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Gaspreise steigen auf Vierjahreshoch: Speicher werden kaum aufgefüllt

Wirtschaft

Merz macht sich Sorgen

Gas so teuer wie seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht mehr

Von dpa, wal

02.09.2026 - 18:06 UhrLesedauer: 3 Min.

Kurz vor Herbstbeginn wird Gas in Europa wieder teuer. So teuer, dass die Speicher für den Winter nicht mehr aufgefüllt werden.

Der Preis für Erdgas in Europa hat den Höhenflug am Mittwoch fortgesetzt und den höchsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs erreicht. Die Notierung stieg den dritten Tag in Folge, da die Angriffe der USA und des Iran die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Energielieferungen über die Straße von Hormus dämpften. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam kletterte bis auf 74,43 Euro je Megawattstunde (MWh). Das sind gut drei Prozent mehr als am Vortag.

Damit ist Erdgas teurer als zu Beginn des Iran-Kriegs, als die Notierung im März zeitweise über 70 Euro je MWh gestiegen war. Höher war der Preis zuletzt 2022, als er nach einem russischen Lieferstopp infolge des Ukraine-Kriegs zeitweise über 300 Euro nach oben geschossen war.

Trump hat angeblich kein Interesse an Ende des Iran-Kriegs

Die USA führten den zweiten Tag in Folge Luftangriffe auf den Iran durch. Durch den Krieg und die Blockade der Straße von Hormus ist ein großer Teil der weltweiten Lieferungen an Erdgas ausgefallen. Das US-Militär attackierte nach eigenen Angaben in der Nacht Luftabwehrstellungen und Radarsysteme der iranischen Revolutionsgarden sowie Gerät zum Verlegen von Seeminen. Der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Jordanien, Kuwait und Bahrain.

Präsident Donald Trump spielte die Chancen auf eine Einigung zur Beendigung des seit mehr als sechs Monaten andauernden Krieges herunter. Es sei ihm "völlig egal", ob die iranische Führung ein Abkommen unterzeichne, das für sie wertlos sei, schrieb Trump weiter. "Mir gefällt unsere derzeitige Position viel besser: Wir haben fast die vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus, und ihre Wirtschaft bricht völlig zusammen", meinte Trump und fügte hinzu: "Wann wird das iranische Volk endlich aufstehen und kämpfen?"

Gaspreise steigen – Speicher könnten leer bleiben

Preistreiber ist die Sorge, dass Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) aus den Fördergebieten am Persischen Golf dauerhaft blockiert sein könnten. Seit etwa drei Wochen geht es mit dem Gaspreis tendenziell nach oben. In dieser Zeit hat sich der Rohstoff um über 40 Prozent verteuert.

Mit der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg steigt der Preis für europäisches Erdgas zudem stärker als für Rohöl. Während die Ölpreise in den vergangenen Wochen auch zeitweise deutlich gefallen waren, haben sich die Notierungen für den Erdgas-Terminkontrakt auf hohem Niveau gehalten. Neben der Blockade der Straße von Hormus als wichtige Transportroute für Energierohstoffe wird der Gaspreis auch durch eine vergleichsweise geringe Füllmenge der Gasspeicher in Europa gestützt.

Die deutschen Gasspeicher bleiben auf historisch niedrigen Füllständen. Am Mittwoch waren die Reserven für den Winter nur zu 53 Prozent gefüllt, bis zum 1. November sollten sie eigentlich zu 70 Prozent gefüllt sein. Je länger die aktuelle Situation andauert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Speicherbetreiber dieses Ziel erreichen können. Davor warnen die Gashändler schon seit einigen Wochen.

Merz macht sich Sorgen um die Gasspeicher

Durch die hohen Gaspreise ist das Speichern für den Winter für viele Händler unwirtschaftlich geworden. Sie können sich nicht mehr sicher sein, dass sie ihr heute eingekauftes Gas zu denselben Preisen im Winter wieder verkaufen können. Der Anreiz ist höher, stattdessen das Gas jetzt zu verkaufen.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) steht damit unter Druck, in den Markt einzugreifen und die staatliche Trading Hub Europe anzuordnen, das Gas zu speichern. Dies wäre allerdings teuer – 2022 als das durch den Stopp der Lieferungen aus Russland schon einmal passierte, zahlte die Bundesregierung neun Milliarden Euro für das Gas. Auch das war einer der Gründe, weshalb Gas in Europa teuer wurde.

Allerdings gehen der Ministerin langsam die Alternativen aus. Einem Medienbericht zufolge macht sich nun auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Sorgen um die Strategie seiner Ministerin. Öffentliche Äußerungen diesbezüglich gab es jedoch keine.

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