Freispruch endet im Tumult
Der Prozess um den von einem Bus überfahrenen Jungen ist mit einem Tumult zu Ende gegangen: Das Amtsgericht Bergedorf sprach den Angeklagten frei – daraufhin verlor die Mutter die Nerven und musste den Saal verlassen. Die Vorsitzende Richterin Jessica Oeser hat gerade den Freispruch für den 71-Jährigen verkündet, da wird es laut: Die Mutter des getöteten neunjährigen Timur, im Prozess Nebenklägerin, geht den Angeklagten und die Staatsanwältin verbal an, wie ein Gerichtssprecher der MOPO schildert. Laut NDR soll sie geschrien haben. Als sie nach draußen begleitet wird, kommt es „zu einer körperlichen Interaktion mit dem Angeklagten“, beschreibt es der Sprecher. Laut NDR habe sie versucht, den Busfahrer anzugehen. Oeser trägt die Begründung des Urteils in Abwesenheit der Mutter vor. Anzeige Der gerade einmal neunjährige Timur war im Februar 2024 an einer Bushaltestelle in Neuallermöhe von dem heute 71-jährigen Busfahrer überfahren und getötet worden. Das Kind war plötzlich auf die Fahrbahn gefallen – warum, ist noch immer unklar. Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann dafür wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er sei zu schnell gefahren und habe das Kind nicht ausreichend beachtet. Der Fahrer hätte zudem ein Warnsignal abgegeben müssen, bevor er in die Haltestelle eingefahren sei. Anzeige Bus-Unfall: Staatsanwaltschaft beantragte Freispruch Im Plädoyer am Mittwoch beantragt die Staatsanwaltschaft dann allerdings einen Freispruch. Die Anklagebehörde sei letztlich der Argumentation eines Sachverständigen gefolgt, sagte ein Gerichtssprecher. Auch die Verteidigung spricht sich für einen Freispruch aus. Die Nebenklage forderte hingegen ein Jahr Haft auf Bewährung. Anzeige Oeser begründete ihr Urteil damit, dass der Fahrer die Kollision auch dann nicht hätte verhindern können, wenn er vorschriftsmäßig 30 statt 34 Kilometer pro Stunde gefahren wäre. Ein Ausweichen sei dem Sachverständigen zufolge mit einem Gelenkbus technisch nicht möglich gewesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.