Fragwürdiges Werben von Real Madrid: Wird auch Jose Mourinho beim Transfer von Rodri zum Problem?
Der selbsternannte "größte Verein der Welt" bemüht sich um die besten Spieler der Welt – das ist schon seit Jahren das Selbstverständnis bei Real Madrid. Dass die Königlichen seit einigen Wochen mit Rodri von Manchester City in Verbindung gebracht werden, ist deshalb keine große Überraschung, schließlich wurde der Mittelfeldregisseur nach Spaniens WM-Triumph zum besten Spieler des Turniers gewählt. Spätestens mit dieser Auszeichnung war Real gefordert, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Doch dass eine Verpflichtung des 30-Jährigen tatsächlich eine gute Idee der Madrilenen ist, ist nicht gesagt. Dass Rodri bei Real aktuell gehandelt wird, neben zwei Bundesliga-Stars mit Michael Olise (Bayern München) oder Yan Diomande (RB Leipzig), hat zu einem großen Teil wieder einmal mit Präsident Florentino Perez zu tun: Der hatte sich Anfang Juni noch einen intensiven Wahlkampf mit seinem Herausforderer Enrique Riquelme geliefert, an dessen Ende er souverän in seinem Amt bestätigt wurde. Großmundig hatte er den Fans und Klub-Mitgliedern einen Mega-Transfer für den Sommer angekündigt, ein Angebot in Höhe von 150 Millionen Euro wollte er für einen Top-Star abgeben. "Das Angebot gilt für einen Spieler vom Kaliber eines Cristiano Ronaldo oder Kaka", verkündete Perez – und dann wurde es am Ende doch deutlich weniger Flair, Spielwitz und Torgefahr: Julian Alvarez sollte für diese Summe von Atletico Madrid kommen, doch der Stadtrivale ließ die womöglich gar nicht so ernst gemeinte Offerte der Königlichen knallhart und schnell abblitzen. Danach passierte auf dem Transfermarkt zwar einiges bei Real, aber der eine Deal, der die Fans nach zwei titellosen Jahren von goldenen Zeiten träumen lässt, war nicht dabei. Zunächst kam mit Jose Mourinho der Ex-Trainer zurück, der während seiner Zeit im Santiago Bernabeu zwar auch Titel holte, aber im ewigen Duell mit Pep Guardiolas FC Barcelona meist den Kürzeren zog. Real bislang ohne Knalleffekt auf dem Transfermarkt Mit Marc Cucurella (Chelsea) und Denzel Dumfries (Inter Mailand) holte Real für insgesamt 75 Millionen Euro zwei Außenverteidiger, mit dem ablösefreien Ibrahima Konate (Liverpool) einen weiteren Abwehrspieler. Für Bernardo Silva (Manchester City), der mit seinen 31 Jahren noch älter als Rodri ist, kam ein weiterer erfahrener Spieler ablösefrei. Der angekündigte Knalleffekt auf dem Transfermarkt blieb jedoch aus – und genau den könnte Rodri natürlich mit einem Wechsel liefern. Die spielerische Klasse, die Rodri auch nach einem 2024 erlittenen Kreuzbandriss immer noch hat und die er beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellte, spricht natürlich dafür, dass sich Real um ihn bemühen sollte, wenn er auf den Markt kommt. Nach Informationen von Sky Sport liegt ihm bei City ein Angebot zur Verlängerung seines 2027 auslaufenden Vertrags vor, doch bislang kam es zu keiner Einigung mit den Skyblues. Derselbe Bericht vermeldet gleichzeitig eine Real-Offerte für Rodri, bis 2030 bei den Königlichen zu unterschreiben. Ein Angebot in Höhe von 50 bis 60 Millionen Euro soll derzeit vorbereitet werden. Getty Images Allerdings gibt es auch andere Berichte, die genau dieses Real-Interesse bestreiten. Die spanische Sportzeitung AS beruft sich auf Quellen innerhalb des Vereins, die angemerkt haben, dass das angebliche Werben um Rodri nur mit dem spanischen Erfolg bei der WM zusammenhänge. Sollte er als Lenker im Mittelfeld, den Real zweifelsohne nach den Abschieden von Toni Kroos und Luka Modric zuletzt schmerzlich vermisst hatte, nach Madrid kommen, würde die Spielidee von Neu-Trainer Mourinho komplett über den Haufen geworfen. Mit Rodri bekommt man Ballbesitz-Fußball, bei dem der 30-Jährige diktiert, wann das Spiel schnell gemacht oder beruhigt werden muss und in dem jeder Angriff von ihm eingeleitet wird. Schon beginnend unter Carlo Ancelotti hatte sich Real zuletzt jedoch zu einem Team entwickelt, das kein Problem damit hatte, dem Gegner die Kugel zu überlassen und auf Umschaltmomente mit den schnellen Vinicius Junior und Kylian Mbappe zu setzen. Maresca über Rodri-Ausfall: "Er muss sich ausruhen und erholen" Ob Rodri deshalb überhaupt zum Real-Trainer und dessen Spielweise passt, ist die eine große Frage. Ob die ins Spiel gebrachten 100 Millionen Euro Ablöse für einen 30-Jährigen nicht zu viel sind, eine andere. In diesem Sommer machte Rodri jedenfalls den Eindruck, als ob er noch einige gute Jahre vor sich hätte und den Preis durchaus rechtfertigt. Und Rodri selbst erweckte trotz seiner Vergangenheit bei Atletico Madrid immer wieder den Eindruck, durchaus für die Königlichen auflaufen zu wollen. "Dass ich bei Atletico gespielt habe, hindert mich nicht daran, bei Real zu spielen. Es gibt weitere Spieler, die diesen Weg gegangen sind", ließ er im Frühjahr vielsagend wissen und löste damit erste Spekulationen über eine Rückkehr des Mittelfeldregisseurs in die spanische Hauptstadt aus. Allerdings folgte in der vergangenen Woche die Nachricht seines Klubs, dass er sich sofort einer Rückenoperation unterziehen müsste – und erstmal auf unbestimmte Zeit ausfällt. "Er wird am Montag operiert. Dann braucht er Urlaub, muss sich ausruhen und erholen. Und dann kommt er wieder zurück zu uns", erklärte City-Coach Maresca. Dass er tatsächlich nach Manchester zurückkommt, ist aber nicht gesagt. Neben Real soll – Rückenoperation hin oder her – auch Paris Saint-Germain laut RMC inzwischen an Rodri dran sein, auch wenn das Mittelfeld der Franzosen mit Vitinha, Fabian Ruiz und Joao Neves exzellent besetzt ist. Die zwei Champions-League-Titel in Folge sprechen Bände. Rodri selbst soll eine Rückkehr nach Spanien nach sieben Jahren in England bevorzugen. Er wäre wohl deutlich leichter von einem Real-Wechsel zu überzeugen als sein Klub, der sich bislang noch querstellt und nicht an einem Deal mitarbeitet. Doch Florentino Perez ist bekannt dafür, dass er finanziell durchaus überzeugend sein kann, wenn er etwas erreichen will. Und schließlich hat er den Real-Fans ein Versprechen gegeben, das er nur zu gerne halten würde.