Freude, Angst, Wut: Wie Hunde die Gefühle von Menschen erkennen
„Menschen sind sehr gut darin, kleine Details im Gesicht wahrzunehmen, und Hunde sind es auch“, sagt der Erstautor der Studie, Raúl Hernández-Pérez, in einer Presseerklärung der Universität Wien. Für ihre Untersuchung brachten die Forschenden neun Border Collies, drei Golden Retrievern, einem Labrador und einem Mischling monatelang bei, sich in einen Kernspintomografen zu quetschen, sich in der Röhre hinzulegen, die Schnauze auf ein Stück Holz zu stützen und dort zehn Minuten regungslos zu verharren – die Tiere durften sich nicht mehr als drei Millimeter bewegen.
Dann zeigten sie den Hunden Bilder von fremden menschlichen Gesichtern, die verschiedene Emotionen ausdrückten, und beobachteten mithilfe des Geräts, welche Regionen im Gehirn der Hunde dabei aktiv waren.
In einem ersten Experiment fanden die Forschenden heraus, dass glückliche Menschengesichter den sogenannten Nucleus caudatus aktivieren, eine Region im Gehirn von Hunden, die auch aktiv ist, wenn die Tiere eine Belohnung bekommen. „Das deutet darauf hin, dass glückliche menschliche Gesichter für Hunde eine emotionale Bedeutung haben könnten“, sagt Laura Cuaya, die ebenfalls an der Studie beteiligt war, in der Presseerklärung. Der Nucleus caudatus leuchte zum Beispiel auch dann auf, wenn ein Hund gestreichelt wird. Möglicherweise ist ein fröhliches menschliches Gesicht für einen Hund also so etwas Ähnliches wie eine Belohnung.
Soziale Fähigkeiten durch Domestizierung
In einem zweiten Experiment zeigten die Forschenden den Hunden glückliche Gesichter, aber auch solche, die Angst, Wut oder Traurigkeit ausdrückten. Am stärksten reagierte das Gehirn der Tiere auf die fröhlichen Gesichter. Außerdem konnten die Forschenden beobachten, dass ängstliche Gesichter andere Hirnregionen aktivieren als wütende oder traurige. Nach Ansicht der Forschenden ist das ein Hinweis darauf, dass Hunde nicht nur positive und negative Gefühle beim Menschen erkennen können, sondern zudem in der Lage sind, genauer zu differenzieren und etwa Angst von Wut oder Traurigkeit zu unterscheiden.