Fuhr er unter Anleitung?: Ermittler werten offenbar zweites Handy des CSD
Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD haben Ermittler offenbar ein zweites Mobiltelefon des Attentäters Abdul Ballout sichergestellt. Das Gerät sei nicht identisch mit dem Handy, das das Berliner Landeskriminalamt (LKA) seit Ballouts Haftentlassung im Mai überwacht hatte, berichtet „Welt“. Es sei im Tatfahrzeug gefunden worden und werde derzeit vom Bundeskriminalamt (BKA) ausgewertet. Das BKA und die Bundesanwaltschaft waren am Montagabend auf Tagesspiegel-Anfrage nicht für eine Bestätigung erreichbar. Dem Bericht zufolge gilt das Mobiltelefon den Ermittlern als möglicher „Missing Link“. Es könnte Aufschluss darüber geben, ob Ballout bei der Planung des Anschlags mit weiteren Personen in Kontakt stand. Wusste Ballout, dass er observiert wird? Neben der Auswertung möglicher Kommunikationsspuren beschäftigen sich die Ermittler auch mit Ballouts Verhalten vor dem Anschlag. Nach einem Bericht von „Bild“ könnte er die Überwachung durch Sicherheitsbehörden gezielt getestet haben. Demnach trat er am 2. Juli vor seine Wohnung und trug eine täuschend echt aussehende Schusswaffe im Hosenbund. Die Szene sei von einer gegenüber installierten Überwachungskamera aufgezeichnet worden. Einen Tag später habe die Polizei seine Wohnung durchsucht und dort eine Spielzeugwaffe gefunden. Ballout habe dadurch möglicherweise erkannt, dass er beobachtet wurde. „Bild“ berichtet zudem, dass das LKA Berlin für die Überwachung des als Gefährder eingestuften Mannes die Sondergruppe „Seegans“ eingerichtet habe. Über Wochen habe sich Ballout nach außen unauffällig verhalten. Ermittler hätten ihn unter anderem beim Einkaufen beobachtet. Häufig habe er seine Wohnung tagelang nicht verlassen. Später habe er sein Verhalten verändert und offenbar versucht herauszufinden, ob er observiert wird. Auch bei seiner Kommunikation soll Ballout laut „Bild“ vorsichtig vorgegangen sein. Unter der überwachten Rufnummer seien lediglich belanglose Gespräche und Gebete mitgehört worden. Auch der Einsatz eines sogenannten IMSI-Catchers habe keine entscheidenden Erkenntnisse geliefert. IMSI-Catcher simulieren einen Mobilfunkmast, um Handys in der Nähe anzulocken, ihre eindeutige Kennnummer (IMSI) auszulesen und ihren Standort zu bestimmen. Bewegungsdaten deuten auf mögliche Anleitung hin Die Bewegungsdaten des weißen Kleinbusses, den Ballout für den Anschlag nutzte, deuten laut „Welt“ darauf hin, dass der Attentäter Anweisungen erhalten haben könnte. Demnach fuhr der 21-Jährige nicht auf direktem Weg zum Tiergarten, sondern legte einen Zickzackkurs mit mehreren Stopps und erneuten Beschleunigungsphasen zurück. Ballout hatte am 25. Juli am Rande des CSD im Tiergarten mit einem weißen Kleinbus mehrere Menschen angefahren und weitere vermutlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau aus Polen starb, 31 Menschen wurden verletzt. Der zunächst flüchtige 21-Jährige wurde einen Tag später von Polizisten gestellt und erschossen, als er sie nach Polizeiangaben angriff. Der Attentäter war den Sicherheitsbehörden bereits vor der Tat als sogenannter Gefährder bekannt. Am 12. Mai hatte ihn ein Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten unter anderem wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe von 22 Monaten verurteilt.