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Frühe E-Autos: Diese fünf Pioniere sind heute noch interessant

Wirtschaft

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Mit Teslas Roadster und Model S begann der Durchbruch moderner Elektroautos. Parallel dazu brachten Hersteller wie Nissan, BMW, Mercedes, Kia und Opel ihre ersten Großserien-Elektroautos auf den Markt. Heute sind diese Pioniermodelle 10 bis 15 Jahre alt und interessant, weil sie zeigen, wie gut frühe E-Auto-Konzepte gealtert sind, welche ihrer Zeit voraus waren und wie stark sich die Elektromobilität seitdem weiterentwickelt hat.

AUTO BILD hat fünf wichtige Vertreter der ersten E-Auto-Generation noch einmal unter die Lupe genommen. Zeit für ein Wiedersehen mit den Pionieren.

Nissan Leaf I - Der Pionier

Bauzeitraum: 2011 bis 2017

Leistung: 80 kW / 109 PS

Reichweite: je nach Akku ca. 100 bis 120 Kilometer

Preis: ab 5500 Euro

Ladeleistung: 6,6 kW AC / 50 kW DC (CHAdeMO)

Der Leaf war das erste Elektroauto, das in großen Stückzahlen verkauft wurde. Als Nissan den Stromer Ende 2010 auf den Markt brachte, waren Reichweiten um 150 Kilometer und rund 80 PS absolut konkurrenzfähig. AUTO BILD lobte damals den ruhigen Antrieb, den guten Platz im Innenraum und die einfache Bedienung. Für den täglichen Weg zur Arbeit oder den Stadtverkehr reichte das völlig aus.

Genau darin liegt auch heute noch seine Stärke. Wer nur kurze bis mittlere Strecken fährt und zuhause laden kann, kommt mit einem Leaf auch 15 Jahre nach seinem Debüt noch zurecht, auch wenn der Akku nicht mehr die ursprüngliche Kapazität hergibt. Für längere Fahrten wurde der Leaf I allerdings schon als Neuwagen nicht entwickelt. Achtung beim Kauf: In seltenen Fällen wird der Leaf noch mit Miet-Akku angeboten.

Das nervt am Leaf I: Der wichtigste Punkt ist die Batterie. Anders als viele spätere Elektroautos besitzt der Leaf keine aktive Akku-Kühlung. Deshalb haben viele Fahrzeuge über die Jahre spürbar an Kapazität verloren. Das Problem erkennt man auch beim Blick auf die wenigen Gebrauchtwagenangebote. Die dort ausgewiesenen Akku-Zertifikate weisen in besseren Fällen Werte um 80 Prozent Restkapazität auf, bei einigen sind es nur noch gut 60 Prozent. Hier ist die ursprüngliche Reichweite drastisch eingeschränkt.

Vor dem Kauf sollte man den Akku-Zustand also unbedingt testen und schauen, wie weit es das jeweilige Exemplar tatsächlich noch mit einer Ladung schafft. Ein weiterer Nachteil ist der CHAdeMO-Schnellladeanschluss, der unterwegs an öffentlichen Ladesäulen viel seltener geworden ist.

Opel Ampera-E - Der Reichweiten-König

Bauzeitraum: 2017 bis 2020

Leistung: 150 kW / 204 PS

Reichweite: ca. 320 bis 380 Kilometer

Preis: ab 17.500 Euro

Ladeleistung: 7,4 kW AC / 50 kW DC (CCS)

Während viele frühe Elektroautos vor allem für die Stadt oder kurze Pendelstrecken gedacht waren, spielte der Ampera-E in einer anderen Liga. Seine 60-kWh-Batterie ermöglichte bereits 2017 Reichweiten, die viele Konkurrenten erst Jahre später erreichten. Im AUTO BILD-Test überzeugte der Opel nicht nur mit seinem kräftigen Antrieb, sondern vor allem mit seiner Alltagstauglichkeit.

Auch heute wirkt das Konzept überraschend modern. Das Platzangebot fällt ordentlich aus, viele Fahrzeuge verfügen über eine umfangreiche Ausstattung mit Leder, Lenkradheizung oder sogar beheizbaren Rücksitzen. Vor allem aber zeigt der Ampera-E, wie weit einige Hersteller der Konkurrenz bereits voraus waren.

Das nervt am Ampera-E: Die Auswahl am Gebrauchtwagenmarkt ist winzig klein, dabei war die Nachfrage an dem Stromer aufgrund der hohen Akku-Kapazität viel größer. Doch Opel verkaufte nur wenige Fahrzeuge, denn es war die Zeit des Verkaufs an den PSA-Konzern. Und der neue Besitzer hatte nur wenig Interesse an der Vermarktung eines GM-Produkts, schließlich basiert der Ampera-E auf dem Chevrolet Bolt.

