Gasspeicher in Deutschland: Versorgung im Winter bleibt unsicher
INES-Bericht Gasversorgung im Winter unsicher Von Jennifer Buchholz Aktualisiert am 07.07.2026 - 09:19 UhrLesedauer: 2 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie zuletzt im Krisenwinter 2021/22. Nun warnt die Branche vor ernsthaften Versorgungsrisiken im kommenden Winter. Zwar ist eine weitere Befüllung der deutschen Gasspeicher bis zum 1. November 2026 möglich – doch ob der gebuchte Stand von 76 Prozent tatsächlich erreicht wird, hängt entscheidend von den Marktbedingungen ab. Das ist das Ergebnis des aktuellen Juli-Updates der Initiative Energien Speichern e. V. (INES). Grund sind etwa fehlende Preisanreize. Aufgrund dessen reichen die bisherigen Marktmechanismen nicht aus, um die Wiederbefüllung der Speicher dauerhaft zu sichern. Zum 1. Juli 2026 waren die deutschen Gasspeicher durchschnittlich nur zu 41 Prozent gefüllt. Das ist der niedrigste Wert zu diesem Zeitpunkt seit dem Krisenjahr 2021/22. Ursache ist unter anderem die starke Entleerung der Speicher zum Ende des Winters 2025/2026. Hinzu kommen stark gestiegene Gaspreise, die die Wiederbefüllung bislang erheblich erschweren. Gasmangel droht Damit die Gasversorgung gesichert ist, müssen ausreichende Buchungen vorliegen und die gebuchten Kapazitäten tatsächlich genutzt werden, erklärt Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative. "Andernfalls steigt das Risiko für die Versorgungssicherheit im kommenden Winter erheblich." Ein Speicherfüllstand von 76 Prozent würde bei normalen oder warmen Wintertemperaturen ausreichen, um die Versorgung sicherzustellen. Kommt es hingegen zu einem außergewöhnlich kalten Winter, sieht die Lage anders aus. Liegen die Temperaturen dauerhaft niedrig wie im Referenzjahr 2010, käme es laut Modellrechnungen im Februar und März 2027 zu Unterdeckungen von bis zu 9 Terawattstunden (TWh) pro Monat. An einzelnen Tagen könnte der Gasmangel sogar bis zu 2 TWh pro Tag betragen. "Bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken erheblich." Fehlende Marktanreize Ein Problem für die unzureichende Befüllung, ist auch der Erdgaspreis. Doch diese sind aktuell ungewöhnlich hoch. In der Regel sinkt der Preis für Gas aufgrund der geringen Nachfrage im Sommer. Marktteilnehmer nutzen dieses Tief und kaufen Gas günstiger ein, speichern es zwischen und verkaufen es entsprechend teurer im Winter – ein Vorgehen, das Sommer-Winter-Spread genannt wird. Darüber hinaus verweist INES, wie auch in vorherigen Berichten, auf strukturelle Schwächen der Marktmechanismen. Es fehle an Anreizen, die gebuchten Kapazitäten tatsächlich zu befüllen, so die INES. Die Initiative fordert daher, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, damit die Speicher vor Beginn des Winters stärker befüllt werden können. Nur so lasse sich die Gasversorgung auch bei extremen Wetterlagen zuverlässig absichern. Aktueller Stand Zum 7. Juli sind die deutschen Gasspeicher insgesamt zu 42,88 Prozent gefüllt. Der Trend geht aufwärts; eine Befüllung erfolgt, wenn auch nur langsam (Einspeicherung aktuell 0,26 Prozent). Anzumerken ist jedoch auch, dass zwei Gasspeicher nicht mehr aktiv befüllt werden, beziehungsweise sich die Betreiber aufgrund der unrentablen Preise mit der Befüllung zurückhalten. Dabei handelt es sich um die Speicher der Betreiber bayernugs (Wolfersberg) und Enovos Storage (Frankenthal). Hintergrund