Frankfurter DJ Julian Smith macht aus Pilstübchen eine Tanzbar
Gleich vorweg ein Transparenz-Hinweis: Die Autorin des Textes ist befangen. Schließlich geht es um Julian Smith, der Anfang der 2000er-Jahre fast zehn Jahre lang im Frankfurter Club "Unity" als DJ den Sound ihrer Jugend bestimmt hat. Wenn der undurchschaubare Türsteher Jackson einen reingelassen hatte, konnte es losgehen. Während die Menge dichtgedrängt zu R&B- und Hip Hop tanzte, tropfte der Schweiß in dem kleinen Club am Anlagenring von der Decke. Klima-Anlagen gab es keine, geraucht wurde auch. Aber das war allen egal, die dort die unvergesslichsten Abende hatten. Das Unity, Frankfurts bester Club in den Nullerjahren Betreiber waren die Brüder Zeleke, doch Julian Smith hat mit seiner lockeren, mitreißenden Art und seinen Mashup-Sounds zwischen Beyonces "Crazy in Love" und Nirvanas "Smells like Teen Spirit" mit dazu beigetragen, dass das Unity in den Nullerjahren der beste Club der Stadt war. Wie toll ist es also, dass er jetzt aus einem wahrlich uncoolen Ort, dem Keller des Bürgerhauses Bornheim, in dem man früher in der Pilsstube "Pünktchen" kegeln und Schnitzel essen konnte, eine Tanzbar gemacht hat? Die Location, die er auch "Tanzbar" getauft hat, ist jetzt schwarz gestrichen. Smith hat einen roten Samtvorhang aufhängen lassen. Es gibt ein paar schummrige Sitzecken, eine Anlage, eine Bar. Tanzbar für 30- bis 50-Jährige Dreißigjährige bis Mitfünfziger sollen sich angesprochen fühlen, "einfach Erwachsene, die schon wissen, wie ihr Abend laufen soll, und nicht aufgeregt wie aufgescheuchte Hühner sind, weil sie das erste Mal weggehen", sagt Smith. Er will mit ein paar anderen "einfach auflegen, was wir geil finden". Der Frankfurter Kozmik Kat alias Pedo Knopp hat schon aufgelegt, auch C-Rock alias Christian Rindermann soll im Boot sein. Philipp Lauer, der aus dem Umfeld des Robert Johnson kommt, Inspiration geben. Mit seinem Bruder das Travolta und Chinaski bespielt Gespielt wird elektronische Musik. "Aber sexy und feminin. Ich habe keinen Bock auf nur Typen." Im letzten Club habe eine Tätowiererin manchmal zu ihm gesagt: "Boah heute ist wieder hart Pimmelparty hier. Da habe ich keinen Bock drauf", sagt er breit grinsend. Smith kennt sich aus im Frankfurter Nachtleben, und das seit 30 Jahren. Nach dem Unity hat er in der Brönnerstraße mit seinem Bruder den Club "Travolta" geschmissen, wo Disko, R’n’B und Soul gespielt wurde, danach das "Chinaski" in der Nähe vom Opernplatz. Da hat er seine Anteile irgendwann verkauft, und dann kam Corona. Ein totaler Einschnitt. Daydrinking und Trinkhallen beliebt Auch das Ausgehverhalten insgesamt hat sich verändert. Früher habe es gute Musik nur in Clubs gegeben, bestenfalls habe man sich eine CD kaufen können. Doch im Streaming-Zeitalter gebe es dieses Alleinstellungsmerkmal nicht mehr, sagt Smith. Und auch die zweite Säule von Clubs sei weggebrochen, nämlich jemanden kennen zu lernen. "Heute gibt es Dating-Plattformen wie Tinder, wo man schon etwas sicherer sein kann, keinen Korb zu kriegen, wenn schon mal geantwortet wurde." Das nehme viel Angst, glaubt der 51-Jährige. Stattdessen wird heute schon tagsüber getrunken, das sogenannte Day Drinking. Auch Trinkhallen sind attraktiver geworden. Und es kostet weniger Geld, sich hier zu treffen als im Club. "Plötzlich standen alle beim Fein, saßen beim Gudes, standen beim Yok Yok". erinnert sich Smith. Mit der Idee, dass Leute sich vorm Kiosk treffen, seien Coolness und Budget in eins gebracht worden, sagt der DJ. Club-Besucher haben weniger Geld in der Tasche Deswegen hat er sich auch entschieden, keinen Eintritt für seine "Tanzbar" zu nehmen. Die Löhne seien nicht gestiegen, aber alles teurer geworden. Die Leute hätten heute ein Budget fürs Ausgehen: "Die haben 20 oder 30 Euro in der Tasche, und die geben sie aus, ob beim Einlass oder an der Bar. Sollen die Leute lieber ein Getränk mehr trinken", sagt Smith. Er freut sich, dass er jetzt wieder einen eigenen Ort hat, wo die Leute hinkommen und eine gute Zeit haben können. "Ich bin einfach gerne Gastgeber." Kein Wunder, er kennt das noch von seinen Eltern, die in Großkrotzenburg Jahrzehnte lang die Kneipe "Beim schwarzen Willie" hatten. Bleibt nur zu hoffen, dass er aus seiner Idee ernst macht, ab Oktober donnerstags einen Funk- und Soul-Abend zu machen. Ganz in der Tradition des Unity.