Frisst KI Einstiegsjobs? So verändert sich der Arbeitsmarkt
Friederike Rochell gehört zu den rund 335.000 Arbeitslosen mit Hochschulabschluss in Deutschland. Die 29-jährige Volkswirtin hat vor ihrem Master zwei Jahre Berufserfahrung gesammelt und seither rund 80 Bewerbungen verschickt; an Behörden, Beratungsunternehmen und Marktforschungsinstitute. Bisher wurde sie zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen. "Es ist frustrierend", sagt Rochell.
Der Berufseinstieg ist schwieriger geworden. Ein Grund ist die schwache Konjunktur. Ein anderer KI. Denn Künstliche Intelligenz übernimmt viele "klassische" Einsteigertätigkeiten: Recherchen, Datenauswertungen oder das Erstellen von Vorlagen und Präsentationen.
Einsteigeraufgaben oft von KI ersetzt
Das bestätigt auch Prof. Anne-Sophie Mayer von der Universität München. Sie untersucht, wie KI die Arbeitswelt verändert und arbeitet dabei eng mit Unternehmen zusammen.
"Gerade in Bereichen, die von KI betroffen sind, also administrativen Bereichen, aber auch kreativen Bereichen, in der Unternehmensberatung, auch im juristischen Bereich", ergänzt Mayer.
Expertin: "KI viel zu kurzfristig gedacht"
Erste Kanzleien werben bereits damit, statt junger Anwälte KI einzusetzen und den Klienten dadurch Kosten zu sparen. Die Vorsitzende des Bayerischen Anwaltvereins, Michaela Landgraf, befürchtet, dass spezialisierte KI für Kanzleien dazu führt, dass weniger junge Juristen eingestellt werden: "Ein erfahrener Anwalt mit digitalen Assistenten leistet heute, wofür früher ein ganzes Team nötig war."
Auch Arbeitsmarktforscherin Mayer warnt vor den Folgen für die Unternehmen: "Ein großes Problem ist, dass KI heute noch viel zu kurzfristig gedacht wird."
Erste Unternehmen erkennen nach Beobachtung von Mayer bereits, dass KI die sogenannte "Talentpipeline" der Berufseinsteiger nicht kappen sollte.
Anforderungen für Berufseinsteiger verändern sich
Wie viele Stellen KI vernichtet, lässt sich noch nicht genau beziffern. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB könnten bis 2040 rund 800.000 Arbeitsplätze verschwinden, gleichzeitig aber ähnlich viele durch Künstliche Intelligenz neu entstehen.
Arbeitsmarktforscher Prof. Enzo Weber vom IAB blickt eher zuversichtlich auf diese Veränderung: "KI übernimmt heute zwar immer mehr Tätigkeiten, die vor Kurzem noch Menschen ausgeübt haben. Aber auf der anderen Seite entstehen auch neue Jobs, neue Investitionen, neue Geschäftsmodelle."
Für Berufseinsteiger bedeutet das vor allem: Die Anforderungen verändern sich. So werden Routinetätigkeiten häufig automatisiert.
Mehr gefragt: "Human Skills" und Verantwortungsübernahme
Dafür werden "human skills" wie analytische Fähigkeiten, der Umgang mit Kunden und Verantwortungsübernahme immer wichtiger. Das sieht auch die Personalchefin des Beratungsunternehmens PwC Petra Raspels so:
Also Ergebnisse kritisch überprüfen und Verantwortung übernehmen. "Früher hat man über wiederholtes Ausüben von Tätigkeiten gelernt - heute haben wir Trainingsprogramme, in denen wir Dinge anders vermitteln und damit auch anders trainieren." Methoden also, mit denen Berufseinsteiger heute schneller in verantwortungsvolle Aufgaben hineinwachsen können.
KI-Skills von Arbeitgebern gesucht
Patricia Schäfer ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Bayern.
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