Formel-1-Liveticker: Norris droht Strafe nach Chaos-Rennen
Der Franzose lag nach dem Ausfall von Russell auf P3, fiel allerdings noch hinter die beiden Ferrari-Piloten zurück. "Irgendetwas stimmte nicht", sagt der Red-Bull-Pilot daher - und meint nicht nur die letzten Rennrunden.
"Das ganze Wochenende über waren wir schneller [als Mercedes]. Und jetzt, im Rennen, waren absolut nirgendwo", winkt Hadjar ab und verrät: "Das Auto ließ sich furchtbar fahren."
Zu allem Überfluss habe er dann in den letzten Runden auch noch Probleme mit der Batterie gehabt. "Auf den Geraden konnte ich mich also nicht gegen Ferrari verteidigen, und so haben wir das Podium wegen so einer Dummheit verloren", ärgert er sich.
Doch auch davor habe ihm schon die Pace gefehlt, stellt er klar. "Das ganze Wochenende über war ich ziemlich schnell. Wir müssen das Problem beheben", fordert er daher.
Jetzt kommen dann auch die Urteile der Rennkommissare nach und nach rein. Nico Hülkenberg bekommt zwar keine sportliche Strafe für die unsichere Freigabe, aber Audi muss tief in die Tasche greifen.
30.000 Euro muss man zahlen, wobei zumindest 20.000 davon zur Bewährung ausgesetzt sind. Hier das Urteil im Wortlaut:
"Während des Boxenstopps von Wagen 27 (HUL) zeigte das automatische Freigabesystem zunächst ein grünes Licht an, nachdem alle vier Radschlüssel von den Radmuttern entfernt worden waren und die jeweiligen Mechaniker das Freigabesystem aktiviert hatten."
"Ein Mechaniker befand sich jedoch noch vor dem Wagen in der Nähe des linken Vorderrades, nachdem er den Frontflügel justiert hatte. Das Team erklärte, dass sein Freigabeverfahren eine zusätzliche manuelle Sicherheitsüberprüfung durch einen Kontrolleur vorsieht."
"Als das zuständige Teammitglied bemerkte, dass sich der Mechaniker noch vor dem linken Vorderrad befand, wurde das Freigabesignal sofort wieder auf Rot umgeschaltet."
"HUL begann zunächst, sich als Reaktion auf das grüne Licht von der Boxenstopp-Position zu entfernen. Er erkannte jedoch sofort, dass das Licht wieder auf Rot umsprang, da sich der Mechaniker noch vor dem Fahrzeug befand, und reagierte umgehend, indem er das Fahrzeug anhielt, bevor es die Boxenstopp-Position vollständig verlassen hatte."
"Die Rennkommissare prüften, ob das anfängliche grüne Signal an sich bereits eine unsichere Freigabe darstellte. Artikel B1.6.2 definiert, wann ein Fahrzeug als von seiner festgelegten Boxenstopp-Position freigegeben gilt."
"Maßgeblich ist dabei der Zeitpunkt, zu dem die Hinterachse die Position passiert hat, die zuvor von der Vorderachse eingenommen wurde, während das Fahrzeug in seiner festgelegten Boxenstopp-Position stand."
"Dementsprechend wurde das Fahrzeug, obwohl das ursprüngliche grüne Signal vorzeitig gegeben wurde und eine unsichere Situation verursachte, nicht im Sinne von Artikel B1.6.2 'freigegeben', solange diese Situation bestand."
"Die Rennkommissare stellen daher fest, dass keine unsichere Freigabe vorlag. In diesem Fall wurde das erste grüne Signal zwar vorzeitig gegeben, doch das Sicherheits-Ausweichverfahren des Teams funktionierte wie vorgesehen, und das Signal wurde wieder auf Rot umgeschaltet, bevor das Fahrzeug aus seiner Boxenstopp-Position freigegeben worden war."
"Dennoch führte das automatisch vorzeitig gegebene grüne Signal zu einer unsicheren Situation. Zwar stellen die Rennkommissare fest, dass die Umstände keinen unsicheren Start darstellten, doch führte das vorzeitige grüne Signal dennoch zu einer unsicheren Situation, in die ein Mechaniker des Teams verwickelt war."
"Die Rennkommissare verhängen daher eine Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro gegen den Teilnehmer, wovon 20.000 Euro für den Rest der Saison 2026 ausgesetzt werden, vorausgesetzt, es kommt zu keinem weiteren ähnlichen Verstoß."
