Formel 1 entscheidet mitten in der Nacht über Nico Hülkenbergs Strafe
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Hat Nico Hülkenberg (39) seinen Konkurrenten Carlos Sainz (32/Williams) im Qualifying unnötig behindert – oder hat er nicht? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Rennkommissare des Weltverbands Fia in Singapur bis tief in die Nacht. Und gelangen um 2.45 Uhr zu einer Entscheidung, die nur zwei Minuten später veröffentlicht wird.
Das Urteil: keine Strafe für den deutschen Audi-Piloten. Er darf beim Großen Preis am Sonntag (14 Uhr, Sky live und Liveticker bei BILD.de) weiter von Startplatz 10 ins Rennen gehen. Und auf weitere Punkte in der WM-Wertung hoffen.
Aber es ist eine zähe Angelegenheit, die Stewards zu überzeugen. BILD weiß: Hülkenberg spricht gleich zweimal bei ihnen vor. Einmal um 23 Uhr und dann nochmal um 1 Uhr. Danach kehrt er in sein Hotel zurück und legt sich schlafen. Von der Entscheidung erfährt er erst am Sonntag nach dem Aufwachen.
In der Begründung der Kommissare heißt es: „Auto 27 (Hülkenberg/d.Red.) fuhr in der Anfahrt auf Kurve 5 langsam auf der Ideallinie. Auto 55 (Sainz/d.Red.) kam von hinten auf einer Push-Runde an und musste die Runde abbrechen. Dass Auto 55 dadurch behindert wurde, ist unstrittig. Die Frage war, ob Auto 55 ‚unnötigerweise’ behindert wurde.“
Die Ursache für die Behinderung: schon wieder ein Software-Problem! Dieses Mal mit dem Tool „Race Watch“, das von der Fia zur Datenanalyse und Zeitnahme entwickelt wurde und von mehreren Teams (wie Audi und Williams) genutzt wird.
Das Tool zeigte an, dass Sainz schon die Zielflagge gesehen hat. Diese Information wurde von den Teams auch so an beide Fahrer übermittelt.
Formel 1: Fia entscheidet mitten in der Nacht über Strafe für Nico Hülkenberg
In der Fia-Begründung liest sich das so: „Die Kommissare erkennen an, dass die vom Team herangezogenen Daten das Team zu der Annahme verleiteten, dass Auto 55 die Zielflagge erhalten hatte. Tatsächlich ging aus den Funksprüchen von Auto 55 hervor, dass dessen Team gestützt auf dieselbe Datenbasis zu derselben Einschätzung gelangt war. Das Missverständnis ist darauf zurückzuführen, dass die von den Teams ursprünglich empfangenen Informationen nicht vollständig synchronisiert waren und erst nach kurzer Zeit korrekt angezeigt wurden. Diese Nachbearbeitung erfolgte jedoch erst, als Auto 55 bereits hinter Auto 27 ankam, wodurch dem Team jede vernünftige Möglichkeit genommen wurde, die an den Fahrer übermittelte Information zu korrigieren.“
Und weiter: „Nach Einschätzung der Kommissare war es für das Team – da die Datenquelle, auf die es sich stützte, der offizielle Zeitmessungsanbieter war – nicht unvernünftig, sich darauf zu verlassen, auch wenn dem Team zudem offizielle Timing-Daten zur Verfügung standen, die im Widerspruch dazu standen. Basierend auf den objektiven Tatsachen stellten die Kommissare fest, dass Auto 55 unnötigerweise behindert wurde. Es lagen jedoch außergewöhnlich milde Umstände in diesem Fall vor, da der Vorfall darauf zurückzuführen war, dass sich das Team auf Informationen stützte, die für eine kurze Zeit inkonsistent waren.“