zunächst von einem Raketenmotor beschleunigt und fliegen anschließend überwiegend ohne Antrieb auf einer bogenförmigen Bahn zum Ziel. Dabei können sie sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen. Das Patriot-System wurde - anders als IRIS-T-SLM - gezielt für die Abwehr ballistischer Raketen weiterentwickelt.
Keine Angaben zu Kosten und Anzahl der Flugkörper
Auf Kreta zählt sowohl für die Husumer als auch für die Todendorfer Gruppe das Zusammenspiel von Mannschaft und Technik, laut Bundeswehr vom Aufbau der Geräte bis zum scharfen Schuss. Wie viele Flugkörper bei der Übung verschossen werden, wollte ein Sprecher auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein nicht mitteilen - aus Gründen der militärischen Sicherheit, wie es heißt. Auch zu den Gesamtkosten gibt es bislang keine Angaben.