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Frust über Strompreise: Norddeutschland will raus aus dem Bund und zu Skandinavien

Technologie

Hamburg und Schleswig-Holstein fordern eine gemeinsame Strompreiszone Nord zusammen mit Skandinavien. „Das wäre marktgerechter und würde Synergien entwickeln im Sinne der Energiewende“, sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Dienstag nach einer gemeinsamen Kabinettssitzung der beiden Länder im Hamburger Rathaus.

Er wisse, dass andere Bundesländer vor allem aus dem Süden dort für sich eher Nachteile sähen. Er verwies aber auch auf die Europäische Kommission, die ebenfalls auf Wettbewerb setze.

Fusion mit Westdänemark?

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein hatte zuletzt eine gemeinsame Stromzone für Schleswig-Holstein und Hamburg mit Westdänemark vorgeschlagen. Das Modell bietet nach Ansicht der IHK günstige Voraussetzungen zur wirtschaftlichen Produktion und Vermarktung regional erzeugten Stroms, der stärker vor Ort genutzt würde.

Kleines Kraftwerk

Das Problem: Der deutsche Strompreis ist zwar einheitlich, Erzeugung und Verbrauch unterscheiden sich regional jedoch stark. Im Norden wird oft mehr Windstrom produziert, als unmittelbar benötigt wird – durch den verschleppten Netzausbau kann jedoch nur ein Teil der überschüssigen Energie in den Süden transportiert werden.

Phantomstrom im Süden

Das sorgt oft für Fehlanreize im System: Batteriespeicher im Süden beginnen etwa, Strom einzuspeichern, wenn der Norden viel Strom erzeugt – obwohl die schwache Leitungs-Infrastruktur diese Mengen nur schwer transportieren kann. Teure Gaskraftwerke müssen dann eigens im Süden hochfahren, um den angeforderten Strom stattdessen zu erzeugen. Im Norden hingegen müssen Windräder abgeschaltet werden, weil die Netze verstopft sind. Auch im Ausland sorgt die einheitliche deutsche Preiszone bisweilen für Unmut, weil sie den Import von Strom aus Norddeutschland teurer macht.

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Ökonomen und Energieexperten fordern daher schon lange die Einführung unterschiedlicher Strompreiszonen in Deutschland. Der Verband europäischer Netzbetreiber empfahl ebenfalls im Mai letzten Jahres, die Bundesrepublik in insgesamt fünf Strompreiszonen aufzuteilen.

Widerstand aus Bayern

Bei der Bundesregierung in Berlin dürfte der Vorschlag hingegen nicht auf Gegenliebe stoßen: Union und SPD haben die einheitliche deutsche Strompreiszone im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Denn die süddeutschen Länder, die vom Status Quo profitieren, lehnen eine Reform naturgemäß ab. „Wir werden uns weiter klar gegen mehrere Strompreiszonen zur Wehr setzen und das auch gegen etwaige Bedenken der EU-Kommission aus Brüssel durchsetzen“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) letztes Jahr dem Münchner „Merkur“.

Möglich aber, dass das letzte Wort aus Brüssel kommt. Die EU könnte eine Neuordnung der deutschen Stromgebotszone auch gegen den Willen Berlins durchsetzen. Im europäischen Gebotszonen-Verfahren wurden mehrere Varianten einer Aufteilung Deutschlands untersucht – darunter eine Teilung in fünf Zonen, die bei der wirtschaftlichen Effizienz besonders gut abschnitt.

„Setzen nicht auf Marktwirtschaft“

Deutschland hat sich inzwischen jedoch ausdrücklich für den Erhalt der einheitlichen deutsch-luxemburgischen Gebotszone entschieden und der EU-Kommission dafür einen Aktionsplan vorgelegt. Der Prüfprozess läuft noch. Kommt zwischen den beteiligten Staaten keine Einigung zustande, kann die EU-Kommission nach Beratung mit der europäischen Energieregulierungsbehörde ACER eine Entscheidung treffen.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte: „Wir sind in Deutschland eines der wenigen Länder, die nicht auf Marktwirtschaft in den Bereichen setzen, und das wird ein zunehmendes Ärgernis auch von europäischer Ebene.“ Er verwies auf die skandinavischen Länder, die es nicht witzig fänden, dass ganz Deutschland einen einheitlichen Strompreis habe.

Höhere Kosten auch für Skandinavien

Über Nordlink gebe es Netzverknüpfungspunkte nach Skandinavien. Wenn der Strom aus dem Norden komme, sei das für die kein Problem. „Aber wenn der Strom aus dem Süden kommt, haben die plötzlich mit erheblich höheren Kosten zu tun, weil wir eine einheitliche Stromzone bei uns in Deutschland haben“, sagte Günther.

Aus Günthers Sicht brächte eine Strompreiszone Nord auch deutliche Akzeptanzvorteile. Bislang wollten viele keinen zusätzlichen Windpark vor der Haustür haben. „Aber wenn man natürlich wüsste, dass eine solche Windkraftanlage nachher dazu führt, dass ich weniger für den Strom bezahle und nicht teilweise mehr, so wie es im Moment der Fall ist, hätte das noch mal einen ganz anderen Run auch für erneuerbare Energien.“

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