"Der erhebliche ausgesetzte Anteil soll den Teilnehmer dazu anregen, seine Freigabeverfahren zu überprüfen und, falls erforderlich, zu verbessern, um eine Wiederholung einer solchen unsicheren Situation zu verhindern."
Toto Wolff nimmt nach dem heutigen Rennen kein Blatt vor den Mund und erklärt: "Das war das schlechteste Wochenende der Saison für uns. Es tut weh, und ich bin unglaublich traurig für George und alle im Team."
George ist ein hervorragendes Rennen gefahren und war auf dem besten Weg zu einem sehr starken Ergebnis, aber wir haben ihn im Stich gelassen. Die Realität ist, dass uns das in diesem Jahr schon zu oft passiert ist - und das ist nicht akzeptabel."
"In Malaysia waren wir weder schnell noch zuverlässig genug. Das ist die Wahrheit", so der Teamchef, der betont: "Jetzt müssen wir genau analysieren, was an diesem Wochenende passiert ist."
"Im Vergleich zu unseren direkten Konkurrenten und unserer Form in den letzten Rennen sind wir unter unseren Möglichkeiten geblieben", betont Wolff. Man wolle in Singapur am nächsten Wochenende "eine bessere Leistung" zeigen.
Bei Haas splittete man die Strategie beim Start, was dazu führte, dass Oliver Bearman auf Slicks losfahren musste. "Das war nicht meine Entscheidung. Ich habe darauf bestanden, dass wir mit Intermediates beginnen", stellt er klar.
Die Chance, dass der Slick richtig sei, habe bei "null Prozent" gelegen, betont er. "Aber das Team beschloss in letzter Minute, mich auf Slick-Reifen zu setzen, wovon ich nichts wusste", so Bearman.
"Ich war damit nicht einverstanden, und im Nachhinein bin ich es immer noch nicht", sagt er. Doch letztendlich mache er dem Team auch keine Vorwürfe, auch wenn es ärgerlich sei, dass er und nicht der Teamkollege die Slicks bekommen habe.
"Ich lag vor Esteban [Ocon]. Ich finde es etwas unfair, dass mir diese riskante Strategie auferlegt wurde", so Bearman, der letztendlich wie sein Teamkollege auch ohne Punkte blieb.
Ocon lag zwar zu Beginn in den Punkten, wurde am Ende aber nur 15. "Es sah gut aus, was die Punkte angeht. Sobald wir den Boxenstopp gemacht hatten, ging es aber bergab, daher müssen wir uns ein paar Dinge genauer ansehen", grübelt er.
Teamchef Ayao Komatsu ergänzt: "Leider ist er beim Einfahren in die Boxengasse zu weit nach außen gekommen, und unser Boxenstopp verlief nicht optimal, sodass wir eine Position an einen der Racing Bulls verloren haben."
"Anschließend haben wir die neuen Reifen zu stark beansprucht, und von da an war Estebans Rennen ruiniert."
Der Spanier holte heute P8 und damit das beste Saisonergebnis für Aston Martin. Insgesamt sei es "ein besseres Wochenende" gewesen, sagt er, betont aber auch, dass das vor allem an der Strecke gelegen habe.
"Mal sehen, ob wir dieses Tempo beibehalten können, vor allem in Singapur, wo wir am kommenden Wochenende einige Hoffnungen hegen", so der Spanier.
Mit dem Ergebnis ist er zwar happy, aber dass der erste Start abgebrochen wurde, dafür hat er kein Verständnis. "Ich glaube, ich hatte dieses Jahr eine DNF-Quote von 50 Prozent. Und für uns wurde das Rennen nie unterbrochen", zuckt er die Schultern.
"Das sehe ich zum ersten Mal so. Im Moment habe ich noch nicht alle Informationen. Vielleicht gibt es ja eine klare Erklärung dafür und es ist alles in Ordnung", so Alonso. Vermutlich wusste er da noch nichts von dem Bug.
Auch das hat Tombazis verraten. Er erklärt: "Die Software wird von der FIA in Zusammenarbeit mit den Teams entwickelt. Sie ist Teil des Standardcodes, den wir haben und der für alle Fahrzeuge gilt."
"Wir sind die Regulierungsbehörde und tragen diese Verantwortung, aber diese Software wird von der FIA, dem Lieferanten der Standard-ECU sowie den Teams und den Antriebsherstellern gemeinsam entwickelt. Keiner von ihnen hat das Problem vorhergesehen."
