Für Mensch und Tier: Naturschutz anders vermitteln
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Für Mensch und Tier: Naturschutz anders vermitteln
Von: Frauke Fischer
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Wir müssen uns mehr an das Herz als an das Hirn der Menschen wenden.
Es gibt Menschen, die lieben Zahlen, Daten, Fakten. Sie lieben Statistiken, studieren wissenschaftliche Grafiken und fuchsen sich in komplexe Sachverhalte rein. Diese Menschen sind aber selten. Wenn wir die Botschaft „Der Schutz und die Wiederherstellung der Natur ist für uns alle überlebenswichtig“ unter die Leute bringen wollen, müssen wir uns mehr an das Herz als an das Hirn der Menschen wenden.
Grundsätzlich hat es unser Gehirn nicht so doll mit Fakten, auch wenn wir glauben, ziemlich rational zu handeln. Menschen neigen dazu, assoziative Verbindungen zwischen Ereignissen herzustellen, die gar nichts miteinander zu tun haben (etwa die Rückkehr der Störche mit der Geburt von Kindern); sie lassen sich leicht dazu verleiten, neue Informationen ohne Beweise zu akzeptieren oder zurückzuweisen, je nachdem, ob sie zu ihrer bestehenden Meinung passen, und sie suchen überhaupt immer nach den Informationen, die mit ihren derzeitigen Überzeugungen übereinstimmen. Im Zeitalter von auf Algorithmen basierender Informationsbereitstellung ist das ein riesiges Problem, weil Menschen, die sich im Netz informieren, nur noch Informationen bekommen, die sie in ihren (möglicherweise falschen) Überzeugungen weiter bestärken.
Je komplexer und belastender Informationen für uns sind, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie in Bereichen des Gehirns, die mit Emotionen wie Angst in Verbindung stehen, verarbeitet werden und nicht in den Gehirnbereichen, die mit rationalem Denken und Abwägungen assoziiert sind. Um ein Risiko gut einschätzen zu können, zum Beispiel den Verlust von Biodiversität, müssten wir große Informationsmengen eigentlich nicht nur aufnehmen, sondern auch noch verarbeiten.
Weil große Informationsmengen und komplexe Informationen aber kognitiv belastend sind, treffen Menschen Entscheidungen eher aus dem Bauch heraus, nehmen unbewusste mentale Abkürzungen und verlassen sich lieber auf ihre Intuition als auf harte Fakten. Im Zuge unserer Evolution haben wir uns so zu Meistern des Selbstbetrugs entwickelt. Wir passen unsere Wahrnehmung lieber an unsere Gedankenwelt an als unser Denken an die reale Welt. Und so verwundert es nicht, dass Verkehrssünder, die sich krasser Geschwindigkeitsüberschreitungen schuldig gemacht haben, der staunenden Polizei entgegenschleudern: „Alle sind doch so gefahren.“
Menschen tun sich auch schwer damit, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten zu verstehen, und neigen eher dazu, aus einzelnen Geschichten oder Fällen Verallgemeinerungen abzuleiten, als sich auf eine evidenzbasierte Studie zu stützen, die die statistische Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ereignisses vorhersagt. Würde unser Gehirn anders funktionieren, wären alle Lottogesellschaften längst pleite. Damit versetzt der Glaube Berge, auch Datenberge, die dann niemand mehr glaubt, egal wie klar der Forschungsstand da ist.
Müssen wir uns damit abfinden und die Wissenschaftskommunikation am besten gleich ganz einstellen? Natürlich nicht! Wer wissenschaftliche Erkenntnisse vermitteln möchte, muss aber anders kommunizieren. Der Wurm muss eben dem Fisch und nicht dem Angler schmecken.