Forschung: Spitzenforscher fordern Maßnahmen gegen Wissenschaftsspionage
Berlin. Die Präsidenten führender deutscher Forschungseinrichtungen zeigen sich offen für neue Vorkehrungen, um Wissen in sicherheitsrelevanten Bereichen vor dem Zugriff kritischer Staaten zu schützen. Zwar bleibe internationale Offenheit der Wissenschaft „unverzichtbar“, sagte der neue Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Christoph M. Schmidt dem Handelsblatt. „Sie muss aber stärker als früher gegen die Risiken des Wissensabflusses und des Missbrauchs abgewogen werden.“ Er registriere in der „jüngsten Vergangenheit“ einen Sinneswandel in der Wissenschaft, sagte Schmidt. „Vor allem bei Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) ist heute viel präsenter, dass sie fast unweigerlich ein Multiple-Use-Potenzial aufweisen.“ Gemeint ist damit, dass Forschungsergebnisse oder Technologien auf unterschiedliche Weise genutzt werden können, etwa zivil, wirtschaftlich, aber auch militärisch. Für Aufsehen hatten zuletzt mutmaßlich problematische Chinaverbindungen des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit (Cispa) in Saarbrücken gesorgt. Das Zentrum und der Leiter sollen demnach mit chinesischen Wissenschaftlern, die von militärnahen Universitäten stammen, eng zusammengearbeitet und publiziert haben. Derzeit prüft ein Sonderermittler von KPMG die Vorgänge bei dem Zentrum, das umfangreich zur Cybersicherheit und KI forscht.