Forscher finden Atmosphäre: Auf dieser Super-Erde wäre Leben möglich
Es ist einer der größten Träume der Astronomie: eine zweite Erde zu finden. Ein Planet mit fester Oberfläche, angenehmen Temperaturen – und einer Atmosphäre. Genau dafür gibt es jetzt den bislang besten Kandidaten. Ein internationales Forscherteam hat am Gesteinsplaneten LHS 1140 b entweichendes Helium nachgewiesen. Das gilt als starker Beleg für eine Atmosphäre. Das Besondere: Der Planet kreist in der habitablen Zone seines Sterns, also in jenem Abstand, in dem flüssiges Wasser möglich wäre. Die Studie erschien am Mittwoch im Fachjournal Science. Nur 49 Lichtjahre entfernt – nach kosmischen Maßstäben ein Katzensprung LHS 1140 b liegt rund 49 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Walfisch. Er ist eine sogenannte Super-Erde: 1,7-mal so groß wie unser Planet und 5,6-mal so schwer. Sein Stern ist ein Roter Zwerg, deutlich kleiner und schwächer als die Sonne. Deshalb reicht dem Planeten eine enge Umlaufbahn von nur 24,7 Tagen, um in der lebensfreundlichen Zone zu liegen. Er erhält etwa 42 Prozent der Strahlung, die die Erde von der Sonne bekommt. Frühere Beobachtungen, auch mit dem James-Webb-Teleskop, hatten bereits Hinweise auf eine mögliche Lufthülle geliefert. Der Nachweis gelang jetzt allerdings vom Boden aus: mit einem neuen hochauflösenden Spektrografen am Magellan-Clay-Teleskop in Chile. Forscher: „Wir haben noch sehr viel zu lernen“ Im September 2024 registrierte das Team um Collin Cherubim von der Harvard University ein klares Helium-Signal. „Wir haben beobachtet, wie Helium aus der oberen Atmosphäre dieses Exoplaneten entweicht – ein starkes Indiz für eine Atmosphäre auf einem felsigen Planeten in der habitablen Zone“, sagte Co-Autor Shreyas Vissapragada von der Carnegie Institution dem Wissenschaftsportal IFLScience. Ein Jahr später dann die Überraschung: Bei einer erneuten Beobachtung 2025 war das Signal verschwunden. Für die Forscher ist das kein Rückschlag, sondern eine zweite Erkenntnis. Die Messung von 2024 zeigt, dass die Atmosphäre existiert – die von 2025, dass sie sich verändert. Als Ursache für den Heliumverlust vermuten die Forscher energiereiche Röntgen- und UV-Strahlung des Sterns, die die obere Atmosphäre regelrecht wegheizt. Rote Zwerge sind deutlich aktiver als unsere Sonne. Ob Planeten in ihrer Nähe eine Lufthülle über Milliarden Jahre halten können, ist eine der zentralen offenen Fragen der Exoplanetenforschung – zumal Rote Zwerge die häufigsten Sterne der Milchstraße sind. Roter Zwerg im Strahlungsausbruch: Die Aktivität solcher Sterne kann Planeten die Lufthülle entreißen (künstlerische Darstellung, Symbolbild). © Imago/Mark Stevenson Ist dort Leben möglich? Das sagen die Forscher Bedeutet das nun: Leben auf LHS 1140 b? So weit wollen die Wissenschaftler ausdrücklich nicht gehen. „Wir wissen noch nicht genug über die untere Atmosphäre des Planeten, um überhaupt zu sagen, aus welchen Stoffen sie besteht – geschweige denn etwas über die Oberfläche oder flüssiges Wasser“, betonte Vissapragada. Und fügte hinzu: „Ich möchte ganz klar sagen: Wir haben noch sehr viel zu lernen“ Die Daten deuten laut Studie darauf hin, dass die obere Atmosphäre von Helium dominiert wird und kaum Wasserstoff enthält. Schwerere Stoffe wie Sauerstoff, Kohlenstoff oder Wasser könnten in tieferen Schichten gefangen sein. Frühere Analysen halten es sogar für möglich, dass LHS 1140 b eine Wasserwelt ist – mit einem Wasseranteil von bis zu 19 Prozent seiner Masse. Das Team plant bereits Folgebeobachtungen, um die rätselhaften Schwankungen des Heliumsignals zu verstehen. Ein Nachbarplanet im selben System, der kleinere und heißere LHS 1140 c, zeigte übrigens kein Helium. Er gilt als luftlose Welt – und liefert damit den Kontrast, der den Fund am großen Bruder umso bemerkenswerter macht. Lesen Sie mehr zum Thema