Forschende entdecken neue Katzenart
Sandkatze, Andenkatze, Hauskatze, Luchse: Es gibt unzählige Katzenarten und noch mehr Katzenrassen. Davon leben einige auf unseren Sofas, viele aber auch in Steppen, Wäldern, im Dschungel. Nun wurde erstmals seit über 100 Jahren eine neue Katzenart entdeckt: Der Leopardus Tilcayo, eine Katze, die etwas kleiner ist als eine Hauskatze und durch bolivianische Wälder streunt.
Insgesamt gibt es je nach Liste etwas mehr oder weniger als fünfzig Katzenarten, die grob unterteilt werden in Klein- und Grosskatzen. Zu welcher Gruppe eine Katze gehört, erkennt man an ihrer Kommunikationsform: Grosskatzen können brüllen, aber nicht schnurren. Kleinkatzen können schnurren, aber nicht brüllen. Grosskatzen sind also jene, die umgangssprachlich auch Raubkatzen genannt werden: Löwen, Tiger, Leoparden. Kleinkatzen sind unter anderem die Hauskatzen, die in Wohnzimmern zu finden sind.
Die letzte Katzenart, die entdeckt wurde, war die Munao-Pampaskatze. Sie wurde 1923 erstmals beschrieben. Entsprechend erstaunt war die bolivianische Biologin Paolo Nogales-Ascarrunz, als sie 2016 einen Anruf erhielt: Eine Wildtierauffangstation habe eine merkwürdige Katze erhalten, die ein Mann noch als junges Kätzchen von einer Strasse in der Nähe eines Waldes aufgelesen habe. Er hatte die Katze erst bei sich behalten, im Glauben, eine Hauskatze gefunden zu haben. Doch als sie grösser wurde, verhielt sie sich zunehmend weniger wie eine Hauskatze, zeigte sich wilder. So entschied er sich, die mittlerweile etwas mehr als einjährige Katze zur Wildtierauffangstation zu bringen.
Wildtier-Station meldete «merkwürdige» Katze
Die Betreiber der Station beschrieben die Katze gegenüber der Biologin Nogales-Ascarrunz als «merkwürdig», wie «National Geographic» schreibt. Die Katze hatte kurze, runde Ohren, ein schmales Gesicht und lange Schnauzhaare. Nogales-Ascarrunz erinnert sich, dass sie «fasziniert» gewesen sei. Sie habe Hunderte Fotos von der Katze gemacht, als sie sie das erste Mal gesehen habe.
Zunächst nahm Nogales-Ascarrunz an, dass die Katze lediglich eine Unterart der Leoparden sei. Erst 2019, drei Jahre später, realisierte sie, dass die Katze Eigenschaften hat, die Leoparden nicht haben. Zum Beispiel war ihr Fell leicht anders gemustert. In den darauffolgenden Jahren arbeitete Nogales-Ascarrunz daran, ihre These genetisch zu belegen. Und tatsächlich: Ihre Daten zeigen, dass sich die neue Art bereits seit über einer Million Jahren eigenständig entwickelt.
Die Entdeckung ist bedeutend, und das nicht nur, weil bereits sehr lange keine neue Katzenart mehr entdeckt wurde. Der Fund deutet darauf hin, dass der Stammbaum, der Katzenarten bisher systematisierte, noch viel unvollständiger sein könnte als bisher angenommen.
Konsequenzen für den Artenschutz
Das hat unter anderem Konsequenzen für den Artenschutz. So werden mehr Tiere geschützt, weil sie als bedroht gelten, wenn die einzelnen Arten kleinere Gruppen beschreiben. Gibt es etwa in Brasilien, in Bolivien und in Argentinien ähnliche Katzen, wird ein Teil davon geschützt, wenn diese als drei Arten gelten und eine davon in ihrem Gebiet bedroht wird. Gelten aber diese Katzen an allen drei Orten als dieselbe Art, werden alle davon nicht geschützt, selbst wenn sie in einzelnen Regionen bereits dabei sind, auszusterben.
Ob die neue Art, der Leopardus Tilcayo, bedroht ist, ist bis heute unbekannt. Die Forscher wissen noch nicht, wie viele von ihnen noch leben. Der Name der neuen Art hat ausserdem nichts mit geografischer Streuung zu tun – Tilcayo ist schlicht das Wort, das in der Heimatregion der Katze schon seit Generationen für das Tier verwendet wird. Warum sie so heisst, ist selbst in der Region unbekannt. Tilcayo bedeutet weder auf Spanisch etwas, noch auf Quechua, einer Sprache, die in Bolivien gesprochen wird.