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Gasspeicher: Füllstände so niedrig wie seit Jahren nicht

Wirtschaft

Analysten warnen

Der kommende Winter wird riskant

Von Jennifer Buchholz

22.09.2026 - 12:14 UhrLesedauer: 3 Min.

Nach dem Bruch mit Russland wächst Europas neue Abhängigkeit von LNG. Auf dem Weltmarkt erzeugen die Konkurrenz in Asien und geopolitische Störungen Preisdruck.

Der Winter 2026/27 birgt für Europa deutlich mehr Risiken als noch in den Vorjahren. Das ist das Ergebnis einer Marktanalyse der gemeinnützigen Denkfabrik Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA). Neben den niedrigen Füllständen der Gasspeicher nennen die Analysten vor allem mögliche Lieferunsicherheiten sowie die Konkurrenz mit asiatischen Ländern auf dem LNG-Markt. Sollte der Winter deutlich kälter ausfallen als in den Vorjahren, könnte das zusätzliche Probleme bereiten.

Kein Vergleich zur Krise 2022

Der IEEFA zufolge lässt sich die aktuelle Situation nicht mit der Energiekrise 2022 vergleichen, die durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst wurde. Damals bezog Europa den größten Teil seiner Gaslieferungen aus Russland, die dann gestoppt wurden. Die Folgen waren nicht nur kurz darauf, sondern teilweise noch Monate danach für die Industrie, Wirtschaft und Bürger der betroffenen Länder spürbar.

Zwar lernte Europa daraus – es wurden unterschiedliche Lieferquellen erschlossen, die erneuerbare Energien ausgebaut und Energiesparmaßnahmen gefördert. Doch parallel entstand eine neue Abhängigkeit: die von LNG. Statt auf Pipelinegas setzt Europa nun auf Flüssiggas, Deutschland besonders stark: Es baut weiter Terminals, die die Versorgung im Winter sichern sollen. Dieser Trend dürfte anhalten, wie eine Prognose des Analysehauses ICIS (Independent Commodity Intelligence Services) zeigt. Der dortige Gasmarktexperte Andreas Schröder geht davon aus, dass der Anteil von Flüssiggas im Gasmix von West- und Zentraleuropa von 44 Prozent im vergangenen Jahr auf 47 Prozent im Jahr 2027 steigen wird.

Das Problem: Europa kauft Gas überwiegend aus den USA und rutscht somit in eine neue Abhängigkeit – wenngleich weniger stark als vor einigen Jahren von russischem Gas. Hinzu kommt aber, dass Europa das Flüssiggas auf dem Weltmarkt einkauft. Und zwar genauso wie etwa Asien. Die Bestellmenge dieser Länder hat sich zwischen März und Juli verdreifacht. Besonders China, Japan, Südkorea, Indien und Taiwan sind Hauptabnehmer. Das wiederum treibt die Preise in die Höhe. Inzwischen sind sie so hoch, dass Asien die Bestellmenge wieder deutlich zurückgefahren hat.

19 Prozent LNG aus Russland

Die Situation auf dem internationalen LNG-Markt könnte sich laut IEEFA zum Jahreswechsel noch verschärfen. Der Grund: Am 1. Januar 2027 tritt in der EU das Verbot für LNG-Importe unter Langzeitverträgen für russisches LNG in Kraft. Der Wegfall ist nicht unerheblich. Denn allein im ersten Halbjahr 2026 bezog die EU laut dem LNG-Tracker der IEEFA 19 Prozent ihrer LNG-Importe aus Russland. Aus den USA kamen 63 Prozent.

Auch aus anderen Ländern wie Katar und Algerien bezieht Europa LNG. Doch im ersten Quartal 2026 fielen die Importe etwas geringer aus. Hintergrund hier ist die Situation rund um die Straße von Hormus, was die Importmenge reduzierte. Der Rückgang wurde insbesondere durch den Mehrimport aus den USA kompensiert – der Anteil stieg um sechs Prozentpunkte. Zusätzlich wurde die Importmenge aus Nigeria leicht erhöht (von fünf Prozent 2025 auf sieben Prozent im ersten Quartal 2026).

Wintervorrat treibt Nachfrage

Noch deutlicher wird die Abhängigkeit von LNG-Märkten beim Blick auf das dritte Quartal: Allein im August kamen etwa 70 Prozent des LNG für Europa aus den USA. Gegenüber Juli stieg der Anteil von 43 Prozent um 27 Prozentpunkte. Grund für den Anstieg ist vor allem die Befüllung der LNG-Terminals für den Winter.

Trotz dieser Bemühungen sind die Füllstände europäischer Gasspeicher vergleichsweise niedrig. Laut der zentralen europäischen Transparenzplattform für Gasspeicherfüllstände sind die Speicher aktuell zu 69,62 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr waren es noch 80,12 Prozent. Als Grund nennen Experten der IEEFA sowie der Initiative Energien Speichern e. V. (INES) die hohen Gaspreise im Sommer. Diese machten das Einspeichern für viele Speicherbetreiber unwirtschaftlich.

Laut IEEFA zeigt die Entwicklung, dass die USA für die Gasversorgung in Europa immer wichtiger geworden sind und weiter werden. Verschärft sich der Kampf auf dem LNG-Markt weiter, werden die Preise mit unmittelbaren Auswirkungen auch auf die Gas- und Stromkunden steigen, mahnen die Analysten der IEEFA.

Bereits Anfang des Jahres hatte die IEEFA vor der zunehmenden Abhängigkeit Deutschlands von US-LNG gewarnt. Damals waren jedoch die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus noch kein Thema.

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