Frank Beard, ZZ-Top-Schlagzeuger, mit 77 gestorben
Frank Beard, der langjährige Schlagzeuger der texanischen Rocklegenden ZZ Top, ist am Montag gestorben. Er wurde 77 Jahre alt. Bob Merlis, der Bandrepräsentant, bestätigte die Nachricht: Beard sei in einem Hospiz auf seiner Ranch in Richmond, Texas, im Kreise seiner Familie gestorben. Eine genaue Todesursache wurde nicht genannt. ZZ Top gaben außerdem bekannt, ihre für heute Abend (18. August) in Salt Lake City geplante Show sowie den Auftritt am Mittwoch (19. August) in Colorado Springs abzusagen. Die laufende Tour der Band soll dieses Wochenende in Austin fortgesetzt werden. Jahrelange Gesundheitsprobleme Beard hatte im Laufe der Jahre mit mehreren ernsthaften gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. 2002 verpasste er einige Shows nach einer Notfall-Appendektomie, 2025 trat er wegen nicht näher genannter gesundheitlicher Probleme „vorübergehend“ kürzer. Anfang des Monats hatten ZZ Top einen Auftritt in der Hollywood Bowl in Los Angeles kurzfristig abgesagt – mit der Begründung „unüberwindlicher Hindernisse“. Später wurde bekannt, dass Beards Gesundheitszustand der Auslöser war, auch wenn erneut keine Einzelheiten genannt wurden. Beard war zwar kein Gründungsmitglied im strengen Sinne, aber der langjährige und prägende Schlagzeuger von ZZ Top. Er stieß zu Gitarrist und Sänger Billy Gibbons, nachdem ZZ Top ihre Debütsingle „Salt Lick“ (mit Schlagzeuger Dan Mitchell) veröffentlicht hatten, und war dafür verantwortlich, Bassist Dusty Hill in die Band zu holen. So sehr sich die Aura von ZZ Top um Hooks, Riffs und Gesichtsbehaarung drehte – der bartlose Beard war der unverzichtbare Anker der Band. Er war ein Meister des Texas Shuffle, eines millimetergenauen, stetig rollenden Drumgrooves, der ZZ Tops charakteristischen Blues-Rock-Boogie auf Klassikern wie „Tush“ und „La Grange“ zusammenhielt. Acht Stunden am Stück Beards Spiel war präzise und unermüdlich. Im Dokumentarfilm „ZZ Top: That Little Ol‘ Band from Texas“ von 2019 erinnerte er sich an die erste gemeinsame Jam-Session mit Gibbons: „Ich stand total unter Speed“, scherzte Beard, „also hab ich ihn etwa acht Stunden lang spielen lassen, bis ihm die Zunge raushing.“ Gibbons ergänzte: „Es hat keine 30 Minuten gedauert, nicht mal 30 Sekunden – ich wusste sofort, dass Frank Beard genau das Können hatte, das ich suchte. Er spielte mit Feuer. Mit Entschlossenheit.“ Beard wurde am 11. Juni 1949 in der Kleinstadt Frankston, Texas, geboren. Er begann in Schulbands zu spielen und wurde schließlich zu einer festen Größe in der Musikszene von Dallas, wo er Hill kennenlernte. Die beiden spielten in den Sechzigern gemeinsam in mehreren Gruppen, darunter die Warlocks, American Blues und sogar der berüchtigten Fake-Version der Zombies, die nach der Auflösung der echten englischen Psychrock-Band auf Tour ging. Von Dallas nach Houston Beards Karriere drohte zu stocken, nachdem er seine Freundin schwängerte; das Paar heiratete, zog das Kind groß und lebte eine Zeit lang bei Beards Eltern. Nach dem Umzug seiner Familie nach Houston wurde Beard jedoch mit Gibbons bekannt gemacht, der damals in einer Gruppe namens The Moving Sidewalks spielte. Beard stieß bald zur Band, holte Hill dazu, und die Gruppe benannte sich in ZZ Top um. Unter der Führung von Manager und Produzent Bill Ham verbrachten ZZ Top ihre frühen Jahre damit, überall zu spielen, wo sich eine Gelegenheit bot. Ihr 1971er Debüt „ZZ Top’s First Album“ schaffte es weder in die Charts noch brachte es nennenswerte Singles hervor, doch die Band erarbeitete sich auf der Straße hartnäckig einen Ruf. Im Gespräch mit dem ROLLING STONE im Jahr 1984 lobte Beard Ham