„Ganz Europa in den Krieg hineinziehen“: Kasparow warnt vor Putins nächstem Schritt
Startseite Politik „Ganz Europa in den Krieg hineinziehen“: Kasparow warnt vor Putins nächstem Schritt Von: Lukas Richter Uns auf Google folgen Kreml-Kritiker Kasparow warnt vor neuer russischer Eskalation. Russlands Krieg gegen die Ukraine könnte nach Einschätzung des Kremlkritikers Garri Kasparow in eine neue und deutlich gefährlichere Phase treten. Der frühere Schachweltmeister warnt vor einem größeren Eskalationsschritt Moskaus. Dieser müsse sich nicht auf die ukrainische Front beschränken. Auch Deutschland nennt Kasparow im Zusammenhang mit aus seiner Sicht zunehmenden russischen „Provokationen“ in Europa. Content-Partnerschaft Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de. Im Machtapparat von Präsident Wladimir Putin habe sich die Linie derjenigen durchgesetzt, die den Krieg weiter verschärfen wollten, so Kasparow. In den vergangenen zwei bis drei Wochen habe sich die Rhetorik im Kreml deutlich verändert. Gespräche über mögliche Auswege oder Kompromisse seien verstummt. „Die Debatten innerhalb der Kreml-Türme sind mit einem absoluten Sieg der Kriegspartei beendet“, sagte Kasparow in einem Interview mit dem russischen Oppositionsforum Forum Freies Russland. Kasparow erwartet Versuch eines größeren Durchbruchs Für Kasparow deutet diese Entwicklung auf eine weitere Eskalation hin. Sie könne sogar „die schwerwiegendste in dieser ganzen Zeit“ werden. Ein langwieriger Stellungskrieg bringe Russland aus ihrer Sicht nicht ans gewünschte Ziel. Kasparow warnte zugleich davor, Putins Entscheidungen als irrational abzutun. Der russische Präsident sei seit 26 Jahren an der Macht und müsse deshalb als politischer Gegner ernst genommen werden. „Lasst uns ihn nicht für verrückt halten“, sagte Kasparow. Auch die Führung in Moskau könne rechnen und wisse, dass ihr für ihre Ziele nicht unbegrenzt Zeit bleibe. Deshalb hält Kasparow einen größeren Durchbruch zumindest für wahrscheinlich. Dieser müsse nicht an der Front in der Ukraine stattfinden. Dort habe Russland nur begrenzte Erfolge erzielt. Stattdessen könne Moskau versuchen, den Konflikt geografisch auszuweiten. „Es könnte sehr wohl ein Versuch sein, ganz Europa in den Krieg hineinzuziehen“, sagte der Kremlkritiker. Als Beispiele für eine aus seiner Sicht starke Zunahme russischer „Provokationen“ nannte er Polen, Deutschland und Italien. Konkrete Angriffspläne gegen diese Staaten beschrieb Kasparow dabei nicht. Kasparow spricht über mögliche NATO-Grenze Unmittelbar danach verwies Kasparow auf zunehmende Diskussionen über eine mögliche Überschreitung der NATO-Grenze im Baltikum. Nach seiner Einschätzung bereite sich die russische Führung auf einen solchen Schritt vor und versuche bereits, innerhalb Russlands den ideologischen Boden dafür zu schaffen. Öffentliche Vorgänge in Russland hält Kasparow bei der Bewertung solcher Entwicklungen vielfach für eine Inszenierung. Gerichte, Staatsanwälte und andere staatliche Stellen seien für die entscheidenden Machtfragen lediglich „Dekoration“. Er verglich das Geschehen mit einem „Puppentheater“. Der eigentliche Konflikt spiele sich hinter der Bühne zwischen denjenigen ab, die politische Entscheidungen steuerten. Auch im Westen werde nach Kasparows Einschätzung inzwischen mit einer weiteren Verschärfung gerechnet. Der Westen erkenne „zähneknirschend“ an, dass eine Eskalation unvermeidlich werde, sagte er. Quellen: Forum Freies Russland, nif/red.