"Es handelt sich eindeutig um FIA-Software. Wir spielen dabei natürlich eine große Rolle. Wir müssen uns verbessern, aber es handelt sich um Software, die gemeinsam von der gesamten Formel-1-Branche entwickelt wird", stellt er klar.
Inzwischen hat die FIA außerdem ein offizielles Statement zu den Problemen veröffentlicht. Dort heißt es:
"In der Einführungsrunde vor dem Grand Prix von Bahrain in Malaysia führte eine beispiellose Kombination aus niedriger Motordrehzahl, Bedingungen mit geringem Grip, Energiemanagement-Einstellungen für nasses Wetter und der Sektorkonfiguration der Rennstrecke von Sepang bei einer Reihe von Fahrzeugen zu einem unbeabsichtigten Leistungsverlust."
"Infolgedessen hob die technische Abteilung der FIA die Energiebegrenzung in den betroffenen Sektoren durch eine aktualisierte Softwareversion auf, die während der durch starken Regen verursachten Rennunterbrechung an alle Teilnehmer verteilt wurde, sodass die Teams vor dem Start des Rennens die notwendigen Änderungen an der Antriebseinheit vornehmen konnten."
"Dieses Problem war weder von der FIA noch von den Teams während der Testfahrten oder in den Runden zur Startaufstellung erkannt worden. Die FIA wird gemeinsam mit den Teams und den Antriebseinheit-Herstellern eine umfassende Untersuchung des Vorfalls durchführen."
Weil wir gerade beim Thema sind: Nikolas Tombazis von der FIA erklärt, dass es sich um einen "Bug" in der Standard-Elektronik gehandelt habe. "Wir konnten die Software nicht so ausgiebig testen, wie wir es uns gewünscht hätten, da es in diesem Jahr nur sehr wenig im Nassen gefahren wurde und eine Reihe von Umständen zusammenkam, die dazu führten, dass dieser Fehler auftrat", erklärt er.
Der Bug habe dazu geführt, dass die Fahrer keine Leistung mehr hatten. Auslöser seien wohl die sehr langsamen Geschwindigkeiten gewesen. "Ich glaube, wenn wir etwas mehr Tests durchgeführt hätten, hätten wir das Problem wahrscheinlich rechtzeitig erkennen und eine solche Situation vermeiden können", so Tombazis, der verrät, dass der Bug dann umgehend behoben wurde.
Noch während der Unterbrechung bekamen die Teams eine neue Software, die sie installieren konnten. "Das alles hat etwa 20 Minuten gedauert. Für die Zuschauer, die auf das Rennen gewartet haben, und für alle anderen mag es sich wie fünf Stunden angefühlt haben, was verständlich ist, und das tut uns leid."
"Aber ich denke, angesichts des Problems war das eine ziemlich schnelle Reaktion", betont er.
Der erste Startversuch musste wegen Problemen mit der Software an den Autos abgebrochen werden. Lando Norris sagt dazu: "Das beweist einfach, dass wir so etwas - also den elektronischen Teil - gar nicht erst haben sollten."
Charles Leclerc verrät: "Wir kamen nur noch mit etwa 20 km/h voran. Es ist schon ein bisschen beängstigend, so etwas bei einem Formel-1-Wagen zu sehen." Denn das hätte zu einem großen Unfall führen können.
Und Sergio Perez sagt, dass es sich wie in einem Leihkart angefühlt habe. "Ich bin mir sicher, dass wir als Sport davon lernen werden. Aber was heute passiert ist, ist für den Sport völlig inakzeptabel", so der Mexikaner.
Gegen den Weltmeister läuft noch immer eine Untersuchung und er selbst sagt zu dem Vorfall: "Das lag daran, dass wegen George alle in Kurve 1 plötzlich auf die Bremse getreten sind."
"Und ich war so weit hinten, dass ich nicht wirklich sehen konnte, wie langsam sie fuhren, und das hat mich überrascht", so Norris. Schauen wir mal, ob die Rennkommissare diese Erklärung durchgehen lassen.
Zur Wahl der Slicks am Anfang sagt er außerdem: "Ich war überzeugt, dass ein Slick-Reifen funktionieren würde, aber ich glaube, es lag einfach daran, dass man noch nie wirklich auf dem Intermediate gefahren ist."
Man habe kaum Daten gehabt, und auf dem Weg in die Startaufstellung sei sein Intermediate bereits nach einer Runde kaputt gewesen. Doch im Rennen hielten die grünen Reifen dann viel besser durch.