Außerdem lädt der Ampera-E an Schnellladern deutlich langsamer als moderne Elektroautos. Für dauerhafte Langstrecken-Einsätze ist der Ampera-E also auch trotz seines großen Akkus nichts. Hinzu kommt: Die wenigen Angebote (wir fanden nur ein halbes Dutzend) kosten verdammt viel. Für rund 20.000 Euro gibt es viel jüngere und modernere Stromer.

BMW i3 - Der Visionär

Bauzeitraum: 2013 bis 2022

Leistung: 125/135 kW / 170/184 PS

Reichweite: je nach Akku zwischen 90 und 220 Kilometer

Preis: ab 11.000 Euro

Ladeleistung: 11 kW AC / 50 kW DC (CCS)

Kein anderes Auto dieser Auswahl wirkt auch heute noch so futuristisch wie der BMW i3. Die Münchner spendierten ihrem Elektro-Pionier eine Fahrgastzelle aus Carbon, getragen von einer Aluminiumstruktur, gegenläufig öffnende Türen und einen Innenraum, der auch heute noch modern und angenehm anders wirkt. Hoch war der Preis, groß aber auch die Aufmerksamkeit.

Im Alltag überzeugte der i3 von Anfang an mit seinem niedrigen Gewicht, der direkten Lenkung und einer Agilität, die man von einem Elektroauto damals nicht erwartete. Vor allem in der Stadt spielt er seine Stärken bis heute aus, die One-Pedal-Drive-Funktion macht das Bremspedal oft überflüssig. Der Basis-Akku mit 60 Ah (18,8 kWh Nettokapazität) ist wirklich nur etwas für die Stadt. Dank späterer Akku-Versionen (94 Ah und 120 Ah / 27,2 kWh und 37,9 kWh netto) lassen sich auch etwas längere Strecken ohne Reichweiten-Angst bestreiten.

Das nervt am i3: Die grundsätzlich sehr schmalen Reifen (der i3 wurde konsequent auf Effizienz getrimmt) schränken den Fahrkomfort vor allem auf der Autobahn merklich ein. Die Batterie gilt insgesamt als robust, trotzdem sollte vor dem Kauf unbedingt ihr Gesundheitszustand geprüft werden. Bei älteren Modellen kann es zum Ausfall der Wärmepumpe kommen. Eine Reparatur kann rund 2000 Euro verschlingen.

Dazu ist die Karosserie anfällig bei Unfallschäden. Denn der i3 besteht zu großen Teilen aus Carbon und Aluminium. Das spart Gewicht und schützt vor Rost, macht die Behebung von Unfallschäden aber teurer. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Fahrzeughistorie und auf sachgemäße Reparaturen nach Remplern oder Unfällen.

Wer sich für einen i3 mit Range Extender entscheidet (oft unter den günstigen Angeboten zu finden), sollte außerdem bedenken, dass er sich zusätzlich einen Zweizylinder-Benziner an Bord holt. Der kleine Notstromer kann zwar Reichweitenängste lindern, erhöht aber die technische Komplexität gegenüber einem reinen Elektroauto.

Bei frühen Fahrzeugen ist außerdem die Reichweite das Thema. Die ersten 60-Ah-Versionen waren schon als Neuwagen keine Langstreckenautos. Heute eignen sie sich durch die Degradation meist nur noch für kurze Strecken. Deutlich begehrter (und teurer) sind deshalb die späteren 94- und vor allem 120-Ah-Modelle.

Kia Soul EV - Der Unterschätzte

Bauzeitraum: 2014 bis 2019

Leistung: 81 kW / 110 PS

Reichweite: 130 bis 180 Kilometer

Preis: ab 8000 Euro

Ladeleistung: 6,6 kW AC / 50 kW DC (CHAdeMO)

Als Kia 2014 den Soul EV vorstellte, wirkte er wie ein Exot unter den frühen Elektroautos. Während BMW beim i3 mit Carbon und Zukunftsdesign auffiel und Nissan den Massenmarkt erobern wollte, setzte Kia auf ein schlichtes Rezept: viel Platz, hohe Sitzposition und eine unkomplizierte Bedienung.

Und tatsächlich bietet der Soul dank seiner kastigen Karosserie erstaunlich viel Raum auf vergleichsweise kleiner Grundfläche. Schon im Fahrbericht lobte AUTO BILD das entspannte Fahrgefühl, den flotten E-Antrieb und den ordentlichen Federungskomfort. Als Zweit- oder Stadtauto kann der Elektro-Kia auch heute noch herhalten.

