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Forscher identifizieren neue Pinguinart

Wissenschaft

Ein internationales Forschungsteam hat erstmals seit über einem Jahrhundert eine neue Pinguinart beschrieben. Die Tiere leben auf einer der abgelegensten Inselgruppen der Erde – und sind bereits vom Klimawandel bedroht.

Eselspinguine galten in der Wissenschaft bislang als eine einzige Art mit mehreren Unterarten. Doch eine umfassende Genomanalyse stellt diese Einordnung nun grundlegend auf den Kopf: Hinter den äußerlich nahezu identisch wirkenden Vögeln verbergen sich tatsächlich vier eigenständige Spezies. Eine davon – der sogenannte Südöstliche Eselspinguin mit dem wissenschaftlichen Namen Pygoscelis kerguelensis – war der Forschung zuvor gänzlich unbekannt. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal "Communications Biology".

An der Studie wirkten Wissenschaftler, Naturschützer sowie Pinguinexperten auf fünf Kontinenten mit. Federführend waren Teams der University of California in Berkeley und der Universidad de Los Lagos in Chile. Grundlage der Untersuchung bildeten Erbgutanalysen von 64 Tieren aus zehn Brutkolonien rund um den Südlichen Ozean.

Über 100 Jahre alte Debatte beigelegt

Die Frage, ob es sich bei Eselspinguinen um eine oder mehrere Arten handelt, beschäftigte Biologen seit den 1920er-Jahren. Frühere Studien hatten bis zu sechs Unterarten vorgeschlagen, doch ein wissenschaftlicher Konsens fehlte. Dass die neue Art so lange unentdeckt blieb, liegt an ihrem Erscheinungsbild: Wie alle Eselspinguine besitzt auch Pygoscelis kerguelensis einen weißen Bauch und einen schwarzen Rücken.

"Genetisch unterscheidet sich die Art jedoch eindeutig", heißt es in einer Mitteilung der University of California. Neben dem Erbgut analysierten die Forschenden auch Lautäußerungen, Brutzeitpunkte, Ernährungsgewohnheiten und Körpermaße – und fanden durchgehend deutliche Unterschiede zwischen den vier Linien.

Heimat auf den "Inseln der Trostlosigkeit"

Die neu beschriebene Art lebt auf den Kerguelen-Inseln, einem entlegenen Archipel im südlichen Indischen Ozean. Die Inselgruppe befindet sich jeweils fast 4.000 Kilometer von Australien und Südafrika entfernt; Menschen sind dort ausschließlich auf einer Forschungsstation anzutreffen. Der Entdecker James Cook hatte den Archipel einst als "Inseln der Trostlosigkeit" bezeichnet.

Die übrigen drei Arten besiedeln jeweils eigene Regionen: Der Nördliche Eselspinguin kommt auf den Falklandinseln und an der Südspitze Südamerikas vor. Die östliche Art bewohnt subantarktische Inseln wie Crozet, Marion und Macquarie. Der Südliche Eselspinguin ist die einzige der vier Spezies, die direkt in der Antarktis brütet.

Laut der Originalstudie in "Communications Biology" spalteten sich die Vorfahren der heutigen Eselspinguine vor rund 800.000 Jahren auf und entwickelten sich in ihren isolierten Lebensräumen unabhängig voneinander weiter. Die Tiere entfernen sich kaum von ihren Brutkolonien und kehren Jahr für Jahr an denselben Nistplatz zurück – eine Gewohnheit, die den Genfluss zwischen den Populationen stark einschränkte und die Aufspaltung in vier Arten begünstigte.

Die genetischen Untersuchungen offenbaren nicht nur die Verwandtschaftsverhältnisse, sondern auch Anpassungen an die jeweiligen Lebensbedingungen. Beim Südlichen Eselspinguin, der in der Antarktis lebt, fanden die Forschenden verstärkt Gene, die mit Wärmeerzeugung, Fettspeicherung und Lichtwahrnehmung in Verbindung stehen. Die östliche Art hingegen weist genetische Merkmale auf, die auf besonders effizientes Tauchen und einen optimierten Energiestoffwechsel hindeuten.

Klimawandel bedroht drei der vier Arten

Die Neueinteilung hat unmittelbare Konsequenzen für den Artenschutz. Modellrechnungen aus der Studie prognostizieren, dass der Nördliche, der Östliche und der Südöstliche Eselspinguin durch die Erwärmung der Ozeane bis 2050 erhebliche Teile ihrer geeigneten Lebensräume einbüßen könnten. Viele der subantarktischen Inseln, auf denen diese Tiere brüten, drohen für sie unbewohnbar zu werden. Einzig der Südliche Eselspinguin in der Antarktis könnte von den veränderten Bedingungen profitieren und sein Verbreitungsgebiet sogar ausdehnen.

Besonders alarmierend: Auf der Macquarie-Insel hat sich die Zahl der Brutpaare des Östlichen Eselspinguins innerhalb der letzten drei Generationen halbiert. Auf dem Crozet-Archipel ging die beobachtete Kolonie zwischen 1992 und 2018 um 32,6 Prozent zurück.

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Ein zentrales Problem: Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft Eselspinguine bislang als eine einzige, weit verbreitete Art mit dem Status "nicht gefährdet" ein. Dieses Urteil stützt sich allerdings maßgeblich auf die südliche Art, die rund 65 Prozent des Gesamtbestands ausmacht und deren Populationen wachsen. Die Bestände der übrigen drei Arten sind dagegen deutlich kleiner und teilweise rückläufig. Die Forschenden fordern deshalb, jede der vier Spezies künftig separat zu bewerten. (red)

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