Ferrari griff bei der Reifenwahl beim Start ebenfalls daneben, und Charles Leclerc verrät, dass es eine gemeinsame Entscheidung gewesen sei. "Ich glaube, es war knapp, wie es unter solchen Bedingungen immer der Fall ist", betont er.
Trotzdem werde man intern natürlich darüber sprechen, ob es bessere gewesen wäre, zumindest ein Auto auf die Intermediates zu setzen. Allerdings wäre dann eben auch bei einem Auto die Entscheidung sicher falsch gewesen.
"[Die Entscheidung] beruhte auf Intuition. Wir hatten auf den Boden geschaut, und die Oberfläche sah ziemlich trocken aus", so Leclerc. Doch letztendlich sie das eben nicht der Fall gewesen.
Der Deutsche war beim letzten Restart Neunter, blieb als Elfter aber schließlich ohne Punkte. Er berichtet: "Am Ende waren wir einfach nicht stark genug und hatten offensichtlich nicht genug Tempo, um diese Position zu verteidigen."
"Und dass ich überhaupt erst in dieser Position war, lag natürlich daran, dass George und Lando draußen waren", erinnert er. Von daher seien Punkte unter normalen Umständen sowieso "eher unwahrscheinlich" gewesen.
Beim Rennstart hatte er zunächst Slicks drauf, wechselte dann aber direkt auf Intermediates, was er als "Schadensbegrenzung" bezeichnet. "Es war zu ambitioniert, auf Slicks zu fahren", erklärt er.
"Diese Strecke trocknet normalerweise schnell ab, aber ich glaube, dafür hat die Sonne ein bisschen gefehlt", vermutet der Audi-Pilot.
Der Brite selbst sagt über seinen Ausfall bei Sky: "Man muss fast schon lachen. Ich bin mehr als nur enttäuscht. Das ist in dieser Saison schon so oft passiert."
Denn Russell wurde 2026 bereits mehrfach von Defekten eingebremst. "Es ist wirklich schade, aber wir kämpfen einfach weiter. Wir versuchen einfach, weiterzumachen", betont er.
Das Rennen sei bis dahin "solide" gewesen, sagt er zudem. "Der Podiumsplatz schien so gut wie sicher", erinnert er.
"Das ist nicht das erste Mal, daher bin ich an dieses Gefühl und diese Fragen schon ziemlich gewöhnt", zuckt er fast schon resignierend die Schultern.
Später ergänzt er noch, dass der WM-Titel jetzt natürlich "extrem unwahrscheinlich" sei.
"Es handelt sich um einen Defekt am Antrieb", verrät Toto Wolff bei Sky und stellt klar, dass das Safety-Car nicht der Grund dafür gewesen sei. "Wir haben es noch nicht untersucht", so der Teamchef.
"Ich bin total genervt und fühle mich gerade überhaupt nicht wohl", gesteht Wolff und erklärt: "Zunächst einmal hatten wir nicht die Geschwindigkeit, die wir uns vor dem Wochenende erhofft hatten."
Und dann gab es auch noch den Defekt ganz am Ende. "So sehr ich es auch liebe, hier zu sein, wenn ich mir die reinen Rennen anschaue, ist das, ehrlich gesagt, eine meiner schlimmsten Erfahrungen", so Wolff.
Denn so richtig gute Erinnerungen hat Mercedes nicht an Malaysia.
Max Verstappen holte heute seinen 72. Grand-Prix-Sieg für Red Bull. Damit hat er nun genauso viele Siege für die Bullen auf dem Konto wie Michael Schumacher mit Ferrari.
Es gibt nur eine Paarung in der Geschichte der Formel 1, die noch erfolgreicher war: Lewis Hamilton holte 84 Siege im Mercedes.
Während Verstappen und Red Bull die richtige Wahl trafen, verloren Hamilton und Ferrari gleich beim Start alle Chancen auf den Sieg. "Offensichtlich haben wir zu Beginn die falsche Entscheidung getroffen", gesteht der Brite, der auf Slicks gestartet war.
"Ich sah, wie sich alle von mir absetzten, und auf dem Bildschirm konnte ich sehen, dass ich eine Minute Rückstand hatte, und da dachte ich, dass das Rennen für uns so gut wie vorbei war", so Hamilton.
Durch die beiden Safety-Car-Phasen war er dann aber plötzlich wieder im Spiel - und landete am Ende sogar noch auf dem Podium.