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Forschungsprojekt will Rohstoff-Vorkommen im Harz aufspüren

Wissenschaft

Stand: 23.10.2026 11:53 Uhr

In einem Wald bei Hahnenklee im Harz untersuchen Wissenschaftler derzeit den Boden. Ihr Ziel dabei ist, wissenschaftliche Erkundungsmethoden zu testen - und neue Informationen über mögliche Bodenschätze zu erhalten.

von Marie Stiller

Rund zwei Kilometer lang sind die gelb- und orangefarbenen Kabel, die ein Team aus Geophysikern an den Rand eines Forstweges in einem Waldgebiet bei Hahnenklee verlegt hat. An diesen Kabeln steckt alle fünf Meter ein gelbes Geophon im Boden - ein wissenschaftliches Gerät zur Messung von Schwingungen im Boden.

Messungen bis in 600 Metern Tiefe

"Noch ein Stoß", spricht Jan Bayerle in sein Funkgerät. Aus einem umgebauten Kleinbus, der an einer Wegkreuzung im Wald parkt, koordiniert Bayerle seine Kollegen in der Ferne. Diese fahren mehrere Hundert Meter entfernt mit einem tonnenschweren orangefarbenen Fahrzeug, dem sogenannten Vibro-Truck, entlang der Kabel auf dem Forstweg. An vorab festgelegten Punkten halten sie kurz. Eine Vorrichtung am Fahrzeugboden fährt herunter, setzt auf der Wegoberfläche auf und sendet Schwingungsstöße in bis zu 600 Meter Tiefe. "Wenn diese Welle im Untergrund auf einen Wechsel von Gesteinsformationen trifft, wird sie dort reflektiert und zurückgeschickt zur Erdoberfläche", erklärt Sonja Wadas.

Unter anderem ein 2D-Modell soll entstehen

"Die Geophone hier an der Oberfläche zeichnen die Signale auf, die dann an den Bus weitergeleitet werden." Wadas ist Geophysikerin am LIAG-Institut für angewandte Geophysik in Hannover und leitet die seismischen Messungen. Mit den Daten soll ein 2D-Modell von den Strukturen im Boden entstehen.

Etwas entfernt nimmt der Geologe Christian Schardt vom sächsischen Unternehmen BEAK zusammen mit einem Studenten der Technischen Universität Clausthal Proben von kleinsten Steinen aus einem Bachlauf. "Die Sedimente geben uns im Labor Informationen darüber, was sich in den Gesteinen um den Bach herum befindet - aber auch über deren Gehalt von kritischen Rohstoffen wie Wolfram oder Zinn."

Viele Wissenschaftler und Einrichtungen an Forschungsprojekt beteiligt

Das laufende Forschungsprojekt im Harz wird von einem Verbund aus Forschungseinrichtungen, Universitäten und geologischen Unternehmen betrieben. Damit wollen die Forscher neue wissenschaftliche Verfahren für die Suche von mineralischen Rohstoffen testen. Verschiedene Methoden werden dabei kombiniert: Zuvor kam bereits ein Hubschrauber zum Einsatz, der den Boden aus der Luft elektromagnetisch untersucht hat. Ziel ist es, herauszufinden, wie sich der Untergrund strukturell zusammensetzt und welche Rohstoffe, zum Beispiel Erze, darin zu finden sein könnten.

Experten rechnen mit Resten von 50 verschiedenen Rohstoffen im Harz

Viele Jahrhunderte hat Bergbau den Harz geprägt. Und noch heute vermuten Experten Reste von Rohstoffen im Boden. Dass im Harz künftig Rohstoffe gefördert werden, "bleibt abzuwarten", sagt Björn Völlmar vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie. Man rechne mit "keinem Rohstoff-Boom", sondern lediglich mit Rohstoff-Resten - 50 verschiedene, darunter Zinn, Zink, Wolfram und Coltan. Auch handele es sich bei der untersuchten über 400 Quadratkilometer großen Fläche im Harz bisher nur um ein sogenanntes Erlaubnisfeld, um oberflächlich und auf Datenbasis nach Rohstoffvorkommen zu suchen. Damit sei keine Rohstoffförderungen verbunden.

"Ganz Niedersachsen ist rohstoffreich"

Nicht nur der Harz ist für Forscher interessant. "Ganz Niedersachsen ist rohstoffreich", erklärt Björn Völlmar, "wir haben Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Mitte Niedersachsens, außerdem gut verteilte Sand- und Kieslagerstätten, Lithium- und Salzvorkommen." Rohstoffe, die für den Alltag wichtig sind. Zahlreiche Unternehmen hätten sich deshalb Erlaubnisfelder für Erkundungen gesichert, so Völlmar. "Unsere Bedarfe können diese Rohstoffvorkommen nicht decken, aber sie können dazu beitragen, dass wir weniger importieren müssen und unabhängiger werden."

Umweltverbände mit Bedenken

Umweltverbände wie BUND und NABU warnen allerdings vor den Folgen einer Ausweitung des Rohstoffabbaus im Harz. Sie sehen Lebensräume wie die artenreiche Gipskarstlandschaft durch neue Abbauflächen gefährdet und fordern, neue Abbaugenehmigungen zu stoppen und stattdessen Recycling und alternative Rohstoffe stärker zu nutzen.

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