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Frankfurt: Rechtsextremer Sänger Thompson kommt in die Jahrhunderthalle

Unterhaltung

In Kroatien sind Konzerte von Marko Perković Massenveranstaltungen. Wenn der erfolgreichste Sänger des Landes auftritt - meistens unter seinem Künstlernamen Thompson -, dann kommen regelmäßig zehntausende, manchmal sogar hunderttausende Menschen zusammen. Die Frankfurter Jahrhunderthalle fasst indes nur etwa 4.000 Plätze. Die Karten für das geplante Thompson-Konzert am 13. November waren am Donnerstag binnen zwei Stunden ausverkauft. Die kroatische Diaspora in Deutschland hält Perković die Treue - trotz oder vielleicht gerade weil ihm immer wieder Nationalismus und Faschismusverherrlichung vorgeworfen werden. Doch gegen das Konzert regt sich bereits Widerstand. Konzertbeginn mit faschistischer Grußformel "Mit Faschismus macht man keine Geschäfte", ließ die Linke im Frankfurter Römer am Donnerstag per Pressemitteilung verlautbaren. Die Partei fordert die Leitung der Jahrhunderthalle auf, das Konzert abzusagen. "Thompson steht seit Jahren wegen nationalistischer und faschistischer Symbolik bei seinen Auftritten in der Kritik", erklärt Benjamin Aličić. Der Stadtverordnete der Linken verweist unter anderem darauf, dass Thompson seine Konzerte regelmäßig mit dem Lied "Bojna Čavoglave" beginnt, einem Kriegslied, an dessen Anfang er und sein Publikum regelmäßig die Grußformel "Za dom spremni" schmettern - die offizielle Grußformel des mit Nazi-Deutschland verbündeten Ustascha-Regimes. Auftrittsverbote in Österreich und der Schweiz Der Ustascha-Gruß ist derweil beileibe nicht die einzige positive Bezugnahme Thompsons auf ein Regime, in dessen Todeslagern hunderttausende Serben, Roma, Juden und politische Widersacher systematisch ermordet wurden. In einigen seiner Lieder verneigt er sich kaum verhohlen vor der faschistischen Vergangenheit Kroatiens, er paraphrasiert stellenweise auch Ustascha-Lieder. In den 1990ern stand Thompson noch sehr offen zu seinen Überzeugungen. Für kroatische Medien etwa posierte er mit Bildern des Ustascha-Führers Ante Pavelić und eines Ustascha-Generals. Anfang der 2000er veröffentlichten kroatische Medien eine Audio-Aufnahme von einem seiner Konzerte, in dem er ein Loblied auf das Morden im Ustascha-KZ Jasenovac gab. Seinerzeit gab Perković unumwunden zu, das Lied gesungen zu haben. Seit einigen Jahren behauptet er, es handele sich bei der Tonaufnahme um eine Fälschung. Dieser Vorfall erregte auch internationale Aufmerksamkeit und hatte für Thompson Auftrittsverbote unter anderem in der Schweiz und in Österreich zur Folge. Kinderchöre singen seine Lieder - in Deutschland In Deutschland konnte Thompson indes bis vor knapp einem Jahrzehnt noch relativ unbeeinträchtigt auch in städtischen Hallen auftreten. Zuletzt hatte er sich jedoch mit kleineren privaten Veranstaltungsräumen begnügen müssen. In Frankfurt war Thompson zuletzt 2007 aufgetreten. An seinem Superstar-Status in Kroatien ändern derweil alle auch noch so gut belegten Vorwürfe und Skandale nichts. Bei Feiern kroatischer Nationalmannschaften ist er ebenso regelmäßig dabei wie bei Veranstaltungen zum Gedenken an den Unabhängigkeitskrieg der 1990er Jahre. Auch in Deutschland ist seine Popularität in der kroatischen Diaspora ungebrochen. In den sozialen Netzwerken kursieren Videos von Kinderchören, die in kroatischen Gottesdiensten im Rhein-Main-Gebiet Thompsons Lieder singen. Auch kroatische Fußballmannschaften feiern regelmäßig mit der Musik des Rechtsrockers. Jahrhunderthalle sieht keinen Anlass zu handeln "Jemandem, der so eine Ideologie romantisiert und vertritt, darf keine Bühne gegeben werden", findet Daniela Mehler-Würzbach, Fraktionsvorsitzende der Linken im Römer. Das Problem dabei: Die Jahrhunderthalle wird von einer privaten GmbH betrieben - die Kommunalpolitik hat hier nichts mitzureden. "Aber Privateigentum entbindet niemanden von gesellschaftlicher Verantwortung", betont Mehler-Würzbach. Seitens der Jahrhunderthalle GmbH sieht man sich indes nicht in der Pflicht, das Konzert abzusagen. "Selbstverständlich prüfen wir im Vorfeld einer solchen Veranstaltung und auch anschließend, ob das Programm oder die Inhalte im Rahmen des geltenden Rechts stattfinden, also keine verfassungsfeindlichen oder strafrechtlich relevanten Inhalte konkret zu erwarten sind oder sonstige Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung drohen", teilt sie schriftlich auf hessenschau-Anfrage mit. Aktuell lägen dahingehend keine konkreten Erkenntnisse vor. Das verwundert wenig. Weder der Gruß der Ustascha noch deren Symbole sind in Deutschland verboten.

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