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Gasspeicher: Bei hartem Winter droht Unterversorgung von 25 Prozent

Technologie

Unterversorgung potenziell möglich

Gasspeicher: Füllstand kritisch

Von Jennifer Buchholz

08.09.2026 - 07:25 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Gasspeicher in Deutschland sind gefährlich leer. Experten warnen: Bei einem harten Winter könnte über ein Viertel des benötigten Gases fehlen.

Die Gasspeicher in Deutschland sind insgesamt nur zu etwa 54 Prozent gefüllt. Die Zeit drängt: Bis zum 1. November müssen es insgesamt mindestens 70 Prozent sein. Als Gründe für die bis jetzt geringen Füllstände nennen Experten wiederholt die geringe Rentabilität zum Einspeichern.

Technisch kann die vorgeschriebene Mindestfüllmenge noch erreicht werden; auch die von den Speicherkunden gebuchte Kapazität von 77 Prozent. Das zeigt die aktuelle Modellrechnung der Initiative Energien Speichern (Ines). "Entscheidend ist nun aber, ob die Speicherkunden ihre gebuchten Kapazitäten tatsächlich befüllen – und ob dies schnell genug geschieht", erklärt die Initiative.

Die Gasfüllstandsvorgaben

Für 2026 gelten in Deutschland verbindliche Ziele für die Speicherstände: zum 1. November müssen die Gasspeicher zu 80 Prozent, zum 1. Februar zu 30 Prozent gefüllt sein; für bestimmte Speicher gelten abweichend 45 Prozent, sodass das Gesamtziel auf rund 70 Prozent hinausläuft.

Im November 2025 waren die Speicher zu 75 Prozent gefüllt.

Anfang Februar 2026 waren sie bei 31 Prozent und damit nur knapp über der gesetzlichen Untergrenze.

Um die gebuchte Kapazität wirklich zu erreichen, muss das Befüllungstempo erheblich erhöht werden. Es muss in den nächsten knapp zwei Monaten deutlich mehr Gas eingespeichert werden, als in den vergangenen drei Monaten zusammen. Wird das Befüllungstempo nicht erhöht, wird es immer unrealistischer, die Mindestfüllmenge technisch zu erreichen.

Normaler Winter: Versorgung gesichert

Wie wichtig es ist, dass die gebuchten Kapazitäten wirklich gefüllt sind, zeigt die Sensitivitätsanalyse der Ines-Gas-Szenarien: Werden die Füllstandsvorgaben von 77 Prozent zum 1. November erreicht und wird der Winter 2026/27 normal, würde die Gasversorgung vollständig gewährleistet bleiben. Gleiches gilt für einen sehr milden oder warmen Winter.

Kritischer sieht es bei einem sehr harten Winter aus. "Bei extrem kalten Temperaturen reicht ein Füllstand von rund 77 Prozent hingegen nicht aus", so die Studienautoren. Im Januar 2027 könnte es an einzelnen Tagen zu einer Unterdeckung von über 25 Prozent kommen.

Bundesnetzagentur wird Bundeslastverteiler

Konkret heißt das, dass an diesen Tagen der Gasbedarf deutlich höher als die verfügbare Gasmenge wäre. Über ein Viertel des benötigten Gases könnten dann fehlen. Dies würde zwar nicht bedeuten, dass Haushalte kein Gas mehr bekommen würden und nicht mehr heizen könnten. Allerdings bedeutet es, dass bestimmte Maßnahmen ergriffen werden müssten, um den Verbrauch zu senken und die Versorgung zu sichern. Möglich wäre, dass dann die Industrieunternehmen dazu aufgerufen werden, ihre Produktion zu drosseln, Anlagen herunterzufahren oder, wenn möglich, von Gas auf einen anderen Energieträger zu wechseln.

Reichen diese freiwilligen Einsparmaßnahmen nicht aus, kann die Bundesregierung die Notfallstufe des Notfallplans Gas ausrufen. Die Bundesnetzagentur wird dann zum sogenannten Bundeslastverteiler und kann Unternehmen gezielt auffordern, ihren Gasverbrauch zu reduzieren. Haushalte wären hiervon nicht betroffen, da sie zu den besonders geschützten Verbrauchern zählen. Gleiches gilt übrigens auch für Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime.

Einspeichern war nicht rentabel

Hintergrund für den geringen Füllstand ist unter anderem die Rentabilität des Einspeicherns. Das ganze Jahr über war der Gaspreis sehr hoch – zu den Gründen mehr in diesem Artikel hier. Einspeichern lohnt sich für die Speicherkunden nur, wenn sie Gas günstig einkaufen und dann mit Gewinn im Winter verkaufen. Eine derartige Wirtschaftlichkeit beim Einspeichern war in diesem Jahr für die Speicherkunden nicht gegeben.

Damit sich das ändert und Kunden einen größeren Anreiz bekommen, Gas einzuspeichern, hatte die Ines vor wenigen Tagen einen Aktionsplan vorgestellt. Der Plan soll die Wirtschaftlichkeit für Speicherbetreiber verbessern, die unter hohen Gaspreisen und den gesetzlichen Füllstandsvorgaben leiden.

Konkret fordert die Ines darin kurzfristige Maßnahmen wie die Abschaffung der Konvertierungsumlage, das Streichen der Netzentgelte an den Speichern sowie die Finanzierung des einzuspeichernden Gases über günstige Staatskredite, um die Kosten um etwa 1,16 Euro pro Megawattstunde zu senken.

Das sind die Top-Fragen des Tages:

Darüber hinaus schlägt die Initiative sogenannte Long-Term-Options (LTO), also langfristige Maßnahmen vor. Dadurch sollen bei einer hohen Gasnachfrage mögliche Netzengpässe abgesichert und zusätzliche Anreize für die Einspeicherung geschaffen werden.

Die Initiative betont in ihrem Aktionsplan jedoch, dass nicht nur Sofortmaßnahmen, sondern vielmehr langfristige Maßnahmen nötig sind, um die Gasversorgung in Deutschland auch langfristig zu gewährleisten.

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