dafür, ZZ Top geschickt als Vorgruppe auf Tourneen mit Headlinern platziert zu haben, die keinen bleibenden Eindruck mehr hinterließen. „Wenn wir als Zweite auf dem Programm standen, hat er uns immer auf eine Tour mit einer Band gebracht, die am Ende war – die kurz vor der Auflösung stand und nur noch eine Geldtour machte“, sagte Beard. „Und wir sind da rausgegangen und haben ihnen einfach den Arsch aufgerissen. Mit Mott the Hoople haben wir das so gemacht, mit Alice Cooper, mit Deep Purple. Die waren fertig und denen war das egal, also haben die Leute sich an uns erinnert.“ Der Durchbruch in den Seventies ZZ Top selbst brachen Mitte der Siebziger durch. Ihr 1974er Album „Tres Hombres“ knackte die Top 10 der „Billboard“-200-Albumcharts, erhielt eine Goldauszeichnung der RIAA und enthielt das unvergessliche „La Grange“. Das 1975er Nachfolgealbum „Fandango!“ lief dank ZZ Tops erster Top-20-Single „Tush“ genauso stark. Trotz dieses aufkeimenden Erfolgs schien die Band die Rockpresse zu verwirren, die sie gerne abtat oder mit anderen Southern-Rock-Bands in einen Topf warf. „Das war wieder dieses Ding: ‚Du musst nach Kalifornien, du musst nach New York’“, sagte Beard im Dokumentarfilm von 2019. „Und wir haben uns geweigert, das zu tun.“ Nach der Veröffentlichung des 1976er Albums „Tejas“ legten ZZ Top eine kurze Pause ein – unter anderem damit Beard nüchtern werden konnte. In „That Little Ol‘ Band from Texas“ räumte Beard ein, einen Großteil des in dieser Zeit verdienten Geldes für Drogen ausgegeben zu haben, vor allem Pillen, Kokain und Heroin. Sucht, Reue, Neuanfang „Das ganze Geld, das ich verprasst habe – das bereue ich“, sagte er. „Ich hab mein originales Ludwig-Set verkauft, um Drogen zu kaufen. Beziehungen, die ich versaut habe… Im Hinterkopf wusste ich, dass ich vom Heroin loskommen musste. Ich musste aufhören mit Kokain. Ich hatte alles durch und konnte nicht weiter.“ ZZ Top kehrten 1979 zurück, unterzeichneten einen neuen Vertrag bei Warner Bros. Records und veröffentlichten ihr sechstes Album „Degüello“. Die LP erreichte Platz 24 der „Billboard“-200 und leitete eine äußerst erfolgreiche Phase ein, in der die Band in den Achtzigern und frühen Neunzigern einen anhaltenden kommerziellen Höhepunkt erlebte. In dieser Zeit veröffentlichten ZZ Top Mehrfach-Platin-Alben wie „Eliminator“ (1983), „Afterburner“ (1985) und „Recycler“ (1990), landeten Top-10-Singles wie „Legs“ und „Sleeping Bag“ und wurden dank unvergesslicher Videos für „Gimme All Your Lovin’“ und „Sharp Dressed Man“ zu MTV-Stammgästen. In den folgenden Jahrzehnten nahmen ZZ Top weiterhin auf und gingen auf Tour. 2004 wurden sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, und 2012 veröffentlichten sie „La Futura“, das sich als letztes Album mit Hill herausstellen sollte, der 2021 starb. Gibbons und Beard tourten ohne Hill weiter, wenngleich Beards Gesundheitsprobleme ihn gelegentlich von der Straße fernhielten. Leben abseits der Bühne Abseits der Musik besaß und bewirtschaftete Beard eine Ranch in Richmond, Texas, und pflegte seine Leidenschaft für Golf und Autorennen. Mit seiner Frau Debbie hatte er Zwillingssöhne; gemeinsam halfen sie auch, Beards Tochter aus einer früheren Beziehung großzuziehen. Über die mehr als 50 Jahre an der Seite seiner ZZ-Top-Bandkollegen sagte Beard in „That Little Ol‘ Band from Texas“: „Ich würde sagen, ich habe die Menschen gefunden, mit denen ich spielen will. Und das durfte ich in sehr jungen Jahren. Ich bin immer noch zufrieden mit ihnen. Ich bin zufrieden mit Dusty und ich bin zufrieden mit Billy.“ Dann scherzte er: „Mit diesen zwei Jungs wollte ich nie aufhören – und ich wollte auch nie gefeuert werden.“