Früherer Cambridge-Professor: Andy Burnham nennt Tod von Cambridge-Professor Arday "Tragödie"
Der Tod des früheren Cambridge-Professors Jason Arday hat in Großbritannien Bestürzung ausgelöst. Der 41-Jährige war am Freitag leblos im Südwesten Londons aufgefunden worden. Premierminister Andy Burnham sprach bei einem Besuch in Cornwall von einer »Tragödie auf so vielen Ebenen, vor allem aber für alle, die Jason kannten«. Jetzt sei nicht die Zeit für »voreilige Urteile«. »Es ist ein Moment der Reflexion«, sagte er. »Wir alle denken heute an Jason, sein Wirken und an seine Familie und seine Freunde.« Bildungsministerin Lucy Powell nannte die Nachricht auf X »schockierend«. Arday war vergangene Woche von seiner Professur für Bildungssoziologie zurückgetreten, nachdem zahlreiche Medien ausführlich über Plagiatsvorwürfe berichtet hatten. Die Vorwürfe bezogen sich auf seine Doktorarbeit an der Liverpool John Moores University sowie auf weitere wissenschaftliche Veröffentlichungen. Eine frühere Untersuchung der Hochschule in Liverpool hatte kein wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt. Arday selbst wies die Vorwürfe zurück. Angehörige kritisieren »anhaltende Hetzkampagne« In seinem Rücktrittsschreiben nannte er den Schritt den »einzigen Weg, dieses Kapitel zu beenden«. Der Rücktritt solle nicht als »Zustimmung zu den Darstellungen verstanden werden«. »Kritik ist zwar ein unvermeidlicher Bestandteil des akademischen Lebens, doch was ich erlebt habe, geht weit über wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten hinaus.« Angehörige sprachen nach Bekanntwerden des Todes von einer »anhaltenden Hetzkampagne« und einer »Kampagne der Falschinformationen«, denen Arday ausgesetzt gewesen sei. Arday sei ein »sanftmütiger Mann« gewesen, der »immer das Beste in jedem sehen wollte«, heißt es in einem Statement, das Ardays Verlag Simon & Schuster UK verbreitete. Arday war 2023 im Alter von 37 Jahren zum jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Universität Cambridge geworden. Seine Ernennung wurde als progressiver Meilenstein gefeiert. Er wuchs in einfachen Verhältnissen in London auf und wurde nach eigenen Angaben als Kind mit einer Form von Autismus diagnostiziert. Nach Darstellung der Universität Cambridge war er im Bereich der Soziologie an mehreren Hochschulen tätig. Neben den Plagiatsvorwürfen wurden zuletzt Teile seiner Lebensgeschichte angezweifelt, darunter Angaben zu Millionenspenden für wohltätige Zwecke und zu sportlichen Leistungen. Cambridge-Leiterin spricht von Ausnahmefall Durch den Fall geriet auch die Universität Cambridge stark in die Kritik. Leiterin Deborah Prentice teilte mit, die Untersuchung werde »unabhängig durch hochrangige Wissenschaftler aus Cambridge und von außerhalb« durchgeführt. »Ich weiß, dass es im Zusammenhang mit diesem belastenden und schwierigen Fall Wut und Besorgnis gibt«, sagte sie. Nach Ardays Tod sprach sie von einer »unglaublich schweren Zeit«. Prentice bezeichnete den Fall als Ausnahme und betonte, er solle nicht dazu genutzt werden, die Legitimität der wissenschaftlichen Arbeit nicht weißer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter infrage zu stellen. Eine Professorin der Universität Cambridge nannte den Fall ein »Geschenk« für alle, die gegen Vielfalt an Hochschulen vorgingen.