Frühgeburt: Hitzewellen erhöhen das Risiko laut Studie um bis zu 45 Prozent
Extreme Temperaturen wie in den letzten Wochen machen etwas mit uns, ganz egal, ob wir Hitze lieben oder nicht. Besonders herausfordernd ist es für Ältere, aber auch für Schwangere. Bei ihnen steigt das Risiko für vorzeitige Wehen und damit für eine Frühgeburt. Das zeigt eine internationale Studie. Hat man davon nicht schon einmal gehört? Neu ist der Zusammenhang tatsächlich nicht, doch frühere Studien zu dem Thema beschränkten sich auf eine Stadt oder ein einzelnes Land, erklären die Forschenden um Coral Salvador von der Uni Bern und der spanischen Universität Vigo in The Conversation. Zudem seien in der Vergangenheit immer wieder unterschiedliche Methoden zum Einsatz gekommen, was zu schwer vergleichbaren Ergebnissen führte. Für die neue Untersuchung haben die Forschenden 36,6 Millionen Geburten in 13 Ländern ausgewertet. Die entsprechenden Babys kamen zwischen 1979 und 2019 in Australien, Brasilien, Kanada, Chile, Ecuador, Estland, Israel, Italien, Japan, Paraguay, Spanien, Schweiz und den USA zur Welt. 855 zusätzliche Frühgeburten pro eine Million Geburten Die Ergebnisse seien eindeutig, so das Team: «Das Risiko einer Frühgeburt steigt linear mit zunehmender Temperatur.» An Tagen mit mäßiger Hitze erhöhe sich dieses Risiko um 2,8 Prozent. An Tagen mit extremer Hitze erreiche der Anstieg 3,8 Prozent. «Wir schätzen, dass 1,41 Prozent aller Frühgeburten im Sommer auf Hitze zurückzuführen sind. Absolut gesehen entspricht dies 855 zusätzlichen Frühgeburten pro eine Million Geburten.» Dieser Einfluss sei größer als der des Rauchens während der Schwangerschaft. «Es ist vergleichbar mit dem von Malaria.» Anstieg nicht überall gleich hoch Wie das Team um Salvador schreibt, gibt es «aufschlussreiche Unterschiede» zwischen den Ländern: So weist Paraguay mit 1347 Frühgeburten pro eine Million Einwohner die höchste Rate auf, die Schweiz mit 628 die niedrigste. Spanien liegt mit 1080 Frühgeburten pro Million Einwohner im oberen Mittelfeld. «Diese Variabilität deutet darauf hin, dass Klima, sozioökonomischer Entwicklungsstand und die Anpassungsfähigkeit der einzelnen Länder die Gefährdung schwangerer Frauen maßgeblich beeinflussen», halten die Forschenden fest. Sie bezeichnen die neuen Erkenntnisse angesichts des Klimawandels als «besonders besorgniserregend». Etwas differenzierter sieht es Manon Vouga, leitende Ärztin im Kreissaal des Unispitals Lausanne, kurz CHUV. Dort kommen jährlich etwa 10 Prozent der 3200 bis 3500 Geburten vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Gegenüber 20 Minutes nannte Vouga den gemessenen Effekt «statistisch signifikant, aber klinisch nicht relevant». Die Studie decke vor allem eine Ungleichheit im Hinblick auf das Risiko einer Frühgeburt auf: Sozial benachteiligte Frauen scheinen demnach stärker betroffen zu sein. Laut den Autorinnen und Autoren der aktuellen Studie überschneiden sich soziale und klimabedingte Ungleichheit.