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Zeitumstellung abschaffen? Forscher nennen neue Details – „Konsequenzen einplanen“

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Die Debatte um die Abschaffung der Zeitumstellung zieht sich seit Jahren hin. Forscher geben nun eine klare Empfehlung: dauerhafte Winterzeit statt Sommerzeit – aus gesundheitlichen Gründen.

München/Vancouver – Eigentlich war die Sache schon beschlossen: Das Europäische Parlament stimmte im Jahr 2018 einem Gesetzentwurf der EU-Kommission zu, der die Abschaffung der Zeitumstellung vorsah. Doch bis heute ist nichts passiert. Die Umsetzung stockt, da sich die EU-Mitgliedstaaten schlicht nicht einigen können, welche Zeit künftig dauerhaft gelten soll – Sommer- oder Winterzeit. Jetzt meldet sich die Wissenschaft mit einer klaren Botschaft zu Wort.

Ein Forschungsteam der University of British Columbia in Vancouver hat zahlreiche wissenschaftliche Studien ausgewertet und kommt zu einem eindeutigen Schluss: Wenn die Zeitumstellung abgeschafft wird, sollte dauerhaft die Standardzeit – also die Winterzeit – gelten. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Canadian Medical Association Journal veröffentlicht. Geleitet wurde die Analyse von Raymond Lam, unterstützt unter anderem von den Mitautoren Patrick Baylis und Alexandra Choi.

Zeitumstellung abschaffen: Morgenlicht entscheidend für innere Uhr und Schlaf

Der Kern der Empfehlung liegt in der Bedeutung des Morgenlichts. Es hilft dem menschlichen Körper, die innere Uhr mit dem natürlichen 24-Stunden-Rhythmus zu synchronisieren. Abendliches Licht hingegen verschiebt diesen Takt nach hinten – mit spürbaren Folgen für Schlaf, Stimmung und Wohlbefinden. In Innenräumen übersteigt die Lichteinstrahlung im Winter selten 500 Lux, während selbst ein bedeckter Himmel draußen mehr als 20.000 Lux erreichen kann – ein enormer Unterschied, der zeigt, wie empfindlich die innere Uhr auf Lichtreize reagiert.

Vor oder zurück?

Vier Eselsbrücken für die Zeitumstellung – Winterzeit und Sommerzeit einfach merken.

Eine permanente Sommerzeit hätte gerade in den Wintermonaten einen gravierenden Nachteil: Schulkinder und Berufstätige müssten ihren Alltag über einen noch längeren Zeitraum im Dunkeln beginnen. Mitautor Patrick Baylis von der University of British Columbia bringt das Dilemma auf den Punkt: „Der Reiz einer dauerhaften Sommerzeit ist leicht nachvollziehbar: Die Menschen schätzen es, wenn es nach Feierabend oder Schulschluss noch länger hell ist. Diesen Vorteilen am Abend stehen jedoch Erkenntnisse gegenüber, die eine spätere Sonnenzeit mit weniger Schlaf, geringerer Produktivität und schlechteren schulischen Leistungen in Verbindung bringen."

Gescheiterte Versuche in den USA, Russland und Chile

Dass die dauerhafte Sommerzeit in der Praxis schnell an ihre Grenzen stößt, zeigt ein Blick in die Geschichte anderer Länder. Die USA führten sie 1974 mitten in der Energiekrise ein – und nahmen sie noch innerhalb desselben Jahres wieder zurück. Der Widerstand gegen die dunklen Wintermorgen war zu groß, und Eltern machten sich Sorgen um ihre Kinder, die vor Sonnenaufgang zur Schule aufbrechen mussten. Auch Russland scheiterte mit dem Experiment: Dort galt die dauerhafte Sommerzeit von 2011 bis 2014, bevor die Rückkehr zur Standardzeit beschlossen wurde. Chile wiederum drehte einen ähnlichen Schritt aus dem Jahr 2015 ebenfalls zurück. In Österreich gab es erst kürzlich neue Details zum Thema Abschaffung der Zeitumstellung.

Mitautorin Alexandra Choi von der regionalen Gesundheitsbehörde Vancouver Coastal Health mahnt deshalb zur Voraussicht: „Sollten sich Regierungen für die dauerhafte Sommerzeit entscheiden, müssen sie die Konsequenzen bereits vor dem ersten Winter einplanen – von sichereren Arbeits- und Schulwegen am Morgen und flexiblen Anfangszeiten bis hin zur Überwachung von Schlaf, psychischer Gesundheit und Verletzungsrisiken.“ Fachgesellschaften für Schlaf- und Chronobiologie sprechen sich für den Fall einer Abschaffung ebenfalls klar für die Beibehaltung der Standardzeit aus,

Trump will Golfer länger in der Sonne sehen – und gerät mit dem Senat in Streit

Jenseits des Atlantiks treibt derweil US-Präsident Donald Trump das Thema mit ungewöhnlichem Nachdruck voran. Er gilt als prominenter Verfechter der dauerhaften Sommerzeit – einer seiner erklärten Gründe: Golfer sollen länger von der Sonne profitieren. Trump ist das Anliegen so wichtig, dass er auf seiner Plattform Truth Social den republikanischen Senator Tom Cotton aus Arkansas scharf angriff. Cotton soll im US-Senat eine Abstimmung zur Abschaffung der Zeitumstellung blockiert haben. Trump trieb es dabei so weit, dass er im selben Beitrag Cottons Handynummer veröffentlichte und die Bürger aus Arkansas dazu aufrief, beim Senator persönlich Druck zu machen.

Während Trump auf mehr Sonnenstunden am Abend pocht, zeigt die Wissenschaft, dass der menschliche Biorhythmus ganz andere Bedürfnisse hat. Der individuelle Chronotyp ist dabei auch genetisch mitbedingt: Unterschiede im Schlaf-Wach-Verhalten werden unter anderem mit unterschiedlichen Ausprägungen des Gens PER2 in Verbindung gebracht. Wer die Zeitumstellung abschaffen möchte, sollte nach Ansicht der Forschenden deshalb lieber auf das Morgenlicht setzen – und dauerhaft bei der Winterzeit bleiben. (Quellen: 20 Min, dpa, Archiv)

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