Friedrich Merz: „Hau ab“-Rufe beim Wahlkampf in Sachsen-Anhalt
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Braunsbedra (Sachsen-Anhalt) – Wenn es der Plan der CDU-Strategen im Berliner Konrad-Adenauer-Haus war, Friedrich Merz im Sachsen-Anhalt-Wahlkampf konsequent von potenziell wütenden Bürgern fernzuhalten, dann stand Donnerstagabend um 19 Uhr fest: Das hat nicht geklappt. Eigentlich wollte der 70 Jahre alte Kanzler nach einer Unternehmensvisite im Chemiepark Leuna in kleiner Runde am Geiseltalsee – Deutschlands größtem künstlichen See – mit einer Schar handverlesener CDU‑Vertreter vertraulich über die bevorstehende Wahl reden (CDU in Umfragen um 20 Prozent, AfD bei 40 plus).
Doch in dem idyllischen Naherholungsgebiet, das zu DDR-Zeiten ein dreckiges Tagebau-Restloch war, hatten trotz der Geheimhaltung rund 150 Wähler Wind bekommen vom hohen Besuch aus der Hauptstadt. Sie stellten sich – teils in Deutschlandfahnen gewickelt und mit Bier in der Hand – an der von Scharfschützen bewachten Touristinformation (samt Standesamt) auf, wo Merz mit den Parteifreunden beriet. Die Sache mit den Scharfschützen, so sagen es sachsen-anhaltische CDU-Wahlkämpfer, sei bei Merz -Besuchen in Sachsen-Anhalt wohl „das neue Normal“. Lange vorbei die Zeiten, als ein Helmut Kohl oder eine Angela Merkel auf Marktplätzen ein Bad in der Menge nahmen.
Merz würdigt die Überraschungsgäste – darunter offensichtliche AfD-Fans – bei seiner Ankunft kaum eines Blickes, eilt in den Saal. Eine Frau mit einem Shirt der rechtsextremen Marke „Thor Steinar“ ätzt, es sei klug von Merz , sich hier so bewachen zu lassen. Der Mann neben ihr sagt BILD, er sei extra aus Bremen nach Braunsbedra gezogen, weil es hier „so blau“ sei.
„Das ist zum Fremdschämen“
Aber nicht alle, die am neuen Jachthafen darauf warten, einen Blick auf den Kanzler zu erhaschen, sind parteipolitisch so eindeutig aufgestellt. Einige wollen auch einfach nur mal „Kanzler gucken“. „Ich habe ihn noch nie live gesehen“, sagt eine Frau zu BILD. Eine Touristin hat sich mit Fernglas in Position gebracht.
Doch Merz geht, als er gegen 20.10 Uhr das Gebäude verlässt, dennoch auf Nummer sicher. Ein kurzes Winken, kein Wort, kein Selfie. Der Kanzler, von Absperrband und Bundespolizei abgesichert, steigt in seine Limousine, rauscht gen Berlin. Stimmenfang? Besser nicht. „Hau ab“, „Hau ab“, „Hau ab“, schallt es ihm entgegen. Doch es gibt auch die anderen. „Diese Leute sind zum Fremdschämen“, sagt eine Fahrradfahrerin aus dem Ort zu BILD, die sich an der Seebrücke mit Freunden aus Hamburg treffen wollte – und zufällig mitbekam, wer da ist. „Eigentlich hätte ich gerne mit Herrn Merz am Strand ein Bier getrunken.“ Sie sagt: „Die, die hier brüllen, sind nicht die Mehrheit. Sie sind nur lauter.“