Einer seiner Vorteile gegenüber anderen frühen Stromern: keine Experimente mit komplizierter Technik, Bauweise oder Bedienung. Dadurch wirkt er heute zwar unspektakulär, aber auch unkompliziert und zeitlos.

Das nervt am Soul EV: Die Antriebstechnik gilt als haltbar, doch Alter und Einsatz hinterlassen Spuren. Der Soul war kein Vorzeige-Stromer, sondern einfach die elektrische Variante eines Mini-Vans, der rücksichtslose Familien-Einsätze und stressige Alltags-Situationen überstehen sollte. Besitzer berichten außerdem über defekte 12-Volt-Batterien, Probleme mit der Klimaanlage und teilweise auch von Ausfällen der Ladeelektronik.

Verschlissene Fahrwerksteile und festgegammelte Bremsen kommen ebenfalls vor. Deshalb nicht nur den Akku prüfen, sondern auch Fahrwerk, Bremsen und Ladefunktion vor dem Kauf testen.

Ein weiterer Nachteil ist das hohe Geräuschniveau bei schnellerer Fahrt. Der kantige Kia fühlt sich bei Tempo 120 noch wohl, wirkt darüber aber weit weniger souverän als moderne Elektroautos. Neben dem sehr knappen Gebrauchtwagenangebot kommt die dünne Ersatzteil- und Erfahrungsbasis. Während sich bei Leaf oder i3 eine Fangemeinde und Gebrauchtwagenwissen angesammelt haben, ist der Soul EV ein Außenseiter geblieben.

Mercedes B 250 Electric Drive – Der Tesla-Mercedes

Bauzeitraum: 2014 bis 2017

Leistung: 132 kW / 180 PS

Reichweite: 120 bis 160 Kilometer

Preis: ab 10.000 Euro

Ladeleistung: 11 kW AC / –

Während BMW mit dem futuristischen i3 Schlagzeilen machte und Nissan den Massenmarkt erobern wollte, strickte Mercedes seinen die bewährte B-Klasse (W246) mit Hilfe von Tesla-Technik zum Stromer um. Das Ergebnis war eines der wohl unauffälligsten Elektroautos der 2010er Jahre. Heute haben viele vergessen, dass es dieses kleine Serien-Experiment von Mercedes überhaupt gab.

Viele bewährte Aspekte der bei älteren Semestern beliebten B-Klasse machen kommen allerdings auch dem Electric Drive zu Gute. Etwa die angenehme Sitzposition, viel Platz und das sehr ausgewogene Fahrverhalten. Wer ein Elektroauto ohne Experimentiercharakter sucht, findet hier ein überzeugendes Gesamtpaket. 180 PS wirken auch heute noch ambitioniert, die Verarbeitung dem Mercedes-Niveau.

Das nervt am B Electric Drive: Der B 250 Electric Drive wurde nur in sehr kleinen Stückzahlen verkauft und ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt eine absolute Ausnahmeerscheinung.

Vor dem Kauf sollte unbedingt geprüft werden, ob Rückrufe und Software-Aktionen erledigt wurden. Außerdem lohnt ein Blick auf die Ladehardware. Teile des Elektroantriebs kommen von Tesla (der Motor stammt von der vorderen Antriebseinheit des Tesla Model S Dual Motor) und sind viel seltener als klassische Mercedes-Technik.

Hinzu kommt das hohe Gewicht. Der B 250 Electric Drive fährt komfortabel, wirkt aber weit weniger handlich und effizient als beispielsweise ein BMW i3. Auch die Reichweite war bereits als Neuwagen eher mittelmäßig als spektakulär. Besitzer freuen sich zwar, dass ihr Elektro-Benz ein Exot geblieben ist, beschweren sich zum Teil aber über die Ersatzteilversorgung und wenige spezialisierte Werkstätten. Und aufgrund der fehlenden Schnellladefunktion ist beim „Tanken“ stets Geduld gefragt.

Fazit

Wer heute einen Elektro-Pionier sucht, landet am ehesten beim BMW i3. Er ist vergleichsweise gut verfügbar, technisch faszinierend und hat sich als überraschend haltbar erwiesen. Die übrigen vier Kandidaten sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt dagegen extrem selten.

Bei Nissan Leaf und Kia Soul EV locken oft niedrige Preise. Die können aber täuschen: Gerade bei frühen Exemplaren sollte der Zustand der Batterie genau geprüft werden. Sonst wird das vermeintliche Schnäppchen doch noch zum teuren Fehlkauf.

Mercedes B 250 e und Opel Ampera-e sind dagegen noch exotischer. Es würde uns nicht wundern, wenn sie eines Tages als gesuchte Elektro-Klassiker gelten. Darauf zu spekulieren, bleibt allerdings jedem selbst überlassen.

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