Gasspeicher: Füllstand zu niedrig - droht ein Engpass im Winter?
Aktueller Füllstand
Deutsche Gasspeicher sind zu leer
Von Jennifer Buchholz
14.09.2026 - 09:31 UhrLesedauer: 3 Min.
Die deutschen Gasspeicher füllen sich zu langsam. Bis zum gesetzlichen Stichtag bleiben noch knapp sieben Wochen.
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu 55,6 Prozent gefüllt – das ist deutlich weniger als in den Vorjahren. Vor einem Jahr waren es um diese Zeit bereits rund 74 Prozent – also gut 19 Prozentpunkte mehr.
Die Gasfüllstandsvorgaben
Für 2026 gelten in Deutschland verbindliche Ziele für die Speicherstände: Zum 1. November müssen die Gasspeicher zu 80 Prozent, zum 1. Februar zu 30 Prozent gefüllt sein; für bestimmte Speicher gelten abweichend 45 Prozent, sodass das Gesamtziel auf rund 70 Prozent hinausläuft.
Im November 2025 waren die Speicher zu 75 Prozent gefüllt.
Anfang Februar 2026 waren sie bei 31 Prozent und damit nur knapp oberhalb der gesetzlichen Untergrenze.
Angesichts der aktuellen Werte gab die Initiative Energien Speichern (INES) vergangene Woche eine Warnung aus: Sollte die Einspeicherung weiterhin so schleppend verlaufen, könnte die Gasversorgung in einem harten Winter 2026/27 durchaus kritisch werden. Bei einem normalen oder gar milden Winter hingegen sei die Versorgung gesichert.
Der Verband Zukunft Gas und die Bundesnetzagentur betonen, dass die Versorgungssicherheit für Gaskunden trotz niedriger Speicherstände nicht gefährdet sei. Kunden könnten sich auf vertragliche Zusagen verlassen, da Faktoren wie Lieferverträge, Pipeline-Gas, LNG und gespeicherte Mengen die Versorgung stützen. Auch das Bundeswirtschaftsministerium sieht momentan keine Gasmangellage und keine Notwendigkeit für staatliche Eingriffe im kommenden Winter. Laut INES könnten die deutschen Gasspeicher bis zum 1. November 2026 technisch auf einen Füllstand von rund 77 Prozent gebracht werden könnten. Damit würde der tatsächliche Füllstand nur knapp unter dem aktuellen Buchungsstand von etwa 83 Prozent liegen. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, betont, dass die niedrigen Speicherstände nicht kleingeredet werden dürfen. Zugleich seien sie "aber auch kein Beleg dafür, dass Deutschland vor einer Versorgungslücke steht."
Einspeichern von Gas ist nicht rentabel genug
Hintergrund für den geringen Füllstand und die langsame Einspeicherquote ist unter anderem die mangelnde Rentabilität des Einspeicherns. Das ganze Jahr über war der Gaspreis sehr hoch – zu den Gründen mehr in diesem Artikel. Einspeichern lohnt sich für die Speicherkunden nur, wenn sie Gas günstig einkaufen und dann im Winter mit Gewinn verkaufen (Sommer-Winter-Spread). Eine derartige Wirtschaftlichkeit beim Einspeichern war in diesem Jahr für die Speicherkunden nicht gegeben.
Kehler macht deutlich: "Ein ungünstiger Sommer-Winter-Spread kann zusätzliche Einspeicherungen wirtschaftlich unattraktiver machen – bestehende Lieferverpflichtungen hebt er nicht auf." Zudem signalisieren die Terminmärkte derzeit keine erwartete Mengenknappheit zum Ende des Winters. Die benötigten und gebuchten Mengen werden also eingespeichert, so der Verband. INES und Experten bezweifeln dies auch nicht – sie betonen jedoch, dass es stets eine Preisfrage ist, die die Kunden bei den Heizkosten spüren könnten.
Experten fordern Regierung zum Handeln auf
Damit sich die Lage für Speicherbetreiber und ihre Kunden verbessert, sind nach Ansicht der Initiative und zahlreicher Experten bessere Rahmenbedingungen notwendig – sowohl jetzt als auch langfristig. Sie appellieren daher an die Regierung, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Das sind die Top-Fragen des Tages:
Die INES schlägt etwa einen Aktionsplan vor. Der Plan soll die Wirtschaftlichkeit für Speicherbetreiber verbessern, indem unter anderem die Konvertierungsumlage abgeschafft, die Netzentgelte an den Speichern gestrichen und das einzuspeichernde Gas über günstige Staatskredite finanziert werden. Und auch der Verband Zukunft Gas spricht sich für einen Abbau der Konvertierungsumlage aus. Dabei handelt es sich um einen Aufschlag auf den Gaspreis zur Finanzierung der technischen und kommerziellen Umwandlung von Gasqualitäten.
Nur noch sieben Wochen Zeit
Klar ist: Bis zum Stichtag 1. November bleiben noch knapp sieben Wochen. Ob die gesetzliche Vorgabe von 80 Prozent erreicht wird, hängt davon ab, ob das Einspeichertempo in den kommenden Wochen deutlich gesteigert wird. Gelingt das nicht, dürfte die Debatte über staatliche Eingriffe in die Gasspeicherbefüllung erneut an Fahrt aufnehmen.