Gabriel Kelly: "'Die Verräter' war für mich die Grenze"
Gabriel Kelly hat nach "Die Verräter" genug von Reality-TV. Beruflich will er hauptsächlich bei seiner Musik bleiben – auch wenn er kürzlich einen herben Rückschlag einstecken und Konzerte absagen musste. Der 25-Jährige zieht daraus seine ganz eigenen Konsequenzen. Ein Interview von Anika Richter Nach "Die Verräter" steht für Gabriel Kelly fest: Reality-TV will er nicht mehr machen. Die RTL-Show sei seine persönliche Grenze gewesen, verriet der 25-Jährige im Interview mit unserer Redaktion während der Kino-Premiere der neuen "Verräter"-Staffel in Köln. Wenn Fernsehen, dann künftig nur noch in musikalischen Formaten. Nach wie vor soll die Musik sein beruflicher Schwerpunkt bleiben – auch wenn es dort zuletzt Rückschläge gab. Vor rund vier Wochen musste er seine für September 2026 geplante Tournee absagen, weil zu wenig Tickets verkauft wurden. Im Interview spricht Kelly offen über dieses Dilemma und den wirtschaftlichen Druck auf kleinere Künstler – wie ihn – und ein Publikum, das sich Konzertbesuche immer weniger leisten kann. Gabriel Kelly, was war für dich anstrengender: "Let’s Dance" oder "Die Verräter"? Gabriel Kelly: "Die Verräter". Auf jeden Fall. Da geht der Kopf an und nicht mehr aus. Du bist da wie in einem Film. Bei "Let’s Dance" kommt natürlich auch irgendwann die mentale Schwierigkeit. Aber es ist viel, viel körperlicher. Und man hat ja auch einen Partner, mit dem man die ganze Reise durchgeht. Bei "Die Verräter" weißt du nicht, mit wem du die Reise gehst und ob dein Verbündeter nicht auf einmal ein Verräter ist. Fällt es dir schwer zu lügen? Im Spiel selbst, zum Beispiel bei "Werwolf" oder "Siedler von Catan", da kann ich lügen. Und da kann ich auch hart durchgreifen. Aber im echten Leben kann ich nicht lange lügen. Irgendwann frisst mich mein Gewissen auf und dann muss ich es beichten. Ich bin ein schlechter Lügner. Was war bei "Die Verräter" deine Strategie? Meine Strategie war es, erstmal unauffällig zu bleiben und möglichst viele Informationen zu sammeln. Das heißt: nicht Verbündete suchen, keine Feinde machen, bei niemandem auf dem Kicker sein. Erstmal neutral bleiben. Und dann, zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort mit den nötigen Informationen die Verräter angreifen. Bei welcher Kandidatin, welchem Kandidaten hattest du am meisten Sorge, dass sie oder er dir gefährlich werden könnte? Schwierig. Meine Strategie war nämlich nicht, zu gucken, wer die Verräter sind oder mein Feind sein könnte, sondern die Verbündeten: Wem kann ich vertrauen? Gabriel Kelly: "Meine Familie war eine gute Vorbereitung für 'Die Verräter'" Vertrauen und Zusammenhalt sind zwei wichtige Elemente in einer Familie. Du kommst aus einer sehr großen. Welche Bedeutung hat sie in deinem Leben? Meine Familie hat mich zu einhundert Prozent geprägt, ansonsten wäre ich heute nicht hier. Meine Familie war eine gute Vorbereitung für "Die Verräter": Du wirst in ein Schloss mit 17 anderen Personen gesteckt. Da ist ein riesiges Kuddelmuddel, ganz viele starke und verrückte Persönlichkeiten. Das kenne ich ja schon: Ich habe mit meiner Familie auf Tourneen in einem Wohnmobil, auf engsten Räumen, gelebt. Da muss man einfach gucken, dass man miteinander klarkommt, für Harmonie