Forschung zeigt erste Erfolge
Startseite Wissen Nachwachsende Zähne statt Implantat? Forschende melden erste Labor-Erfolge Uns auf Google folgen Mehrere Forschungsteams arbeiten an biologischen Verfahren, mit denen beschädigte oder verlorene Zähne eines Tages natürlich nachwachsen könnten. London/Boston – Statt Karies mit Füllungen zu behandeln oder fehlende Zähne durch Implantate zu ersetzen, arbeiten Wissenschaftler an einer grundlegend neuen Therapie: Verlorene oder beschädigte Zähne sollen sich künftig mithilfe körpereigener Zellen regenerieren oder sogar vollständig nachwachsen. Mehrere Forschungsteams treiben entsprechende Ansätze voran, betonen jedoch, dass bis zu einer breiten Anwendung in der Zahnmedizin noch erhebliche Hürden zu überwinden sind, berichteten BBC und KARAR. Ziel der Forschenden ist es, nicht nur Zahnschäden zu reparieren, sondern die natürliche Struktur und Funktion des Zahns wiederherzustellen. Dafür untersuchen sie unter anderem, wie sich Zellen entwickeln, die Zahnschmelz und Dentin – die harte Schicht unter dem Zahnschmelz – bilden, und wie sich diese Prozesse gezielt anregen lassen. Lebende Zahnreparatur Nach Angaben der BBC erforschen Wissenschaftler sogenannte „lebende Restaurierungen“. Dabei sollen biologische Prozesse genutzt werden, um geschädigtes Zahngewebe zu regenerieren, anstatt künstliche Materialien einzusetzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich das Wachstum von Dentin stimulieren lässt, sodass sich kariöse Schäden künftig auf natürliche Weise reparieren könnten. Auch sogenannte Zahnorganoide gelten als vielversprechender Forschungsansatz. Dabei handelt es sich um im Labor gezüchtete, zahnähnliche Gewebestrukturen. Forschenden gelang es bereits, Stammzellen in Zellen umzuwandeln, die Zahnschmelz und Dentin bilden. Gemeinsam erzeugten sie ein Zahnorganoid, das Schmelzproteine produziert. Langfristig könnten daraus biologische Beschichtungen für beschädigte Zähne oder sogar vollständig nachwachsende Zähne entstehen. Erste Erfolge im Labor Ein Forschungsteam des King's College London kombinierte erwachsene menschliche Zahnfleischzellen mit zahnbildenden Zellen von Mäusen und erzeugte so zahnähnliche Strukturen mit sich entwickelnden Wurzeln. Ziel ist es nun, die biologischen Signale so zu steuern, dass sich daraus ein vollständig funktionsfähiger Zahn entwickelt. Auch an der Tufts University erzielten Forschende Fortschritte. Sie kombinierten menschliche Zellen mit Zahnbildungszellen von Schweinen und erzeugten in Yucatan-Minischweinen zahnähnliche Strukturen. Innerhalb von rund drei Monaten beobachteten sie ein Wachstum, das zeigt, dass im Labor gezüchtete Zähne grundsätzlich biologisch möglich sind, so KARAR. Langfristig wollen die Forschungsteams ausschließlich menschliche Zellen verwenden. Diese sollen direkt in den Kiefer eingebracht werden, wo sich ein neuer Zahn an der fehlenden Stelle entwickelt. Noch keine Therapie für Patienten Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass ihre Arbeiten noch im experimentellen Stadium sind. Bevor klinische Studien am Menschen beginnen können, seien umfangreiche Untersuchungen erforderlich. Dabei müsse unter anderem sichergestellt werden, dass neue Zähne in der richtigen Größe und Position wachsen und sich korrekt mit Nerven und umliegendem Gewebe verbinden, berichtet KARAR. Sollten sich die Verfahren eines Tages bewähren, könnten sie die Zahnmedizin grundlegend verändern. Statt beschädigte Zähne immer wieder mit Füllungen oder Implantaten zu versorgen, wäre es eventuell möglich, ihre natürlichen Reparaturmechanismen gezielt zu aktivieren und verlorene Zähne biologisch zu ersetzen. Wann eine solche Behandlung tatsächlich verfügbar sein könnte, ist derzeit jedoch noch offen. (Redaktion)