Friedrich Merz: Warum der Kanzler nach der Sachsen-Anhalt-Wahl schwieg
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Berlin – Um 16.20 Uhr fuhr Friedrich Merz (70) mit ernster Miene vor der CDU-Zentrale am Berliner Tiergarten vor und verschwand in seiner Limousine in der Tiefgarage. Die ersten Zahlen der Umfrage-Institute, die auf seinem Handy aufploppten, bedeuteten nichts Gutes. Riesenverluste für die Christdemokraten in Sachsen-Anhalt. Ab 17 Uhr wollte sich der Parteivorsitzende im Adenauer-Haus mit Präsidiumsmitgliedern beraten. Informell, denn die eigentliche Präsidiumssitzung ist für Montag, 9 Uhr, angesetzt. Merz zog sich mit seinen engsten Mitstreitern zurück, man verfolgte die Bekanntgabe der Prognosen.
Doch vor die Kameras trat der Kanzler an diesem Abend nicht mehr. Unüblich ist das in der CDU nicht. Nach Landtagswahlen tritt der Regierungschef in der Regel am Folgetag auf. Aber Merz stand nach BILD-Informationen sogar kurz davor, sich doch schon am Sonntag im TV zu äußern. Er plante das für den Fall, dass die AfD die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht. Dann wäre aus seiner Sicht ein schnelles Wort an die Deutschen notwendig gewesen. Stattdessen sprach er nun mit engsten Mitstreitern, den Landesvorsitzenden und den Chefs der Vereinigungen. Lage sondieren.
Vor die Kameras schickte Merz stattdessen seine Kanzleramtsministerin Nina Warken (47, CDU), die von einem „sehr, sehr schwierigen Ergebnis“ sprach, „das wir akzeptieren, aber nicht hinnehmen werden“.
Damit spielte Warken – sicherlich in Abstimmung mit Merz – auf das an, was ihr Kanzler bereits am Samstag in Hannover als Erkenntnis formuliert hatte. Dass es eine bessere „Erzählung“ für die Bürger brauche, was die CDU mit ihrer Politik erreichen wolle.
Ob das reicht? Der Chef der CDU-Arbeitnehmer, Dennis Radtke (47), warnt bereits: „Mit den üblichen Phrasen von einem bitteren Abend und notwendiger Analyse ist es nicht getan.“ Nach bestätigten BILD-Informationen befand sich Merz bis 22.15 Uhr im Adenauer-Haus. Krisentelefonate für die wichtigen Sitzungen von Präsidium und Bundesvorstand morgen früh.
Dann rauschte er in die Nacht davon.