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Forscher sind besorgt: Schlangen mit gelben Streifen in Berlin gesichtet

Welt

Immer wieder sind in den Feuchtgebieten der Stadt eigentümliche Schlangen zu beobachten, etwa im Britzer Garten. Sie ähneln der heimischen Ringelnatter – wie diese tragen sie zwei helle, halbmondförmige Flecken hinter dem Kopf. Doch anders als die Berliner Alteingesessenen haben sie keinen einfarbig grauen Rücken. Stattdessen prangen dort zwei helle Streifen, die sich über den gesamten Körper ziehen. Ein Berliner Forschungsteam wertete jetzt mehr als 400 Beobachtungen von Ringelnattern im Stadtgebiet aus, die Naturfreunde mit Bestimmungsapps wie „iNaturalist“ gemacht hatten. Bei den seltenen Exemplaren handelt es sich tatsächlich um Ringelnattern, erklären Forschende vom Berliner Naturkundemuseum. Die auffällige Rückenzeichnung stamme von einer Unterart, die auf der Balkanhalbinsel und in der Türkei heimisch ist: der Balkan-Ringelnatter (Natrix natrix moreotica). In den letzten drei bis vier Jahrzehnten hätten sich diese Tiere mit den heimischen Populationen gekreuzt, die seitdem genetische Anteile der südländischen Schlange tragen. Berlin war lange ein wichtiger Umschlagplatz für Terrarientiere in Europa. Bis heute halten sich Liebhaber zu Hause Reptilien. Dies hat Spuren in der lokalen Tierwelt hinterlassen. An sieben Orten im gesamten Stadtgebiet seien gestreifte Ringelnattern aufgetreten, heißt es im Fachblatt „Conservation Genetics“. Unter anderem am Tegeler Fließ, im Spandauer Forst, im Britzer Garten und im Spreepark in Treptow. In Britz sind praktisch alle Ringelnattern gestreift. Dass die Schlangen mit Baumaterial oder Schutt nach Berlin gelangten, dafür hat der Studienautor Frederic Griesbaum keine Hinweise. „Wahrscheinlich haben verantwortungslose Halter die Tiere ausgesetzt“ – und zwar an mehreren Orten in der Stadt, sagt er im Gespräch mit dem Tagesspiegel. An eine schicke gestreifte Natter zu gelangen, sei bis in die Achtzigerjahre einfach gewesen. Viele Urlauber hätten sich eine Schlange aus Kroatien oder Albanien mitgebracht, was heute strengstens verboten ist. In Berliner Zoogeschäften sei das Tier zudem für 20 Mark zu haben gewesen. Sorge um die heimischen Schlangen Ringelnattern sind für den Menschen harmlos, niemand muss vor ihnen Angst haben, sagt der Wissenschaftler: „Selbst wer eine Schlange fängt, müsste keinen Biss befürchten.“ Die Tiere verteidigen sich eher, indem sie ein stinkendes Sekret verspritzen. Das hat er am eigenen Leib erfahren, als er zusammen mit Kollegen 27 Schlangen für die Studie einsammelte, um deren Erbgut zu analysieren. Dabei stellte sich heraus, dass sich noch eine Unterart aus Ungarn, Österreich und Tschechien mit den heimischen Nattern gekreuzt hat. Ihr Schuppenkleid ist rötlich und besitzt keine Streifen. Sie wandert aus diesen Regionen ein und ist immer öfter in Süddeutschland anzutreffen. Für die Forschenden besteht „Anlass zur Sorge“, denn aus naturschutzfachlicher Sicht sei eine Durchmischung der Genpools nicht wünschenswert, schreiben sie in ihrem Aufsatz. Wenn sich Unterarten kreuzen, leidet darunter die Vielfalt der Arten. Außerdem könnten die Tiere einen Überlebensnachteil haben: Die helleren Balkan-Schlangen sind auf ein wärmeres Klima sowie eine andere Flora und Fauna eingestellt. Ausbreitung eindämmen Theoretisch müsse die Ausbreitung eingedämmt werden, schreiben die Forschenden in ihrem Aufsatz. Praktisch sei es aber sehr schwierig, die Schlangen zu fangen, schränkt Griesbaum im Gespräch ein. Weil es keine akute Bedrohung für die heimische Tierwelt gibt, rät er zum Abwarten. Es sei möglich, dass die Streifen nach ein paar Generationen wieder verschwinden. Dennoch sollte man die Populationen weiter im Auge behalten.

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