Ganderkesee: Polizei riegelt Umspannwerk in Niedersachsen ab
"Verdächtige Umstände"
Polizei riegelt Umspannwerk in Niedersachsen ab
Von t-online, mtt
Aktualisiert am 04.09.2026 - 08:18 UhrLesedauer: 2 Min.
Polizisten rücken zum Großeinsatz aus – schon wieder an einem Umspannwerk. Dieses Mal in Niedersachsen.
Im niedersächsischen Ganderkesee hat die Polizei am Freitagmorgen das Umspannwerk weiträumig abgesperrt. Die Beamten rückten zum Großeinsatz aus. Ein Hubschrauber dreht Berichten zufolge am Morgen Runden über dem Areal.
Zum Grund des Einsatzes hieß es zunächst bloß, es gebe "verdächtige Umstände". Antenne Niedersachsen zitierte eine Polizeisprecherin, es habe eine "Feststellung" gegeben, "die eine polizeiliche Überprüfung nach sich zieht".
Polizei prüft Bekennerschreiben: Sabotage-Versuch an Umspannwerk in NRW
Zuletzt waren mehrere Umspannwerke in Deutschland in kurzer Zeit attackiert worden. In Südbrandenburg schossen unbekannte Saboteure am Dienstagmorgen selbstgebaute Flugkörper nahe dem Kraftwerk Jänschwalde ab. Die mit leitfähigem Material ausgestatteten Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, wurden auf Höchstspannungsleitungen abgefeuert. Mehr als ein Dutzend Vorrichtungen hierfür wurden gefunden. Zu einem Stromausfall kam es laut Netzbetreiber aber nicht.
Als Nächstes beförderte am Umspannwerk im nordrhein-westfälischen Bergheim jemand Kabel über die Oberleitung, wodurch es zu einem Kurzschluss kam. Im Nachhinein wurden mehrere Abschussvorrichtungen entdeckt.
Am Donnerstagabend entdeckte dann ein Spaziergänger am Umspannwerk in Dormagen, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen, einen verdächtigen Gegenstand, bei dem es sich laut Polizei ebenfalls um eine Abschussvorrichtung handeln könnte. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung wurden Abschussvorrichtungen für selbstgebaute Raketen entdeckt. An den Bausätzen sollen demnach Zeitschaltuhren und Kupferdrähte befestigt gewesen sein.
Bekennerschreiben aufgetaucht: Mann bezichtigt sich als Einzeltäter
Die "taz" berichtete am Donnerstagabend, sie habe ein Bekennerschreiben zu dem Vorfall in Brandenburg erhalten, das laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen abgeschickt wurde. Nach Angaben der Zeitung stellt sich der Absender als Einzeltäter dar, der die verwendeten Selbstbauraketen im Detail beschreibt. Er habe als Motiv "unermessliches Leid" genannt, das die Nutzung fossiler Brennstoffe verursache.
Der Text ist der "taz" zufolge handschriftlich verfasst und enthält einen Absender – was sehr ungewöhnlich für Bekennerschreiben ist. An der Adresse habe die "taz" bisher nur ein anderes Familienmitglied angetroffen, berichtete die Zeitung weiter. Dieses erkannte die Handschrift, sagte aber, es habe keine Kenntnis vom aktuellen Aufenthaltsort des Verfassers.
Bekennerschreiben: "... dann müsste ich das Gesetz nicht brechen"
Die "taz" wies nach umfassender Recherche ausdrücklich darauf hin, dass nicht zweifelsfrei geklärt werden könne, ob der Verfasser des Schreibens auch der Täter sei. Allerdings würden sich die medial verbreiteten Beschreibungen der verwendeten Selbstbauraketen mit den detaillierten Beschreibungen im Bekennerschreiben decken, ebenso die genannte Uhrzeit der Tat am frühen Dienstagmorgen. Entsprechende Medienberichte seien erst am späten Dienstag veröffentlicht worden, als der Brief schon abgeschickt gewesen sein müsste, schreibt die "taz".
Zur Motivation heißt es im Bekennerschreiben unter anderem: "Weil die Medien einen Scheiß tun, die Dringlichkeit der Situation zu vermitteln, und der Staat da nicht eingreift, um dieses Leid abzuwenden, muss ich das jetzt machen." Außerdem kündigt der Schreiber laut "taz" weitere Angriffe an: "Wenn hier Recht und Ordnung herrschten, dann müsste ich das Gesetz nicht brechen und einen Haufen Leid in Kauf nehmen, das ich wegen dem Stromausfall und allen Stromausfällen, die da noch kommen müssen, zu verantworten habe."