„Geballte Ladung an Windkraftanlagen wird Teilort für immer zerstören“
Beim „Heimatcheck“ der Schwäbischen Zeitung, einer großen Leserumfrage zur Lebensqualität vor Ort, haben die Teilnehmer aus Bad Waldsee intensiv die Möglichkeit genutzt, ihre Wünsche, Anregungen und Kritik anonym zu formulieren. Fast 500 kürzere oder längere Kommentare gingen ein. Am häufigsten beschäftigen sie Themen rund um die Mobilität, gefolgt von der medizinischen Versorgung. Dieses Mal geht es um die Windkraft – ein Thema, das die Teilnehmer besonders kontrovers diskutieren.
Bis zu 15 Windräder möglich
Die Debatte kommt nicht von ungefähr. Aktuell laufen beim Landratsamt Ravensburg vier Genehmigungsverfahren für Windparks, alle auf Bad Waldseer Gemarkung. Das teilte die Behörde auf Anfrage mit. Betroffen sind Gebiete bei Haisterkirch (Osterhofen), Michelwinnaden sowie Mittelurbach. Zusammen geht es um zwölf beantragte Windkraftanlagen. Hinzu könnten drei weitere Windräder kommen. Insgesamt wären damit auf Bad Waldseer Gemarkung bis zu 15 Windkraftanlagen möglich.
Wo sollen diese Windräder entstehen? Konkret geht es bei den Genehmigungsverfahren um sieben Windräder bei Osterhofen – fünf der EnBW Windkraftprojekte GmbH und zwei der Firma Laoco aus Biberach. Hinzu kommt ein Vorbescheidsverfahren der Windpark Bad Waldsee Projekt GmbH & Co. KG aus Argenbühl für drei weitere Anlagen bei Osterhofen. Damit könnten allein dort künftig bis zu zehn Windräder entstehen.
Außerdem umfasst das laufende Genehmigungsverfahren ein Windrad der Firma Laoco bei Michelwinnaden sowie den Windpark „Urbach“ der Firma Uhl Windkraft aus Ellwangen mit vier Windrädern zwischen Oberurbach, Volkertshaus und Mennisweiler. Die endgültigen Entscheidungen trifft das Landratsamt als Genehmigungsbehörde.
Die Windkraftpläne beschäftigen auch die Teilnehmer des Heimatchecks. Kaum ein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert wie der Ausbau der Windkraft. Während zahlreiche Teilnehmer vor allem Auswirkungen auf Anwohner und Landschaft befürchten, sprechen sich andere ausdrücklich für einen konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien aus.
Besonders kritisch sehen viele Teilnehmer die Planungen rund um Haisterkirch. Sie sorgen sich um das Landschaftsbild, den Abstand zu Wohngebieten und mögliche Auswirkungen auf ihre Lebensqualität. Ein Leser schreibt: „Geballte Ladung an Windkraftanlagen wird diesen Teilort von Bad Waldsee für immer zerstören.“ Andere wünschen sich deutlich größere Abstände zur Wohnbebauung oder eine geringere Zahl an Anlagen.
Kritik: Zu nah an Wohngebieten
Andere sprechen sich grundsätzlich gegen Windräder in Waldgebieten oder in der Nähe von Wohnorten aus. Ein Teilnehmer schreibt: „Windräder gehören in Offshore-Anlagen und nicht in die Nähe von Naturschutzgebieten und Wohngegenden.“ Ein anderer meint: „Windräder sollten nicht in unmittelbarer Nähe von Gemeinden errichtet werden, sondern möglichst hoch in den Bergen, wo sie niemanden stören.“
Viele Teilnehmer betonen allerdings, dass sie Windkraft nicht grundsätzlich ablehnen. Kritik richtet sich vielmehr gegen die Umsetzung. Immer wieder wird eine stärkere Bürgerbeteiligung gefordert. Mehrere Kommentatoren haben den Eindruck, ihre Bedenken würden zwar angehört, flössen am Ende aber nicht in die Entscheidungen ein. Auch die Konzentration vieler Anlagen rund um einzelne Ortschaften sowie die Verteilung der Vorranggebiete werden hinterfragt.
In den Kommentaren finden sich auch konkrete Vorschläge. So regen einige Teilnehmer an, stärker auf Stromspeicher zu setzen, um überschüssigen Wind- und Solarstrom besser nutzen zu können. Andere sprechen sich dafür aus, Windkraft nur mit größerem Abstand zur Wohnbebauung oder ohne Rodungen im Wald umzusetzen.
Trotz der vielen kritischen Stimmen gibt es auch Teilnehmer, die den Ausbau ausdrücklich begrüßen. „Dass bei uns Windräder gebaut werden, finde ich als einen Schritt in die richtige Richtung“, schreibt ein Leser. Ein anderer wünscht sich, „dass meine Stadt wieder mehr zu Nachhaltigkeit und Umweltthemen zurückfindet – Ja zu Windkraft“.