Formel 1: Ferrari setzt alles auf das Heimspiel in Monza
Mit Ferrari und Monza ist das ein bisschen so wie in der Fußball-Bundesliga bei Schalke gegen Dortmund oder Köln gegen Gladbach. Ein Triumph an einem einzigen Tag kann im Gefühlsbereich sehr viel davon ausgleichen oder sogar übertrumpfen, was ansonsten in der Saison nicht nach Wunsch gelaufen ist. Wenn eines der beiden roten Autos von Lewis Hamilton oder Charles Leclerc am Sonntag (06.09.2026, 15 Uhr, Live-Ticker bei sportschau.de) im Autodromo Nationale als Erstes die schwarz-weiße Zielflagge sieht, wird aus der ohnehin schon sehr ordentlichen Saison eine richtig gute.
Auch der Titel ist noch möglich
Es kann auch noch eine überragende werden, und auch dafür spielt das Heimspiel der Scuderia eine ausschlaggebende Rolle. Wenn Hamilton das Rennen gewinnt, hat er tatsächlich noch eine Chance auf den Weltmeistertitel - was an ein Wunder grenzt, wenn man sich die Horror-Saison des vergangenen Jahres noch einmal vor Augen führt. Da standen der achtmalige Weltmeister und der Rennstall mit der mit Abstand größten Strahlkraft vor der Trennung.
Die scheinbare Traumehe drohte im Rosenkrieg zu enden, weil beide Seiten aus ihrer Enttäuschung über die Performance des jeweils anderen Partners auch öffentlich kein Geheimnis machten.Doch Hamilton war immer schon nicht nur ein Glamourboy, der zu vielen Dingen auch abseits des Renngeschehens eine klare Meinung hat und diese auch sehr wirkungsvoll mitteilte. Der Brite war auch stets ein grandioser Kämpfer, der auch schon Titel gewonnen hat, wenn er nicht das beste Auto zur Verfügung hatte.
Hamilton ist als Kämpfer bekannt
Ferrari weiß das aus den Jahren, wo das Team technisch und in der Pace überlegen war, sich aber den Erfolg durch taktische Fehler der Rennleitung, Pannen in der Boxengasse oder oder Patzer der Piloten selbst zerstörte. Hamiltons Kampfgeist und Durchhaltevermögen und das verbesserte Material haben nun dazu geführt, dass der Vorjahres-Sechste mit am Ende 267 Punkten Rückstand auf Weltmeister Lando Norris (158:423) inzwischen als aktuell Dritter der Fahrerwertung sehr nah an die Spitze herangerückt ist.
Mit 183 Punkten nach zwölf Rennwochenenden liegt der Brite inzwischen schon gleichauf mit Mercedes-Pilot George Russell und nur noch 59 Zähler hinter dem Führenden Silberpfeil von Kimi Antonelli. Noch stehen inklusive Monza elf Rennwochenenden im Formel-1-Kalender, noch ist wegen des Krieges in Nahost aber nicht ganz klar, wie mit den abgesagten Läufen in Bahrain und Saudi-Arabien verfahren wird.
Ferrari darf ein Upgrade am Motor vornehmen
Die Hoffnung der Roten, jetzt in Monza die große Aufholjagd einzuläuten, gründet sich nicht allein auf die Unterstützung der Tifosi, von der die Fahrer erzählen, dass sie sie sogar durch den Helm und trotz des Motorenlärms wahrnehmen können. Ferrari durfte ein Upgrade am Motor vornehmen, was zwar den Regularien entspricht, aber durchaus umstritten ist.Hintergrund: Die Scuderia darf in Monza mit einem verbesserten Motor fahren. Laut Teamchef Fred Vasseur handelt es sich um "einen Schritt in die richtige Richtung, zumal wir wissen, dass es in diesem Jahr sehr um kleine Verbesserungen geht".
Ferrari darf in der laufenden Saison bereits die zweite Ausbaustufe der Power Unit vornehmen. Das entspricht deshalb den Regeln, weil die sogenannte "Additional Development Upgrade Opportunities" (ADUO) greift, die Chancengleichheit herstellen soll. Laut FIA - der Verband hat alle Teams geprüft, legt die Kriterien aber nicht offen -, hat Red Bull den stärksten Motor im Feld. Um diesen Vorteil auszugleichen, dürfen die anderen Teams ihre Motoren verbessern, ohne dass die Kosten für die strenge Budgetgrenze relevant würden.
Red Bull regt sich zu Recht über die FIA auf
Bei Red Bull sorgte die FIA-Einschätzung allerdings nachvollziehbarerweise für eine Mischung aus Wut und Fasungslosigkeit: Max Verstappen ist Sechster der Gesamtwertung, Isac Hadjar liegt auf Platz acht. In der Konstrukteurswertung liegt der Brausehersteller abgeschlagen auf Rang vier - mit dem stärksten Motor? Wie schlecht sollen dann die Fahrer oder das Rennmanagement in dieser Saison sein?
Ferrari ist das allerdings relativ egal. Die Roten sind in der Teamwertung Zweiter, der Rückstand auf Mercedes beträgt 87 Punkte. Wenn die neue Ausbaustufe des Motors nun mehr PS und einen höheren Speed mit sich bringt, ist aber noch alles möglich: ein Weltmeister Lewis Hamilton im Ferrari und Platz eins in der Konstrukteurswertung ebenfalls.