Galeria-Insolvenz: Karstadt Saarbrücken hat leere Regale und abgesperrte Abteilungen
Auch nach dem neuerlichen Insolvenzantrag der Warenhaus-Kette Galeria geht der Verkauf in allen 83 Filialen weiter – damit auch bei Karstadt in Saarbrücken, das zum Unternehmen gehört. Allerdings müssen Waren da sein, die man kaufen kann. Doch da stoßen Kunden in der saarländischen Landeshauptstadt aktuell auf Probleme.
Denn seit vergangener Woche sind mehrere Verkaufsflächen abgeriegelt. Mit rot-weißem Flatterband halten sie Konsumenten von etlichen Waren fern. Zudem sieht es in der Lebensmittel-Abteilung im Untergeschoss recht trostlos aus: Dort, wo eigentlich Obst und Gemüse in der Markthalle ausgelegt sein sollten, klafft gähnende Leere. Vor einigen Wochen hatte es diese Situation schon einmal gegeben. Damals gab der Betrieb technische Probleme dafür an.
Unter anderem betroffen sind Verkaufsflächen für hochwertige Küchenutensilien wie Kochtöpfe und Messer. Bei Handtüchern und anderen Badeaccessoires zeigt sich ein ähnliches Bild: Großräumig sind Regale abgesperrt – obwohl diese gut gefüllt sind.
Das sah vor einigen Wochen anders aus, als Galeria wegen der sich bereits anbahnenden Finanzmisere den Wareneinkauf zurückfuhr, um Geld zu sparen. Darauf reduzierte sich das Angebot.
Jetzt weisen an einigen Stellen Hinweiszettel darauf hin, dass die Waren hinter der Absperrung zurzeit nicht zu haben sind. Konkret steht auf diesen Din-A4-Zetteln: „Diese Marke steht vorübergehend nicht zum Verkauf. Wir arbeiten daran, diese schnellstmöglich wieder anbieten zu können. Vielen Dank für deine Geduld.“ Weitere Erläuterungen dazu, warum Kunden nicht zugreifen dürfen, gibt es nicht.
Und wenn Vertragspartner besorgt sind, ob sie Geld für ihre Lieferungen bekommen, stoppen sie den weiteren Warenfluss. Bei der rein rechtlich als Galeria-Markthalle selbstständig geführten Lebensmittelabteilung ordnete das Amtsgericht in Düsseldorf am Dienstag, 6. Oktober „Sicherungsmaßnahmen zum Vermögen“ an. Dies dürfte die Leerstände bei Karstadt in Saarbrücken erklären.
Die SZ-Redaktion fragte in der Galeria-Zentrale an, um die Hintergründe aus Sicht der Geschäftsführung zu erfahren. Allerdings gab es keine Antworten. Die Pressestelle teilte schriftlich lediglich mit: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir Ihnen keine weiteren Informationen diesbezüglich geben.“ Wenn konkrete Schritte anstehen, wolle sich das Unternehmen von sich aus äußern.
Nach wochenlangem Hin und Her um Mietstundungen, eingeschränkten Wareneinkauf, Rabattaktionen sowie einem Großkredit über 160 Millionen Euro beantragte Galeria ein Insolvenzverfahren. Nach 2020, 2022 und 2024 ist dies das vierte Mal. Massive Einschnitte waren zuletzt die Folge. Die Sanierungspläne sahen Filialschließungen und Stellenabbau vor. Auch jetzt könnte es etliche Standorte und Jobs kosten.
Noch ist aber unklar, ob die Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten. Denn das Insolvenzverfahren von 2024 ist offiziell noch nicht abgeschlossen, Experten sehen dies als Problem an. Zahlt die Bundesagentur für Arbeit dann überhaupt Insolvenzgeld? Eine Entscheidung darüber wird in Kürze erwartet. Das betrifft dann auch die an die 140 Mitarbeiter bei Karstadt in Saarbrücken. (hau)