Forscher entdecken zehneckige Wolke am Südpol des Saturn
Eine Forschungsgruppe der Nasa hat in Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops eine riesige, zehneckige Wolke über dem Südpol des Saturns entdeckt. Sie ähnelt stark dem berühmten Sechseck am Nordpol des Planeten, weist aber auch entscheidende Unterschiede auf. Diese könnten darauf hindeuten, dass die Wissenschaftler:innen die Entstehung eines neuen atmosphärischen Phänomens in Echtzeit mitverfolgen können. „So etwas haben wir auf der südlichen Hemisphäre des Saturns noch nie gesehen”, kommentiert Amy Simon in einer Pressemitteilung. Sie ist leitende Wissenschaftlerin am Goddard Space Flight Center der Nasa und Mitautorin der Studie.
Hubble liefert detaillierte Aufnahmen
Als die Voyager-Raumsonde im Jahr 1981 am Saturn vorbeiflog, machte sie Aufnahmen von dessen Nordpol. Darin entdeckten Forscher:innen Jahre später eine auffällige, sechseckige Wolke, die stabil an einer Stelle verharrte. „Das nördliche Sechseck war jedes Mal da, wenn wir seit mehr als 40 Jahren nachgeschaut haben“, so Simon. Das neu entdeckte Phänomen scheine sich dagegen zu verstärken. Laut Archivaufnahmen habe die Bildung des Zehnecks erst im Jahr 2023 begonnen. Die Raumsonde Cassini, die den Saturn zwischen 2004 und 2017 umkreiste, hatte das Merkmal noch nicht erfasst, was laut Nasa darauf hindeutet, dass es erst danach entstanden ist. „Die Frage ist: Warum hat sich [die Wolke] gerade jetzt plötzlich gebildet, wo wir doch zuvor noch nie eine gesehen haben?“
Die Bilder entstanden im Rahmen des „Outer Planet Atmospheres Legacy“-Programms (OPAL) des Hubble-Teleskops. Einmal im Jahr wird dabei ein Teil der Beobachtungszeit für Aufnahmen der äußeren Planeten des Sonnensystems genutzt. Ziel ist es, Langzeitbeobachtungen zu gewinnen und so die Daten von Raumfahrzeugen, die sie umkreisen oder passieren, zu ergänzen. Dank der langen Betriebsdauer des Hubble-Teleskops können Astronom:innen Veränderungen bei Planeten und anderen astronomischen Objekten über die Zeit verfolgen. Dadurch ermöglicht das OPAL-Programm auch, saisonale Veränderungen und kurzlebige Stürme zu beobachten und weitere atmosphärische Merkmale zu identifizieren, die sich langsam entwickeln.
Untersuchung des Dekagons geht weiter
Das Forschungsteam kann beobachten, wie sich die zehneckige Wolke über mehrere atmosphärische Schichten erstreckt und damit über die Wolkenobergrenzen hinausreicht. Zudem befinde sie sich in einem großen Jetstream am Saturn. „Als wir das OPAL-Programm starteten, rechneten wir mit spannenden Überraschungen, wussten aber nicht genau, was uns erwarten würde”, so Mike Wong in dem Nasa-Blogbeitrag weiter. Er ist an der Berkeley-Universität tätig und ebenfalls Mitautor der Studie. „Viele der Entdeckungen, die wir dank OPAL machen, basieren nicht nur auf einer einzigen Beobachtung, sondern auf Daten aus vielen, vielen Jahren. Regelmäßige Untersuchungen über einen längeren Zeitraum ermöglichen zahlreiche neue Erkenntnisse.“