sorgt, niemanden vernachlässigt. Vor etwa vier Wochen wurde bekannt, dass deine Auftritte abgesagt wurden. Du bist nicht der einzige Musiker, dem es so ergeht. Worin siehst du derzeit das größte Problem in der Branche? Es ist viel los in der Musikbranche. Einerseits gibt es viel Konkurrenz: Es kommen viele internationale Künstler nach Deutschland. Und wenn man dann die Auswahl zwischen Bad Bunny, Taylor Swift, Bruno Mars oder Gabriel Kelly hat, dann würde ich auch zu Bad Bunny gehen. Das ist eine Schwierigkeit. Zudem sind wir in einer schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage, wo viele Menschen einfach Angst oder nicht das Geld haben. Wir Musiker sind ein Luxusprodukt. Wir machen Musik für die Seele. Das ist auch total wichtig, aber in erster Linie geht es darum: Ich brauche Essen, ich brauche Trinken, ich muss die Miete zahlen. Alles andere kommt dann hinzu. Wenn du das Geld nicht hast, kann ich nicht erwarten, dass du auf meine Konzerte kommst. Gabriel Kelly über seine Ticketpreise: "Das Niedrigste, was geht" Teils kosten Konzert-Tickets an die 200 Euro ... Bei mir lagen die Ticketpreise bei 39 Euro. Also man kann sich fünf Tickets bei mir kaufen oder ein BTS-Ticket (lacht). Ich gucke, dass ich das Niedrigste mache, was geht – aber es trotzdem ausreicht, um meine Musiker, Techniker und alles, was dranhängt, zu bezahlen. Auf der anderen Seite spiele ich auch schon auf Festivals, wohin Leute umsonst kommen können. Das will ich in Zukunft auch mehr machen, weil ich merke, dass sich das viele Menschen einfach nicht leisten können. Aber natürlich will ich auch auf Tour gehen, wo man zumindest die Kosten decken kann. Musik bleibt also dein primäres Standbein. Einhundert Prozent. Bei mir wird Musik der Fokus bleiben. Gabriel Kelly erteilt Reality-TV-Shows eine klare Absage Nach "Let’s Dance" und "Die Verräter": Gibt es noch TV-Shows, an denen du gerne teilnehmen würdest? Musikalische TV-Shows wie "Dein Song", "The Voice" oder andere Tanz-Shows. Oder wenn es in Richtung Musical gehen würde. Alles, was kreativ ist und mit Kunst zu tun hat. Da hätte ich deutlich mehr Lust drauf, als weiter in die Reality-TV-Schiene zu gehen. Das war schön hier [bei "Die Verräter", Anm. d. Red.], aber das war für mich die Grenze. Weiter Reality-TV werde ich nicht machen. Also, ihr werdet mich nicht im Dschungel oder bei "Promi Big Brother" sehen. Versprochen! Also kein Kelly im Dschungel … Empfehlungen der Redaktion Ann-Kathrin Bendixen: "Es heißt immer, vertraue niemanden. Ich sehe das anders" Tatjana Gsell: So mysteriös war der tödliche Überfall auf ihren Mann Das passiert heute in den Soaps Ich kann zwar nicht für meine anderen tausend Familienmitglieder sprechen, aber ich nicht. Über den Gesprächspartner Gabriel Kelly, geboren am 3. Juli 2001, ist ein deutsch-irischer Sänger und der Sohn von Angelo Kelly aus der Kelly Family. Aufgewachsen ist Kelly in Irland, mit 18 Jahren zog er zu seiner Mutter Keira nach Warnemünde an die Ostsee. 2021 war Gabriel Kelly mit seiner Familie bei "Goodbye Deutschland" im Fernsehen zu sehen. 2024 gewann er die 17. Staffel der RTL-Tanzshow "Let's Dance". Zwei Jahre später tritt er als Kandidat in der vierten Staffel "Die Verräter" an. Privat ist er mit Leoni Miller aus der "Miller-Family" liiert.