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Formel 1: Norris fordert Sperre für Colapinto - Konkurrenz widerspricht

Sport

Dass Lando Norris nach seinem unverschuldeten Ausscheiden in Baku besonders emotional war, ist verständlich. Schließlich ist damit noch etwas deutlicher geworden, dass es für ihn unmöglich werden dürfte, seinen WM-Titel zu verteidigen. Zwar hatte das schon vor dem Großen Preis von Aserbaidschan ziemlich unrealistisch gewirkt, doch Kimi Antonelli hatte mit Platz fünf Chancen geboten - stattdessen ist der Abstand auf 116 Punkte gestiegen. Da dürften selbst so irre Wendungen wie in den vergangenen Jahren nichts mehr bewirken.

Die 36. Runde besiegelte Norris' Schicksal, als Franco Colapinto nach der Rennfreigabe im Anschluss einer Safety-Car-Phase ein derart eklatanter Verbremser unterlief, dass er in seinen Alpine-Teamkollegen Pierre Gaslye gerauscht war, was eine Kettenreaktion auslöste, die auch den Weltmeister aus dem Rennen beförderte. "Wenn man bei einem Neustart wie diesem einen Unfall verursacht, sollte man mindestens eine Rennsperre bekommen. Es gibt da einige Fahrer, die sollten einfach nicht in der Formel 1 sein", schimpfte Norris.

Briatore kritisiert, Colapinto entschuldigt sich

Sogar Colapintos Teamchef Flavio Briatore ließ offen, ob es Konsequenzen für seinen Fahrer geben würde. "Das war eine sehr schwache Aktion für einen so erfahrenen Piloten", sagte der 76-Jährige und gab an, sich zu überlegen, ob diese disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen müsse. Eine Bestrafung der Formel 1 hat es bereits gegeben, Colapinto wird im nächsten Rennen in einer Woche in Malaysia fünf Startplätze nach hinten versetzt - für Norris sicher nicht zufriedenstellend.

"Die FIA sollte strenger vorgehen und für solche Vorfälle Startverbote verhängen. Das ist leichtsinnig von den Leuten. Es kostet eine Menge Geld. Alle meine Teile sind jetzt Müll, also sollten die Leute für diese Art von Fahrweise gesperrt werden", sagte der McLaren-Pilot. Colapinto entschuldigte sich derweil: "Es tut mir für alle leid. Es war ein riesiger Fehler. Die Bremsen haben blockiert und dann habe ich die Kontrolle verloren."

Verstappen, Russell und Hadjar gegen Sperre für Colapinto

Aber reicht dieser Fehler, auch wenn es nicht der erste des Argentiniers war, um ihn, wie von Norris gefordert, zu sperren? Der Rest des Feldes scheint da eine klare Meinung zu haben. "Solange der Fahrer, der den Unfall verursacht hat, versteht, was er getan hat, und sich entschuldigt, wäre das zu hart. Wenn die Räder blockieren und man auf der Innenseite mit wenig Grip fährt, ist es bedauerlich, dass so viele Autos in den Unfall verwickelt wurden, aber so etwas kann passieren. Eine Rennsperre ist etwas übertrieben", sagte Max Verstappen.

Auch Baku-Sieger George Russell würde eine Sperre für "zu hart" erachten. "Bei einem Safety-Car-Restart mit kalten Reifen kann ein kleiner Fehler große Auswirkungen haben - danach hat es für mich ausgesehen", meinte der Mercedes-Fahrer. Und Verstappen-Kollege Isack Hadjar sagte: "Du kriegst keine Temperatur auf die Reifen, weil das Safety Car so langsam fährt. Dann übertreibt man es ein bisschen, und das hat riesige Konsequenzen. Eine Sperre wäre daher viel zu hart."

Aguero und Co. kommentieren Instagram-Post von Norris

Das sagen allerdings Fahrer, die unter Colapintos Fehler nicht gelitten haben. Wie sie reagiert hätten, wenn sie an der Stelle von Norris in Baku ausgeschieden wären, ist hypothetisch. Fakt ist aber, dass sich der Brite mit seinen Aussagen Feinde gemacht hat. Unter seinem bisher letzten Post auf "Instagram" sammeln sich seitdem zigtausende Kommentare, die meisten sind Reaktionen aus Argentinien, die Colapinto unterstützen.

Sogar die südamerikanische Sportprominenz hat sich eingeschaltet, der ehemalige Stürmerstar Kun Aguero postete eine Sequenz, in der er mit dem Kopf schüttelt und den Finger ablehnend hin und her bewegt. Allein dieser Kommentar erhielt etwa 30.000 Likes (Stand Sonntag, 10 Uhr). So scheint Norris erst den Kampf um Punkte in Baku verloren zu haben und dann auch noch mit seiner Reaktion darauf bei vielen Menschen Kredit verspielt zu haben.

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