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Forscher lösen 450-Millionen-Jahre-Rätsel

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Gigantischer Supervulkan unter England entdeckt: „Einige der größten Ausbrüche in der Erdgeschichte“

Von: Tanja Banner

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Unter Englands Küste existierte einst ein Supervulkan. Neue Analysen zeigen, wie weit seine gewaltige Eruption wirklich reichte – und was sie hinterließ.

England – Tief unter der Ostküste Englands, verborgen unter einer flachen Küstenlandschaft und einer großen Flussmündung, haben Wissenschaftler die Überreste eines gigantischen Supervulkans entdeckt. Vor etwa 454,4 Millionen Jahren – im späten Ordovizium und damit mehr als 200 Millionen Jahre, bevor die ersten Dinosaurier die Erde betraten – kam es hier zu einer Eruption von katastrophalen Ausmaßen. „Damals brachte ein Supervulkan, der heute unter einer der flachsten Landschaften Englands verborgen ist, einige der größten Ausbrüche in der aufgezeichneten Erdgeschichte hervor“, erklärt Dr. Tim Pharaoh vom British Geological Survey (BGS).

Der Supervulkan – geophysikalisch ein riesiger, im Boden versunkener Caldera-Komplex – erstreckt sich über mindestens 65 Kilometer unter der Bucht „The Wash“ sowie Teilen von Norfolk und Lincolnshire, berichtet die BBC. Seine Ausbruchskraft war tausende Male gewaltiger als die des Ätna und entsprach der Sprengkraft von mehreren Tausend Wasserstoffbomben. Während der gewaltigen Eruption wurden Hunderte bis Tausende Kubikkilometer Magma, Gestein und Asche direkt in die Stratosphäre geschleudert. Eine Eruption in dieser Größenordnung würde heute wahrscheinlich die Existenz der gesamten Menschheit bedrohen.

Supervulkan schleuderte Material von England bis nach Skandinavien

Die gigantische Aschewolke flog über das damalige Tornquist-Meer und lagerte sich auf dem Meeresboden des alten Skandinaviens ab, berichtet das Forschungsteam. Dies löst ein langes Rätsel der Geologie: den Ursprung der sogenannten Kinnekulle-Tephra, einer gewaltigen Ascheschicht, die sich über Norwegen, Schweden, das Baltikum, Belarus und Polen erstreckt. Pharaoh betont: „Wir glauben, dass wir dank modernster Analysen den Beweis erbringen konnten, dass die Ascheschicht in Skandinavien von diesem Supervulkan stammt, was unser Verständnis der tiefen geologischen Vergangenheit Englands neu formt.“

Zwar existierte im Ordovizium ein ganzer Vulkan-Inselbogen von England bis nach Belgien, doch das Team sieht den Wash-Komplex als die Hauptquelle der skandinavischen Ascheschicht an. Der Forschungsartikel des Teams um Pharaoh wurde im Fachjournal Geological Society of America Bulletin veröffentlicht.

Forscher analysierten alte Gesteinsproben während des Corona-Lockdowns

Der wissenschaftliche Durchbruch gelang während des Corona-Lockdowns in einem Archiv. Weil keine neuen Bohrungen möglich waren, untersuchten Forscher Gesteinsproben erneut, die bereits vor 80 Jahren aus tiefen Bohrungen in Norfolk und Lincolnshire entnommen worden waren und im BGS-Archiv lagerten. Mithilfe neuer Geräte analysierten sie Zirkon- und Apatitkristalle, die dünner als ein menschliches Haar sind. Über den Zerfall von Uran zu Blei datierten sie die Proben exakt auf 454,4 Millionen Jahre – eine genaue Übereinstimmung mit Daten der Universität Oslo.

Bereits früher hatten Forscher der University of East Anglia eine geophysikalische Anomalie unter The Wash festgestellt. „Erst jetzt, da wir diese präzisen Altersbestimmungen haben, können wir solche kühnen Aussagen und Behauptungen aufstellen. Es ist äußerst befriedigend, zu diesem sehr präzisen Ergebnis zu kommen“, so Pharaoh gegenüber der BBC.

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