Gaspreise auf Jahreshoch: Reiche gerät wegen Gasspeicher unter Druck
Preise steigen weiter
Verbraucher müssen sich auf teures Gas einstellen
Von Amy Walker
26.08.2026 - 11:57 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Gaspreise klettern mit Blick auf den Herbst weiter an. Das erschwert die Speicherbefüllung immer stärker. Am Ende müssen die Verbraucher bezahlen.
Der europäische Gaspreis am Großhandelsmarkt ist in dieser Woche auf sein bisheriges Jahreshoch von fast 69 Euro pro Megawattstunde geklettert. Im Februar, kurz vor Beginn des Iran-Kriegs, lag er noch bei rund 30 Euro/MWh. Mit Blick auf den bald beginnenden Herbst werden die Marktteilnehmer zunehmend nervös, da die Befüllung der Gasspeicher für den Winter noch immer schleppend verläuft. Am Mittwoch waren die Speicher zu 51 Prozent gefüllt. Durch die weiter steigenden Gaspreise wird die Befüllung immer unwirtschaftlicher.
Der größte Speicher des Landes, der Gasspeicher Rehden, war nur zu acht Prozent gefüllt. Zuletzt konnte der Betreiber des Speichers, die staatliche Gasfirma Sefe, im Juli erfolgreich Speicherkapazitäten für Erdgas verkaufen.
Wirtschaftsministerium lehnt staatliche Gas-Befüllung ab
Für die Bundesregierung wird das Thema zunehmend zum Dilemma. Die gesetzlich geregelten Füllstandsvorgaben von 70 Prozent bis 1. November sind Experten zufolge kaum mehr zu erreichen – sowohl der Energieverband BDEW als auch der Speicherverband Ines warnen, dass es irgendwann physikalisch nicht mehr möglich sei, die Vorgaben zu erfüllen. Tritt das ein, dann müsste die Regierung theoretisch handeln und die Trading Hub Europe (THE) dazu anordnen, Gas zu kaufen.
Die Gasfüllstandsvorgaben
Für 2026 gelten in Deutschland verbindliche Ziele für die Speicherstände: Zum 1. November müssen die Gasspeicher zu 80 Prozent, zum 1. Februar zu 30 Prozent gefüllt sein; für bestimmte Speicher gelten abweichend 45 Prozent, sodass das Gesamtziel auf rund 70 Prozent hinausläuft.
Im November 2025 waren die Speicher zu 75 Prozent voll.
Anfang Februar 2026 waren sie bei 31 Prozent und damit nur knapp über der gesetzlichen Untergrenze.
Vor diesem Schritt warnte am Montag der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Frank Wetzel. "Staatliche Eingriffe sollten höchst sorgsam überlegt sein, denn sie beeinflussen das Marktgeschehen und damit die Preise", sagte Wetzel. "Wo die öffentliche Hand Einspeisung anreizt, nimmt sie Einfluss auf die Nachfrage am Markt und trägt gegebenenfalls zu einem höheren Gaspreisniveau bei", fügte er hinzu. Höhere Speicherfüllstände führten umgekehrt nicht automatisch zu niedrigeren Preisen.
Reagiert die Bundesregierung hingegen nicht, dann würde sie einen Rechtsbruch zulassen. Alternativ könnte sie die Füllstandsvorgaben jetzt noch ändern, um diesen Bruch zu vermeiden; die Bedingungen für Speicherbetreiber wären damit aber nicht automatisch verbessert. Zusammen mit dem BDEW fordern sie Maßnahmen wie eine Absenkung der Netzentgelte und Umlagen, um die Marge der Gashändler trotz teurem Gas zu verbessern.
Deutschland ist von LNG aus den USA abhängig
Ob das Gas für den Winter ausreicht, hängt nicht allein von den Gasspeichern ab. Seitdem Deutschland kein Pipelinegas aus Russland mehr bezieht, ist deren Bedeutung für die Versorgungssicherheit zurückgegangen. Das betont auch das Wirtschaftsministerium: Deutschland kann sich mittlerweile mithilfe von Flüssigerdgas (LNG) versorgen. Die LNG-Importe können bis zu 15 Prozent der deutschen Gasversorgung im Winter abdecken. Deutschland bezieht das meiste LNG aus den USA, ist dadurch von diesen Lieferungen abhängig.
Dadurch wäre es theoretisch möglich, auch bei weniger gut gefüllten Speichern sicher durch den Winter zu kommen. Ob es ausreicht, hängt aber nicht zuletzt auch vom Wetter ab: Wird es besonders kalt, dann steigt der Gasverbrauch an und es könnte kritisch werden.
Ohnehin deutet sich keine Gaspreisentspannung in den nächsten Wochen an – im Gegenteil. Noch immer ist die Straße von Hormus gesperrt, 20 Prozent des weltweiten LNG-Angebots steckt also fest. Dauert diese Gemengelage von Krieg und niedrigen Füllständen noch länger an, dürften sich die Preise nach und nach weiter erhöhen.
Gaspreise steigen jetzt für Kunden
Verbraucherschützer warnen deshalb schon vor steigenden Gaspreisen auch für Privathaushalte in den nächsten Monaten. Im Interview mit t-online sagte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, dass sich Haushalte und Mieter auf höhere Preise einstellen müssten.
Wie teuer es werden könnte, hat das Energie-Start-up 1Komma5° berechnet. Wer einen aktuellen durchschnittlichen Gaspreis von rund neun Cent pro Kilowattstunde bezahlt, muss bei einem Durchschnittsverbrauch von 18.000 kWh/Jahr etwa 1.700 Euro für Gas aufbringen. Würden Versorger das aktuelle Gaspreisniveau direkt an ihre Kunden weitergeben, dann stiege der Gaspreis auf 14 Cent/kWh. Derselbe Haushalt müsste dann über 2.500 Euro für Gas bezahlen.
Ob sich die Gaspreise kurzfristig genau so entwickeln werden, ist unklar und kommt auf die Entwicklungen der nächsten Wochen an. Wer sich absichern will, kann jetzt schon einen neuen Gasvertrag mit Preisgarantie für zwölf Monate abschließen und sich damit für die nächsten Monate absichern. Lang- und mittelfristig dürften die Gaspreise durch steigende Netzentgelte, CO2-Preise und Bioquoten ohnehin weiter steigen.